Es wäre ein politischer Machtwechsel ohne Wechsel im Weißen Haus. Am 3. November verlieren die Republikaner, so die verbreitete Annahme der Demoskopen, möglicherweise beide Kammern des Kongresses. Die Folge: Am 3. Januar 2027 übernehmen Demokraten die Ausschüsse, die Tagesordnungen und die Kontrolle über neue Ausgaben. Donald Trump bleibt Präsident, aber nicht länger ungestörter Herr seiner Regierung. Was täte ein Mann, der ungern nachgibt, wenn er nicht mehr durchregieren kann? Fünf mögliche Wege bis zur Amtseinführung seines Nachfolgers oder seiner Nachfolgerin im Januar 2029. Vorweg – sie schließen einander nicht aus.

Midterms 2026: Erste Option – der widerwillige Dealer

Trump entdeckt das Geschäft mit dem Gegner. Ausgerechnet Trump, für den Nachgeben wie Verlieren klingt, müsste verhandeln. Ohne Kongressmehrheit sind Haushalte und Gesetzesänderungen nicht durchzusetzen. Demokraten würden bei Krankenversicherungszuschüssen, Sozialleistungen und Lebenshaltungskosten Gegenleistungen verlangen. Hakeem Jeffries, jetzt der mächtige Mann im Repräsentantenhaus, will beweisen, dass seine Partei das Leben erschwinglicher machen kann. Trump könnte kleine Übereinkünfte als eigene Triumphe verkaufen. Bill Clinton machte es so, er rückte nach dem republikanischen Wahlsieg 1994 zur Mitte und unterzeichnete 1996 die Sozialhilfereform. Dazwischen: zwei Regierungsschließungen.

Aber für Trump wäre der Preis hoch: Ein Deal mit dem „Feind” würde keine Untersuchungen seiner Geschäfte oder des Iran-Krieges stoppen; von den Epstein-Akten, und dem Versteckspiel, das Trump damit treibt, ganz zu schweigen. Sein Vetorecht aber bliebe: Demokraten könnten Gesetze nicht mit einfachen Mehrheiten gegen ihn durchsetzen. Die Schuldenobergrenze könnte 2027 zu einem Druckmittel werden. Ohne Einigung über zusätzliche Kreditaufnahme drohten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Dabei könnten beide Parteien den Preis eines Stillstands unterschätzen. Plausibel? Möglich ist punktuelles Feilschen; eine dauerhafte Wandlung zum gemäßigten Präsidenten eher nicht.

Trump mit einer USA Cap auf einem Rednerpult
US-Präsident Donald Trump hält kurz vor den Midterms eine Rede am Reflecting Pool des Lincoln Memorials.© Alex Brandon/AP/dpa | Alex Brandon

Midterms 2026: Option zwei – der Präsident im Belagerungszustand

Angriff statt Anpassung. Vorladungen als Hexenjagd. Anfragen nach Akten als Rachefeldzug. Jede Blockade als Beweis, dass die Demokraten Amerika sabotieren. Trump könnte den verlorenen Kongress zum täglichen Gegner seiner öffentlichen Auftritte machen. Seine Mittel blieben: Exekutiv-Verordnungen (bisher schon fast 300), Begnadigungen, Sanktionen, Personalentscheidungen und das Justizministerium.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Dass die Demokraten sicher Ermittlungen zur Präsidentenfamilie, zum Iran-Krieg und zur Einwanderungspolitik einleiten würden, heißt erst mal nichts. Trump könnte Dokumente zurückhalten und die Herausgabe jahrelang vor Gericht bekämpfen. Emily Berman, Verfassungsrechtlerin an der University of Houston, benennt das Problem: „In einer Welt ohne Scham ist kaum vorstellbar, was der Kongress ohne irgendeine Form von Zwang ausrichten kann.“

Bei einer Verweigerung von Zeugenaussagen durch Trump wäre die Durchsetzung schwierig. Das Justizministerium gehört zur Exekutive; Prozesse könnten Trumps Amtszeit überdauern. Bei steigenden Preisen böte die Dauerkonfrontation dem Präsidenten zugleich die Chance, den Demokraten eine Mitschuld an der Misere zu geben.

Nach den Midterms: Dritte Option – die Flucht nach außen

Machtpolitik als Vermächtnis. Wenn im Inland die Gesetzesmaschine stockt, so war es oft, bleibt die Weltbühne. Auf der Weltbühne könnte ein geschwächter Präsident, noch dazu einer, der so sprunghaft, uninformiert und narzisstisch ist, noch unberechenbar werden.

