Bei der gewalttätigen Auseinandersetzung an Bord eines Flugzeugs auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv war das Cockpit einem Augenzeugen zufolge zeitweise verwaist. „Im Cockpit war niemand“, sagt der israelische Geschäftsmann Tal der „Jerusalem Post“. Er habe gesehen, dass ein Pilot verletzt sei, ein anderer in einen Kampf verwickelt gewesen sei. Zugleich habe das Flugzeug massiv an Höhe verloren. Er habe dann zwei zufällig neben sich sitzende Piloten ins Cockpit gebracht, die den Flug in Saudi-Arabien landeten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Beim Flug der emiratischen Gesellschaft Flydubai hatte am vorigen Mittwoch Berichten zufolge der Copilot seinen Kollegen angegriffen. Dieser schaffte es nach eigenen Angaben trotz schwerer Verletzungen, die Cockpit-Tür zu öffnen. Passagiere überwältigten den Täter. Motiv und Absichten des mutmaßlichen Angreifers sind noch immer ungeklärt. Die israelische Regierung geht bereits von einem dschihadistischen Terroranschlag aus.

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Der nur als Tal bezeichnete Augenzeuge erzählte der Zeitung in dem Interview weiter, er habe die beiden Piloten anschreien müssen, sie sollten sich nach vorn begeben. Doch sie hätten sich nicht bewegt. „Ich musste sie schütteln, damit sie nach vorn gingen und die Kontrolle über das Flugzeug übernahmen, weil es im Sturzflug war.“ Einer der beiden sei schließlich nach vorn gegangen und habe die Kontrolle übernommen. Der Zweite habe länger gebraucht, um sich von dem Schock zu erholen.

Die Zeitung schreibt weiter, Tal habe in einer früheren WhatsApp-Nachricht sein Agieren als „Kampfunterstützung“ bezeichnet, drei andere Israelis hätten den Angreifer körperlich überwältigt. Er habe die Piloten nach vorn gebracht und dabei geholfen, etwas zu finden, mit dem der Angreifer gefesselt werden konnte – Ladekabel.

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Derweil habe ein israelischer Zahnarzt den schwer verletzten indischen Piloten behandelt. Nachdem der Angreifer überwältigt gewesen sei und die beiden Piloten im Cockpit gewesen seien, hätten sie die Besatzungsmitglieder vom unmittelbaren Geschehen weggeführt und ihnen gesagt: „Von jetzt an führen wir den Flug.“ Anschließend hätten sie neben jedes Besatzungsmitglied einen Israeli gestellt.

„Alle Israelis waren sich einig, dass wir an den entscheidenden Stellen nur Israelis haben sollten“, sagte Tal der „Jerusalem Post“. Es habe keine Befehlskette und keinen Plan gegeben. Die Menschen hätten einfach verschiedene Aufgaben übernommen. Tal war Augenzeuge. Der Ablauf kann derzeit nicht unabhängig bestätigt werden.

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Copilot plante offenbar gezielte Landung am Flughafen Ben-Gurion

Israelische Medien, wie der Fernsehsender „Channel 12“, zitierten unterdessen Quellen mit Kenntnis der Ermittlungen. Demnach habe der Copilot den Ermittlern mitgeteilt, dass er nach dem Angriff auf den Kapitän beabsichtigte, das Flugzeug wie gewohnt in den israelischen Luftraum weiterzufliegen und die Landeerlaubnis vom Flughafen Ben-Gurion zu erhalten. Anschließend habe er geplant, die Boeing 737 MAX – mit mehr als 180 Passagieren an Bord – entweder auf dem Flughafengelände oder in einem Hochhaus im Zentrum von Tel Aviv zum Absturz zu bringen.

Laut Quellen handelte er höchstwahrscheinlich allein und nicht im Auftrag einer radikalen Organisation oder einer ausländischen Regierung. Der Copilot gab gegenüber den Ermittlern außerdem an, er habe ursprünglich geplant, einen vorherigen Flug nach Tel Aviv zu entführen und zum Absturz zu bringen, habe es sich aber anders überlegt. Vonseiten der emiratischen und israelischen Behörden gab es zunächst keine Stellungnahme.

dpa/aino