Offenbar über Nacht hat SpaceX die Verbindung der Ukraine zum Satelliten-Netzwerk Starlink gedrosselt. Zumindest erhebt das Umfeld von Präsident Wolodymyr Selenskyj diesen Vorwurf. „Aktuell betreffen die Einschränkungen das ‚Militärpaket‘ der Dienste von StarShield; sie wurden auf eine Geschwindigkeit von 100 Meilen (160 Kilometer) pro Stunde begrenzt“, teilte Präsidentenberater Serhij Beskrestnow auf sozialen Netzwerken mit.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Betreiberfirma SpaceX habe das ukrainische Militär nicht über die Drosselung informiert. „Das hat zum Scheitern von einigen Missionen geführt“, schrieb Beskrestnow. Er führte das Limit auf die „aktuelle politische Situation“ zurück. Zuvor hatte bereits der Ex-Berater im Verteidigungsministerium, Serhij Sternenko, auf die Einschränkungen hingewiesen. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht dafür. Die Ukraine nutzt Starlink unter anderem zur Steuerung ihrer Drohnen.
Auch das „Wall Street Journal“ (WSJ) und die Agentur Reuters berichten von den Einschränkungen. Reuters zitiert das 7. Rapid-Reaction-Korps der ukrainischen Armee, das Verbindungsschwierigkeiten bei einigen seiner Einheiten beobachtet hat. „Unseren Beobachtungen nach, konnte die Verbindungsgeschwindigkeit während des Fluges für zehn bis 20 Sekunden auf nur 110 bis 120 km/h einbrechen“, hieß es in einer Erklärung des Korps.
Zwar seien Drohnen weiter geflogen, „aber diese Unterbrechungen machen es schwieriger, sie zu steuern“. Aus dem Verteidigungsministerium sagte eine anonyme Quelle der Agentur, die Einschränkungen erschwerten signifikant die Logistik und zumindest einige Drohnen-Einsätze.

Kiews Drohnenangriffe auf Russland wohl nicht betroffen
Das ukrainische Militär nutzt das Satelliteninternet unter anderem, um Drohnen bei ihrem Zielanflug fernzusteuern. Diese fliegen in der Regel schneller als 160 Kilometer pro Stunde. Bei gedrosselter Geschwindigkeit der Satellitenverbindung könnte die Verbindung zur Drohne ausfallen.
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Selenskyj hatte zuletzt darauf gedrungen, den Einsatz von Starlink-Verbindungen für die ukrainische Armee über russischem Territorium freizugeben. Bisher sind die Internetdienste von Starlink nur über ukrainischem Gebiet freigeschaltet. Dem WSJ sagten Offizielle, die Drohnenangriffe der Ukraine auf russische Energieinfrastruktur und zuletzt Datenzentren würden daher vermutlich nicht betroffen sein.
Sehr wohl betroffen dagegen scheint die Fähigkeit der Ukraine, Angriffe Russlands mit einer neuen, düsengetriebenen Drohnengeneration abzuwehren. In den sozialen Medien machten Videos die Runde, die Folgen eines solchen Angriffes auf ein Einrichtungshaus in Lutsk, im Nordwesten der Ukraine, zeigen sollen. Flammen schlagen aus dem Gebäude, Rettungswagen und Feuerwehr sind im Einsatz, Menschen liegen sich weinend in den Armen. Mindestens sechs Menschen sollen bei dem Angriff ums Leben gekommen sein.
Russian forces struck a home goods store in Lutsk with a jet-powered drone, killing 6 people and injuring 12 others, with 2 of them reported to be in critical condition. pic.twitter.com/E9i2g4k5n7
— WarTranslated (@wartranslated) 14. Oktober 2026
Nicht der erste Zoff um Starlink
Im Nachbarland Polen verfolgt die Regierung die Entwicklung derweil mit Sorge und Verärgerung. „Hey, Elon Musk, großer Mann, spielst du mal wieder Politik mit deinen Produkten?“, schrieb Außenminister Radoslaw Sikorski auf X. „Als deine europäischen Kunden haben wir dich im Blick.“
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Bereits im März 2025 war Sikorski mit dem Tech-Milliardär in einen Streit geraten, nachdem Musk behauptet hatte, dass die Ukraine ohne Starlink im Krieg gegen Russland bereits verloren hätte. Als Sikorski entgegnete, Polen zahle umgerechnet rund 44 Millionen Euro jährlich für die Starlink-Kapazitäten der Ukraine, beschimpfte Musk ihn als „kleinen Mann“.

Hintergrund für die Drosselung könnten seit Langem stockende US-Vermittlungen zwischen der Ukraine und Russland sein. Medienberichten zufolge hatte Washington zuletzt auch angedroht, die Weitergabe von militärischen Aufklärungsdaten zu stoppen, falls Kiew nicht kompromissbereiter werde. Selenskyj hat den USA am Dienstag mehrfach vorgeworfen, Kiew nicht rechtzeitig vor russischen ballistischen Raketenangriffen zu warnen. Die Ukraine wehrt sich mit westlicher Hilfe seit Februar 2022 gegen eine großangelegte russische Invasion.
mit dpa







