London

LSE-Direktor tritt wegen Gaddafi-Spenden zurück

Die renommierte Londoner LSE-Universität hat eine Millionenspende der Familie Gaddafi angenommen. Zuletzt wurde über eine zweifelhafte Doktorarbeit von Gaddafis Sohn spekuliert.

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Der Direktor der London School of Economics (LSE) ist wegen der engen Kontakte der Hochschule zur libyschen Herrscherfamilie Gaddafi zurückgetreten. „Ich bin für das Renommée der Einrichtung zuständig und das hat Schaden genommen“, schrieb Direktor Howard Davies in seinem Rücktrittsgesuch.

In den vergangenen Tagen war die renommierte Hochschule in die Kritik geraten, weil sie Spenden der Gaddafi-Familie angenommen und libysche Führungskräfte ausgebildet hatte.

Er habe die Situation persönlich falsch eingeschätzt, räumte Davies ein. Es sei ein Fehler gewesen, Libyen zu besuchen und wirtschaftlich zu beraten.

Davies war unter anderem Leiter der britischen Finanzaufsicht sowie stellvertretender Direktor der Bank of England, bevor er Direktor der LSE wurde. Er hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, die Annahme von Spenden aus Libyen sei ihm heute peinlich.

Die Universität hat eine Untersuchungskommission eingerichtet. Sie soll die Beziehungen der LSE zu Libyen und Saif al-Islam, dem 38 Jahre alten Sohn von Staatschef Muammar al-Gaddafi untersuchen. Saif al-Islam hatte in den Jahren 2003 bis 2008 in London studiert, als Master of Science abgeschlossen und später eine Doktorarbeit geschrieben. Zuletzt hatte es Vorwürfe gegeben, der Student habe sie von einem Ghostwriter verfassen lassen. Derzeit tritt der 38-Jährige als Sprecher seines Vaters auf.

Auch finanziell gibt es mehrere Verbindungen der Hochschule nach Libyen. Eine Stiftung der Gaddafi-Familie spendete der LSE 2009 insgesamt 1,5 Millionen Pfund (1,75 Millionen Euro). Davies bekam 50.000 Dollar für Beratertätigkeiten. Außerdem hatte die Hochschule einen Vertrag in Höhe von 2,2 Millionen Pfund über die Ausbildung ziviler Führungskräfte mit libyschen Behörden abgeschlossen.