Liebe Leserin, lieber Leser,
kann Friedrich Merz Kanzler bleiben? Um diese Frage geht es in der Hauptstadt bereits nach wenigen Minuten, wenn politische Menschen zusammenkommen. Dabei gibt es zwei Lager bei den Bürgerlichen: Die Unruhigen, die sagen, Merz muss weg. Er schafft es nicht, die eigene Politik der Partei und schon gar nicht den Wählerinnen und Wählern zu verkaufen.

Und es gibt die Bedächtigen, die argumentieren, dass mit einem Wechsel an der Spitze die Sachprobleme und Herausforderungen nicht verschwinden und eher Chaos entsteht.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Ich stelle derzeit fest, dass die Bedächtigen bei diesem Thema immer weniger werden. Und das ist logisch. Denn wenn die Ablehnung eines Kanzlers und eines Parteivorsitzenden so groß wird, dass potenzielle Unionswähler ihre Partei nur wegen ihm nicht mehr wählen, dann hat die Partei objektiv ein Problem, das nur mit einem neuen Kopf gelöst werden kann.
CDU-Geschäftsstelle ohne CDU-Chef

In diesem Zusammenhang eine kleine Insidergeschichte, die sich in der Geschäftsstelle der CDU Braunschweig zugetragen hat und die als Sinnbild für die Kanzler-Krise stehen kann.
Für einen obligatorischen Presseauftritt stellte sich am Wahlabend der Kommunalwahl Maximilian Pohler, der Oberbürgermeister-Kandidat Braunschweigs, mit seiner Frau, der CDU-Landtagsabgeordneten Sophie Ramdohr, in der CDU-Geschäftsstelle für ein gemeinsames Foto auf. Als die CDU-Abgeordnete erkannte, dass im Hintergrund ein Porträt des Kanzlers zu sehen war, entschied sie: Das Merz-Foto muss besser weg.

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Kurzerhand öffnete Sophie Ramdohr den Wechselrahmen, nahm das Kanzler-Porträt heraus, klappte den leeren Rahmen wieder zu und stellte sich zurück an die Seite ihres Mannes. So viel zum Standing von Friedrich Merz in der eigenen Partei.
Aber warum ist der Kanzler so unbeliebt und den Wählerinnen und Wählern schwer vermittelbar? Warum gelingt es ihm nicht, „die Menschen in ihrer ganzen Emotionalität stärker zu erreichen“ (O-Ton Kanzler). Warum postet man in CDU-Kreisen derzeit ein Video, in dem Loriot tollpatschig ein ganzes Zimmer verwüstet, nachdem er nur einen Rahmen geraderücken wollte?
Meine Kollegin Julia Emmrich und Thorsten Knuf haben sieben Probleme identifiziert, die dem Kanzler das Leben schwer machen. Hier ist ihre Analyse.
CDU findet Schwesig-Wahlkampf zu gut

Ich habe noch nicht viel von der neuen CDU-Generalsekretärin mitbekommen, aber ein Interview mit der dpa hatte es in sich.
Franziska Hoppermann hat darin Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig vorgeworfen, mit ihrem stark auf sich selbst zugeschnittenen Wahlkampf die politische Mitte zu schwächen. „Ihr Versuch, mit einem personalisierten Wahlkampf die CDU kleinzuhalten, schwächt die politische Mitte und hilft am Ende der AfD.“ Das sei „verantwortungslos“.
Ich habe diese Sätze zweimal lesen müssen, um sie zu glauben. Es ist schließlich das Prinzip von Wahlkämpfen, dass man die vorzeigbaren Spitzenkandidaten in den Mittelpunkt rückt und die politischen Konkurrenten stellt. Das ist nicht verantwortungslos, sondern auch bei der CDU geübte Praxis.
Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, dass Friedrich Merz im letzten Wahlkampf die SPD gelobt hat, um die politische Mitte zu schützen. Im Gegenteil. Merz ließ kein gutes Haar an Olaf Scholz und schimpfte ihn „Klempner der Macht“, womit er nicht nur Handwerker beleidigte, sondern wofür er sich später auch noch entschuldigte.
Manuela Schwesigs Wahlkampf unter dem Motto „Die Frau gegen Blau“ ist sehr erfolgreich. Ihre SPD konnte bis auf drei Prozent an die AfD herankommen. Dass mancher CDU- oder Grünen-Wähler am Ende das Kreuz vielleicht bei Schwesig macht, nennt man politischen Wettbewerb in einer Demokratie. Offensichtlich liegen wegen der letzten Umfrage mit sieben Prozentpunkten für die CDU im Norden die Nerven im Konrad-Adenauer-Haus ziemlich blank. Meine Kollegin Doreen Reinhard war bei Manuela Schwesig und verrät hier sogar, was auf ihren roten Socken steht.
Sprit bald drei Euro?

Wer zurzeit an die Tankstelle fährt, muss viel Geld mitbringen. An vielen Orten ist der Preis für Diesel über 2,50 Euro geklettert, auch die anderen Kraftstoffe sind empfindlich teurer geworden. Der Preisanstieg liegt an der Unsicherheit in Nahost, aber auch an den hohen deutschen Steuern und der Preispolitik der Mineralölkonzerne. Und die Preise klettern weiter, warnen Experten.
Mein Kollege Dominik Bath ging der Frage nach: Wann kostet der Liter Sprit drei Euro? Lesen Sie hier seine Prognose.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche und starke Nerven beim Tanken,
herzlich, Ihr
Jörg Quoos
Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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