Not macht erfinderisch. Seit mehr als viereinhalb Jahren führt Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine. In dem militärischen Konflikt sind laut aktuellen Schätzungen rund 600.000 russische Soldaten ums Leben gekommen, mehr als eine Million Staatsbürger wurden verletzt oder gelten als vermisst. Doch ein Ende des Krieges ist nicht absehbar und so wird es weitere Soldaten brauchen. Nun soll das russische Militär neue Wege gefunden haben, an Rekruten zu kommen.
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Wie unter anderem „Newsweek“ berichtet, gibt es auf russischen Jobportalen Stellenausschreibungen, die sich gezielt an Menschen mit Behinderungen oder auch ältere Männer richten. Teilweise werden wohl sogar 63-Jährige eingestellt. Interessierte sollen sich für einen Einsatz in mobilen Luftverteidigungsteams bewerben. Gemeint ist die Abwehr von ukrainischen Drohnen auf russischem Gebiet oder abseits der Frontlinien. Die Anzeigen werben des Weiteren mit Botschaften wie „Wir suchen Menschen, die uns zum Sieg führen“.
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Hohe Prämien und Gehalt: Russische Armee lockt mit finanziellen Anreizen
Dabei werden besondere Anreize gesetzt: Eine Anzeige auf dem Portal „Svoi Lyudi“ (Unser Volk) verspricht etwa eine Sofortzahlung bei Vertragsunterzeichnung von drei Millionen Rubel (etwa 32.000 Euro). Das monatliche Einstiegsgehalt in dieser Abwehreinheit soll bei rund 3200 Euro liegen – deutlich über dem russischen Durchschnittsgehalt von 1150 Euro. Auch Grundstücke, ein Schuldenerlass oder Vorzugszinsen bei Hypotheken gehören zu den weiteren finanziellen Anreizen.

Doch die Sache hat gleich mehrere Haken: Der russische Nachrichtensender „E1“ deckte nämlich die Klauseln im Kleingedruckten der Anzeigen auf. Die Bewerber unterschreiben einen offiziellen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium. Darin wird ihnen zwar eine feste Position in einer bestimmten Militäreinheit zugewiesen. Doch: Das garantiere nicht, dass man dort auch eingesetzt werde, heißt es in dem Bericht. „Kommandeure können Sie aus operativen Gründen ohne Ihre Zustimmung an einen anderen Standort versetzen.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Wer sich also zur Verteidigung der kritischen Infrastruktur innerhalb des Landes meldet, könnte sich unter Umständen auch an der Front wiederfinden. Und auch die Dauer der Verpflichtung zur Drohnenabwehr ist aufgrund des Mobilmachungsdekrets von Wladimir Putin aus dem September 2022 offen. Diese Verordnung des russischen Präsidenten besagt nämlich, dass sich Militärverträge bis zum formellen Ende der Mobilmachung verlängern.
Russisches Militär versetzt Verwundete und Marginalisierte erneut an die Front
Angesichts der großen finanziellen Anreize mag manch einer denken, dass man diese beiden Wermutstrophen verkraften könnte. Doch auch hier gibt es findige juristische Lücken, die die russische Staatskasse entlasten. Denn: „Wenn jemand vermisst wird, erhält die Familie nichts“, erklärte ein verletzter russischer Soldat gegenüber „CNN“. Demnach sollen Soldaten zurück an die Front geschickt werden. Das gilt auch für solche, die aufgrund ihrer im Krieg erlittenen Verletzungen eine Kompensation erhalten würden. Laut Recherchen von „Le Monde“ gehören zu jenen Kameraden auch zunehmend Suchtkranke oder Menschen mit psychischen Erkrankungen.
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Letztlich stellt die gezielte Ansprache von marginalisierten Gruppen einen weiteren Baustein in der Militärstrategie Russlands im Krieg gegen die Ukraine dar. Dazu kommen nicht selten Zeitsoldaten, Gefangene, Angehörige von militärischen Verbündeten oder auch Zwangsrekrutierte.






