In der Debatte um die Entwicklung von KI-Anwendungen spricht sich die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) für mehr Unabhängigkeit von Herstellern in den USA und in China aus. „Neben den Veränderungen in der Arbeitswelt geht es auch um technologische Unabhängigkeit hier in Europa“, sagte der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke im Gespräch mit dieser Redaktion. „Es geht um europäische Cloud-Lösungen, auf die die US-amerikanische oder die chinesische Regierung keinen Zugriff haben.“

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Laut Werneke ist die europäische Resilienz auch im Zusammenhang mit der Künstlichen Intelligenz ein wichtiges Thema. „Deshalb ist eine eigene, europäische KI-Entwicklung auch so wichtig.“

Auch interessant

Künstliche Intelligenz: „So gut wie jeder Arbeitsplatz ist betroffen“

Der Verdi-Chef sagte, man könne derzeit nur darüber spekulieren, wie der künftige Arbeitsmarkt in Deutschland aussehe. „Wir beobachten in vielen Betrieben und Berufen einen Wegfall von Beschäftigung durch den Einsatz von KI.“ Anderseits würden durch die demografische Entwicklung viele Stellen neu besetzt. Die Fragen seien, ob sich das am Ende ausgleiche und wie die Bilanz auf dem Arbeitsmarkt aussehe. „Was wir auf jeden Fall feststellen: Die KI verändert die Arbeitsrealität rasant – und vielleicht auch in einer Geschwindigkeit, die wir uns vor zwei, drei Jahren so noch nicht vorgestellt haben. Und so gut wie jeder Arbeitsplatz ist von dieser Veränderung betroffen.“

Auch interessant

Als Beispiele nannte Werneke Jobs „bei den Banken, den Versicherungen, den Telekommunikationsunternehmen, im Bereich der Callcenter, bei IT‑Unternehmen“. Dort erlebe Verdi derzeit „einen kontinuierlichen Abbau von Beschäftigung in der Folge des Einsatzes von KI“. Seine Gewerkschaft wolle „auf jeden Fall verhindern“, dass es zu Kündigungen komme, die durch den Einsatz von KI bedingt seien. „Wir brauchen Richtlinien, die festlegen, dass wesentliche Entscheidungen immer ein Mensch trifft und nicht die KI – zum Beispiel im Personalwesen.“

Werneke betonte, dass es aber auch Chancen durch die KI-Entwicklung gebe. „Die Chancen bestehen für Tätigkeiten, die sich ständig wiederholen. Diese Routinen sind mitunter nicht das Spannendste bei einer Arbeit. Manche können durch KI ersetzt werden und bestehende Tätigkeiten dagegen aufgewertet und anspruchsvoller werden.“

Digitalgipfel der Bundesregierung mit Merz und Wildberger

Am Montag startete in Berlin der zweitägige Digitalgipfel der Bundesregierung, der von Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) initiiert worden war. Laut Mitteilung sollten Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik „die vielfältigen Dimensionen von KI“ beleuchten, „die in alle Lebenslagen reichen“. Sicherheit solle gestaltet werden, „ohne dabei Innovation auszubremsen“.

Neben Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Wildberger waren die Digitalminister aus Europa und Kanada sowie Vertreter der EU‑Kommission zu dem Treffen eingeladen worden. Dazu kamen Mitglieder des Bundestages sowie Vertreter der Bundesländer.

Auch interessant

Wildberger sagte der Deutschen Presse-Agentur am Rande des Treffens, er halte eine Zukunft ohne Erwerbsarbeit, wie von Tech-Milliardär Elon Musk vorhergesagt, weder für unausweichlich noch für erstrebenswert. Es gebe kein Naturgesetz, dass das so passiere. „Das heißt, wenn Elon Musk das so sagt, kann man sich auch die Frage stellen: Ist das die Welt, die er haben möchte? Ich möchte diese Welt nicht haben.“