Libyen-Konflikt

Gaddafi-Truppen "säubern" Misrata von Rebellen

Diktator Gaddafi scheint die angekündigte "entscheidende Schlacht" gelungen zu sein. Dem Staatsfernsehen zufolge eroberten Gaddafi-Truppen Misrata.

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Die Truppen des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi haben nach Angaben des Staatsfernsehens die Kontrolle über die bislang von Rebellen gehaltene Stadt Misrata errungen. Die Stadt werde jetzt von Rebellen „gesäubert“, hieß es im Fernsehen. Dies wurde aber von einem Sprecher der Aufständischen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP kurz darauf dementiert. Ihm zufolge gab es bei den Kämpfen um Misrata am Mittwoch 18 Tote. Die rund 200 Kilometer östlich von der Hauptstadt Tripolis entfernte Stadt war eine der letzten Bastionen der Aufständischen.

Gaddafi hatte für heute die „entscheidende Schlacht“ um Misrata angekündigt. Seine Truppen hatten die mit einer halben Million Einwohnern drittgrößte Stadt Libyens am Mittwoch attackiert, dabei sollen nach Angaben der Rebellen mehrere Menschen getötet und verletzt worden sein. Ebenfalls am Mittwoch hatte das Staatsfernsehen die Einnahme der Stadt Adschdabija im Osten Libyens durch Gaddafis Truppen verkündet.

Auch nahe der libyschen Rebellenhochburg Bengasi ist es offenbar zu heftigen Gefechten gekommen. Die Gaddafi-Truppen stünden „vor den Toren von Bengasi“, berichtete der Sender Al-Libya. Die Armee kontrolliere die Stadt Suwaitina 150 Kilometer südlich von Bengasi. Die Aufständischen erklärten, Bengasi sei aus der Luft angegriffen worden. Ein Flugzeug sei von den Gaddafi-Gegnern abgeschossen worden.

Die libysche Armee hatte die Bewohner Bengasis aufgefordert, sich von potenziellen Kampfgebieten fernzuhalten. Die Armee sei auf dem Weg, die Stadt im Osten des Landes von „bewaffneten Banden“ zu säubern, meldete der Sender Al-Libya.

Wegen der Kämpfe verlassen immer mehr Llibyer das Land. Erstmals sei auch die Zahl der libyschen Flüchtlinge stark angestiegen, teilte EU-Krisenreaktionskommissarin Kristalina Georgieva mit. Nachdem bislang fast ausschließlich Arbeitsmigranten oder Flüchtlinge aus anderen afrikanischen Staaten Libyen verlassen hätten, versuchten in den letzten 24 Stunden immer mehr libysche Familie über die Grenzen nach Ägypten oder Tunesien zu gelangen.

„Es handelt sich um Frauen, Kinder, Ältere, die sich in Sicherheit bringen wollen“, sagte die EU-Kommissarin. Die Bedingungen an den Grenzen hätten sich verschlechtert, und es gebe keine ausreichenden Kapazitäten, um Arbeitsmigranten in ihre Heimat zu bringen. Unter den 6.000 Flüchtlingen, die in den vergangenen Tagen das Land verlassen hätten, seien 700 Libyer gewesen, sagte Georgieva.