„Und hier könnt ihr die echten Uniformen der Soldaten anziehen!“, sagt Cindy und zeigt in ein kleines Zimmer, das wie ein begehbarer Kleiderschrank aufgemacht ist. Früher könnten hier echte Waffen gelagert haben. Heute erklären Beschriftungen, dass es Uniformen wie diese waren, in denen südkoreanische und US-amerikanische Militärs einst die Freiheit verteidigten. „Ein beliebtes Selfie-Motiv!“, sagt Cindy, die Touri-Führerin. Ein paar erste Besucher wagen sich vor, werfen eine Camouflagejacke über.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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In Camp Greaves, einem einstigen US-Militärcamp, werden alte Zeiten aufgemischt. Die Baracken, in denen in den 1950er-Jahren Soldaten schliefen, um am nächsten Morgen oder noch in derselben Nacht gegen Nordkoreaner zu kämpfen, sind heute eine Art Mini-Freizeitpark. Hier wurde eine Baracke zu einem Entertainment-Raum im Stil der 1950er-Jahre umgestaltet, mit Schallplatten von Elvis Presley und der Mode der Zeit. Dort wird ein Hostel betrieben. Auch Walking-Touren über Trampelpfade sind verfügbar.
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Vom Militärlager zur Touristenattraktion an der DMZ
Wüsste man es nicht besser, könnte man denken, der Koreakrieg ist lange Geschichte. Zwischen 1950 und 1953 bekriegten sich Koreanerinnen – die erst kurz zuvor die Freiheit aus japanischer Kolonialherrschaft erlangt hatten. Im Norden war ein kommunistischer Staat entstanden, der bald den kapitalistischen Nachbarn im Süden angriff. Dies eskalierte zum ersten Stellvertreterkrieg im Kalten Krieg. Südkorea erhielt Unterstützung von den USA und westlichen Staaten, der Norden aus China und der Sowjetunion.

Nach drei Jahren und Millionen Toten endeten die Kampfhandlungen. Um die 38-Grad-Linie entstand die „DMZ“, kurz für „Demilitarized Zone“, also „entmilitarisierte Zone“. Dieser dünne Streifen – der in Wahrheit gespickt ist mit bewaffneten Soldaten auf beiden Seiten – soll seither garantieren, dass Nord und Süd nicht wieder in einen Krieg verfallen. Die Gefahr ist aber immer wieder akut. Denn ein Friedensvertrag wurde nie unterzeichnet. Im Camp Greaves ist eine Kopie des Waffenstillstands ausgestellt.
Der Koreakrieg ist nie vorbei
Wie die DMZ auf der Nordseite aussieht, ist kaum bekannt. Aber im kapitalistischen Südkorea ist sie längst zu einer der beliebtesten Tourismusattraktionen geworden. „Hier ist auch eine Kunstgalerie“, sagt Cindy, die in für Koreanerinnen typischer Eile durch die Bereiche dieses Ex-Camps stapft. Und als ob alle an nichts anderes denken, versucht sie, die gehetzte Menge zu beruhigen: „Der Shop mit Souvenirs ist nicht weit!“ In dem finden sich dann Soldatenminiaturen, Magnete mit Stacheldraht und DMZ-Blütenhonig.
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Seit 2013 ist Camp Greaves offiziell kein militärischer Ort mehr, sondern eine „Peaceful Unification Experience Facility“, eine „Anlage zur Erfahrung einer friedlichen Wiedervereinigung“. Das viel ärmere Nordkorea will von einer Wiedervereinigung zwar ausdrücklich nichts wissen, betrachtet das wohlhabende Südkorea als „verfeindeten Staat“. Aber gerade der riesige Wohlstandsunterschied zwischen Nord und Süd – gekoppelt mit der Abschottung des Nordens – weckt im Süden großes Interesse.

Nordkorea: Das „Peace Observatory“ als Fenster in die Isolation
Wenige Autominuten von Camp Greaves entfernt, ebenfalls in unmittelbarer Nähe zur DMZ, liegt das „Peace Observatory“. Tatsächlich ist es ein aufwendig errichteter Aussichtsturm mit angebautem Café, von dem man rüber in den Norden schauen kann. Ein Film erklärt, welche Bausubstanz drüben, auf der anderen Seite des Flusses Imjin, der hier Nord und Süd trennt, verwendet wurde. „Wenn der Himmel klar ist, kann man gut rübersehen!“, winkt ein Offizieller die Besuchenden auf ein Deck.
Im April ist eine 40-köpfige Gruppe Medienschaffender aus 31 Ländern im Zuge der vom südkoreanischen Staat veranstalteten „World Journalists Conference“ vor Ort. „Hast du jemanden gesehen?“, fragt ein Reporter aus Bangladesch seine Kollegin aus Singapur, die gerade durch ein Fernrohr blickt. „Nein, nur Häuser.“ „Ja, die Häuser!“, erklärt eine der Begleiterinnen aus Südkorea. „Man geht davon aus, dass dort mit Absicht Häuser in guter Struktur errichtet wurden. Um den Leuten im Süden Wohlstand vorzugaukeln.“
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Nordkorea als Spektakel: Der Blick über die Grenze fasziniert
Reges Raunen und Staunen breitet sich aus. Einige der Journalisten sind wieder reingegangen, um eine Bildergalerie anzusehen. „Daily Life of Pyongyang Residents“ steht da als Überschrift, „Alltägliches Leben der Bewohnerinnen von Pjöngjang“, der Hauptstadt von Nordkorea. Die kann man hier vom Observatorium zwar nicht per Fernglas sehen, aber die Bilder zeigen Kinder beim Seilspringen und simple Miniläden. Die wohlhabendste Stadt Nordkoreas sieht aus, als wäre sie Jahrzehnte hinterher.

Das macht die Neugier auf Nordkorea – von wo man sonst nur Raketentests oder schwere Menschenrechtsverletzungen wahrnimmt – noch größer. „Ah! Ich glaube, da war eben ein Mensch!“, ruft eine Besucherin auf dem Observationsdeck, durchs Fernglas blinzelnd. „Und? Wie sah der aus?“, wird sie gefragt. „Ich konnte ihn nicht gut erkennen!“ Zufrieden scheint die ältere Dame trotzdem. Ob aus Sensationslust oder Sehnsucht, weil zahlreiche koreanische Familien durch den Krieg getrennt wurden, erklärt sie nicht.
Ein bisschen wirkt es, als würden die Besucher hier Tiere in freier Wildbahn beobachten wollen. Ironischerweise wird auf Bildschirmen nahe der Aussichtsplattform neben der Architektur in Nordkorea tatsächlich auch auf Flora und Fauna hingewiesen. Fotos von dem kuriosen Land da im Norden sind auch ausdrücklich erlaubt. Allerdings nicht von den südkoreanischen Militäranlagen, die ganz in der Nähe angesiedelt sind. Man ist ja immer noch im Krieg. Auch wenn man ihm hier immer mal zum Anfassen nahe sein darf.
Disclaimer: Die Reise, auf der dieser Artikel entstand, wurde durch den südkoreanischen Staat finanziert. Einfluss auf die Berichterstattung wurde nicht genommen.








