Der Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Oliver Blatt, hat Forderungen nach einer politisch erzwungenen Verkleinerung der gesetzlichen Krankenkassenlandschaft zurückgewiesen. „Ich bin fest davon überzeugt, dass eine zwanghafte Reduzierung auf eine bestimmte Zahl von Krankenkassen nichts dazu beiträgt, das Gesundheitssystem effizienter aufzustellen“, sagte Blatt dieser Redaktion. Er kenne keinen Wissenschaftler, der eine solche Maßnahme fordere. Auch die Finanzkommission Gesundheit habe sich nicht dafür ausgesprochen.
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Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) hatte schon im Sommer bekräftigt, dass er deutlich weniger Krankenkassen für ausreichend halte. „Ich bleibe bei dem, was ich gesagt habe. Davon nehme ich nichts zurück“, sagte er damals der „Bild“. Ende des Jahres werde eine Kommission dazu einen Endbericht vorlegen. Bereits im April hatte Linnemann gefordert, die Zahl der damals mehr als 90 Kassen mindestens zu halbieren. Zehn Krankenkassen reichten aus seiner Sicht. Als mögliche Voraussetzung für eine Fusion hatte er eine Mindestgröße von 200.000 oder 250.000 Mitgliedern genannt.
Linnemann betonte gegenüber dieser Redaktion am Mittwoch: „Die Finanzkommission Gesundheit wird im Dezember ihren Bericht vorstellen. Darin wird es auch um das Thema Krankenkassen gehen. Auf Grundlage der Ergebnisse des Berichts werden wir dann im nächsten Jahr Reformen angehen.“
Krankenkassen: Fusionen bringen laut Verbandschef nicht automatisch Einsparungen
Blatt hält die möglichen Einsparungen durch eine solche Vorgabe jedoch für gering. „Die Krankenkassen haben durch den Wettbewerb schon heute einen sehr geringen Verwaltungskostenanteil von rund vier Prozent.“ Der größte Teil davon entfalle auf Personalkosten. „Wir wollen weiterhin für die Versicherten da sein und ans Telefon gehen, und dafür brauchen wir Personal“, sagte er. Ein Blick nach Österreich zeige ebenfalls, dass eine staatlich vorgegebene Konzentration nicht automatisch zu Einsparungen führe.
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Zugleich betonte Blatt, dass die Kassen selbst weiter an effizienteren Abläufen arbeiteten, auch mithilfe Künstlicher Intelligenz. Der Konzentrationsprozess sei ohnehin im Gang. „Zu Jahresbeginn werden wir wohl weniger als 90 Krankenkassen haben, obwohl es vor rund 30 Jahren noch über 1000 waren!“ Fusionen seien sinnvoll, wenn sie wirtschaftliche Vorteile brächten. „Aber warum sollten es politisch genau 20 Kassen sein – und nicht 50 oder zehn? Das sollte der Wettbewerb regeln.“ Die Finanzkommission könne prüfen, ob es weitere Effizienzreserven gebe.
SPD-Gesundheitspolitiker Pantazis spricht sich für Kassenfusionen aus
Unterstützung für eine Zusammenlegung von Krankenkassen kommt dagegen vom SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis. „Ich halte es für sinnvoll, die historisch gewachsenen Strukturen unserer Krankenkassenlandschaft kritisch zu hinterfragen und Möglichkeiten für eine effizientere Organisation konsequent zu nutzen“, sagte Pantazis dieser Redaktion. Mit gebündelten Verwaltungsaufgaben, dem Abbau von Doppelstrukturen und schlankeren Prozessen könnten Effizienzgewinne erzielt werden. Entscheidend seien dabei aber die Qualität der Strukturen, der Wettbewerb und die Wahlfreiheit der Versicherten, betonte der Bundestagsabgeordnete.





