Kurz nach 18 Uhr geht ein breites Lächeln über das Gesicht des Kanzlers. Der Mann, den die allermeisten Deutschen gerade für eine Fehlbesetzung halten, hat am Dienstagabend einen richtig guten Moment: Er bekommt Applaus. Von jungen Leuten. So etwas ist ziemlich selten geworden für Friedrich Merz. Spontan bedankt sich Merz für die „liebevolle“ Begrüßung. 

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Auf Einladung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung sind am Dienstagabend in einem Event-Keller in Berlin-Prenzlauer Berg rund 170 junge Gäste zusammengekommen – Studierende, Bundeswehrangehörige, Azubis, vor allem aus dem Dunstkreis der CDU. Es ist ein Townhall-Format – also genau die Sorte von Diskussionsrunden, bei denen Merz mit seiner robusten Art schon öfter ins Schlingern geriet.

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Zu anderen Zeiten hätte ein CDU-Kanzler von vornherein sicher sein können, dass er in einer solchen Runde ein paar freundliche Fragen bekommt und ansonsten Selfies machen muss. Aber wer stellt schon noch Selfies mit einem Kanzler ins Netz, den nur noch 10 Prozent der Deutschen gutfinden? Wer sich an diesem Abend umhört, erlebt junge Konservative, die verunsichert wirken. Sie sind gut erzogen, sie applaudieren angemessen laut zur Begrüßung, aber sie überlegen sich dreimal, was sie über Merz sagen sollen. Sogar auf die Frage, ob sie ein Selfie posten würden. „Wir machen ja auch Philipp-Amthor-Selfies“, sagt einer diplomatisch.

Die Fragen sind am Ende so liebevoll wie die Begrüßung – und Merz spielt seine Paraderolle, den onkelhaften Politikerklärer aus dem Sauerland, der den jungen Leuten sagt, was Sache ist. „Wir sind ein Land unter Stress. Aber auch ein Land mit fantastischen Möglichkeiten.“ Solche Selbstertüchtigungssätze wollen sie hören, auch der alte Kennedy-Spruch („Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt“) zieht hier.  

Merz bekräftigt, was er in diesen Tagen immer wieder sagt: Er will nicht weichen, will die Reformen durchsetzen. Aber gesteht auch zu: „Das wird ein Kraftakt.“ Die Regierungspläne müssten schließlich „auf der hohen See des deutschen Bundestags“ durchkommen.

Merz sagt Reise nach New York ab

Die jungen Leute, die an diesem Abend den Kanzler treffen, wollen offenbar vor allem eins vermeiden: noch weiter Öl ins Feuer zu gießen: „Es gibt legitime Kritikpunkte“, sagt der 18-jährige Jasper Leinius, aber der pauschale Frust bei vielen jungen Deutschen über Merz und seine Politik sei falsch: „Es gibt keine leichten Lösungen.“ Auch Max Müller (19) will den Eindruck, Merz sei bei sämtlichen jungen Deutschen unten durch, nicht so stehen lassen: „Es gibt keine einheitliche ablehnende Haltung.“ Es ist kein Merz-Fanclub, es ist der Nachwuchs einer Volkspartei, die gerade zum ersten Mal ernsthaft um ihre Existenz fürchtet – und sich auch deshalb hinter ihren umstrittenen Kanzler stellt.  

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Während Merz noch Fragen beantwortet, läuft eine Meldung über den Ticker: Merz hat die für Dienstag geplante Reise zur UN nach New York abgesagt. Der Abend bei den jungen CDU-Anhängern ist nichts mehr als eine Atempause. In den Stunden nach dem Wahlsonntag geht es für ihn in Deutschland um alles.