Nach den teils gewalttätigen Schulprotesten beginnt in Frankreich eine neue Phase – die der Konzertation. Premierminister Sébastien Lecornu empfing am Montag eine Gruppe junger Influencer – noch bevor er seine Pläne den Gewerkschaftern vorstellte.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die wichtigste Neuerung besteht in der Rücknahme von Parcoursup, wie die Einschreibplattform für die Universitäten in Frankreich heißt. Sie ist überaus verhasst, weil sie alles andere als transparent ist. Bildungsminister Édouard Geffray erklärte, für den Unterrichtsbeginn 2027 müsse Parcoursup mangels Alternative noch in Kraft bleiben. Wer aber an der Einschreibhürde scheitere, werde über die Gründe informiert. Bisher erfuhren Studienkandidaten nicht einmal, warum sie keinen Studienplatz erhalten hatten. 2028 wird Parcoursup laut Geffray dann ganz durch ein moderneres System ersetzt, wie es etwa in Deutschland oder Großbritannien existiert.

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Die Regierung geht auch auf andere Forderungen der Mittelschulverbände ein. Ab der „Seconde“, der drittletzten Gymnasiumsklasse, sollen die Klassen höchstens noch 28 Schülerinnen und Schüler (heute gut 32) umfassen. Das bedingt die Anstellung von über 1300 Lehrerinnen und Lehrern. Ursprünglich hatte Premier Lecornu 836 Lehrstellen abbauen wollen, da die Zahl der Schulklassen infolge des allgemeinen Bevölkerungsrückgangs generell am Abnehmen ist. Lecornu verspricht nun aber die Schaffung von 15.000 Studienplätzen.

Die Mittelschulorganisationen geben sich mit den Ankündigungen nicht zufrieden. Für die neuen Studienplätze und Lehrstellen, aber auch für die bauliche Sanierung maroder Schulen fordern sie zehn Milliarden Euro. Die Regierung will den für die Gymnasien zuständigen Regionen einen Kredit – in Wahrheit wohl eher eine Subvention – von fünf Milliarden Euro bereitstellen. Davon geht eine Milliarde an die Universitäten.

Ein Protestant steht vor einem brennenden Auto
Bei Krawallen in Frankreich wurden etliche Gebäude und Autos, wie hier in Paris, beschädigt.© AFP | Kiran Ridley

Schulverbände halten an neuem Protest fest

Dieses Geld dürfte aber noch nicht genügen, um den sozialen Frieden nach Frankreich zurückzubringen. Die mehrheitlich linken Schulverbände halten an einem neuen Protesttag am Samstag fest; für den Schulbeginn nach den Herbstferien kündigen sie ab Montag die Fortführung der Schulblockaden an.

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Das Ausmaß der Beteiligung wird wohl darüber entscheiden, ob die Proteste weitergehen werden. Die Gewerkschaften und die Gelbwesten verlangen an einem Streiktag am 5. November nun ihrerseits Maßnahmen gegen den teuerungsbedingten Kaufkraftverlust von Schlechtverdienern. Dabei wird die Regierung zweifellos neue Mittel lockermachen müssen.

*** BESTPIX *** Gilets Jaunes Join French School Protestors For Weekend Of Action
Laut dem Arbeitgeberverband Medef haben die Krawalle Frankreich rund eine Milliarde Euro gekostet.© Getty Images | Carl Court

Dazu kommen Staatshilfen für die Opfer der Plünderungen in den Großstädten. Bei einem Besuch in Marseille stellte Macron allen Ladenbesitzern einen „Kredit“ von 50.000 Euro in Aussicht. Laut dem Arbeitgeberverband Medef haben die Krawalle Frankreich rund eine Milliarde Euro gekostet. Wenn sie denn wirklich zu Ende sind.