In der Außenpolitik besitzt das Weiße Haus enorme Spielräume. Trump könnte die Konfrontation mit dem Iran massiv verschärfen, Kuba militärisch angreifen, Sanktionen gegen Russland komplett streichen, US-Truppen aus Europa abziehen oder Nato-Partner mit Sicherheitszusagen erpressen. Das sind Optionen, keine Pläne. Ein neuer Krieg folgt daraus nicht zwangsläufig. Für Europa wäre das ein beunruhigender Befund. Das Gesetz verbietet einen Nato-Austritt ohne Zweidrittelzustimmung des Senats oder durch ein Kongressgesetz. Doch schon unklare Zusagen und Wankelmütigkeit, was das Verhältnis zu Russland anbelangt, können die Abschreckung schwächen. Entscheidungen zur Ukraine und zu Wladimir Putin warten nicht auf Kongressausschüsse.

Bei Demokraten-Gewinn: Szenario vier – der innere Ausnahmezustand

Trump testet die Statik der Nation. Das wäre die düsterste Entwicklung. Die Regierung benutzt FBI, Justizministerium, ICE oder andere Bundeskräfte noch aggressiver gegen tatsächliche oder vermeintliche Gegner. Sie deutet Proteste als Gefahr für die öffentliche Ordnung und prüft Schritte bis hin zum Einsatz von Militär im Innern.

US-Medien beschrieben unlängst neun Wege, auf denen die Regierung die Zwischenwahlen beeinflussen könnte. Sicherheitsfachleute berieten laut Washington Post Bundesstaaten über die Abwehr mögliche Eingriffe. Das beweist keinen bevorstehenden Verfassungsbruch. Die Hürden sind erheblich: Gerichte, Landesregierungen, unabhängige Beamte, rechtliche Grenzen für militärische Polizeiaufgaben und schließlich das Geld des Kongresses. Aber gerichtliche Urteile kommen oft später als politische Entscheidungen.

Der gefährlichste Punkt wäre erreicht, wenn Trump eine Untersuchung der Demokraten nicht bloß kritisierte und deren gerichtlich angeordnete Durchsetzung blockiert, sondern die staatlichen Zwangsmittel gegen ihre Urheber einsetzte. Chatham-House-Forscher Bruce Stokes warnt vor der „Aussicht auf eine politische Krise“, für deren Bewältigung die amerikanischen Institutionen kaum gerüstet seien.

Voters Across The U.S. Go To The Polls For The Midterm Elections
In vielen US-Bundesstaaten sind die Wahlokale mittlerweile geöffnet.© AFP | ANNA MONEYMAKER

Falls Republikaner Midterms verlieren: Option fünf – der vorzeitige Abgang:

Vize JD Vance übernimmt – freiwillig oder unfreiwillig. Trump wird im Juni nächsten Jahres 81 Jahre alt. Eine schwere Erkrankung oder akute Amtsunfähigkeit lässt sich daraus im Moment nicht solide diagnostizieren. Zumal ihm sein Leibarzt im Mai gute körperliche und geistige Gesundheit bescheinigte – trotz aller Ausfälle vor laufender Kamera.

Nach dem 25. Verfassungszusatz könnten Vance und eine Mehrheit des Kabinetts zunächst Trumps Amtsunfähigkeit feststellen. Widerspricht Trump und bleibt die Mehrheit dabei, sind am Ende Zweidrittelmehrheiten in beiden Kongresskammern nötig. Das ist eine außerordentlich hohe Schwelle. Bei Trumps Rücktritt würde Vance Präsident und könnte 2028 als Amtsinhaber antreten.

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Aber weshalb sollte Trump, der Niederlagen nur schwer akzeptiert, ausgerechnet unter Druck auf sein Amt verzichten? Eine dritte Amtsenthebung dürfte jedenfalls zum Streitfall werden. Schon die Aussicht darauf könnte das verbliebene republikanische Gesetzgebungsprogramm lähmen. Für Demokraten läge darin ein Paradox: Macht hieße Mitverantwortung für Stillstände. Trump könnte den Kongress gleichzeitig bekämpfen und als Ausrede benutzen. Washington stünde vor einer Machtteilung, die nicht zur Mäßigung führt.