Der Kanzler und CDU-Chef begibt sich auf dünnes Eis – wieder einmal. Im Zusammenhang mit der Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt spekuliert Friedrich Merz öffentlich über eine „False-Flag-Operation“, also ein gezieltes Täuschungsmanöver von SPD, Grünen oder Linken. Und das, obwohl einiges dafür spricht, dass der Rechtsaußen-Politiker Rausch nicht nur Stimmen von seiner eigenen Fraktion und dem BSW erhielt, sondern auch aus den Reihen der CDU.
Sachsen-Anhalt: Das Drama kann sich schon bald wiederholen
Die Vorgänge in Magdeburg sind für Merz ohnehin schon heikel genug. Warum er noch einen draufsetzt und mit seinem Geraune die anderen demokratischen Parteien gegen sich aufbringt, weiß vermutlich nur er selbst. Noch ist der Schaden überschaubar, weil die Wahlen zum Landtagspräsidium geheim waren und man deshalb nicht mit Gewissheit sagen kann, wer für Rausch stimmte. Das schützt bis auf Weiteres auch Merz.
Sollte sich aber auch nur ein einziger CDU-Abgeordneter aus der Deckung wagen und sagen, dass er für den AfD-Bewerber gestimmt hat, dann wäre bei den Christdemokraten vermutlich der Teufel los – und das bundesweit. Für die Bürger hieße das nämlich: Wer CDU wählt, muss damit rechnen, am Ende doch AfD zu bekommen. Das Drama kann sich mit voller Wucht wiederholen, wenn demnächst in Sachsen-Anhalt der AfD-Mann Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten gewählt werden sollte.

Friedrich Merz ist ohnehin angeschlagen. Jetzt könnte sein Schicksal davon abhängen, ob einzelne CDU-Landtagsabgeordnete im fernen Magdeburg schweigen oder reden. Für einen Kanzler und Parteichef ist das eine unmögliche Situation.


