Die Bundesanwaltschaft hat in Berlin Anklage gegen eine mutmaßliche Spionin Russlands erhoben. Die oberste deutsche Anklagebehörde wirft Ilona W. einer Mitteilung zufolge vor, einen Geheimdienstmitarbeiter in der russischen Botschaft mit Informationen versorgt zu haben. Der ursprünglich im Raum stehende Verdacht einer Spionage in einem besonders schweren Fall habe sich dagegen nicht bestätigt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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W. war am 21. Januar in Berlin von Beamten des Bundeskriminalamts festgenommen worden. Gleichzeitig durchsuchten Ermittler nach „Spiegel“-Recherchen die Wohnungen zweier ehemaliger Mitarbeiter des Bundesverteidigungsministeriums. Die beiden Männer sollen mit der Beschuldigten in Kontakt gestanden haben.

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Kontakt zu mutmaßlichem GRU-Offizier

Nach Erkenntnissen der Ermittler soll W. bereits seit November 2023 einen Kontaktmann in der russischen Botschaft in Berlin mit Informationen versorgt haben. Bei ihm soll es sich um einen Offizier des russischen Militärgeheimdienstes GRU gehandelt haben. Der Mann soll in der Botschaft als Vizeattaché aufgetreten sein.

Der mutmaßliche Agentenführer, Andrej M., musste Deutschland nach Angaben des „Spiegel“ Anfang des Jahres verlassen. Die Bundesregierung hatte zuvor einen russischen Militärattaché ausgewiesen.

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W. soll nach den Vorwürfen gezielt Informationen über Teilnehmer politischer Veranstaltungen in Deutschland gesammelt haben. Laut „Spiegel“ geht es unter anderem um Daten zum „Nato-Talk“ im November 2023 im Berliner Hotel Adlon. Auch beim Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforum im Dezember 2025 soll sie Informationen zusammengetragen haben. Bei der Veranstaltung saß W. demnach nur wenige Meter hinter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Mutmaßlicher Agent bei Bundeswehr-Reservisten

Besonders brisant ist ein weiterer Vorwurf: Im Februar 2024 soll W. ihren mutmaßlichen Führungsoffizier Andrej M. unter falschem Namen zu einer Veranstaltung von Bundeswehrreservisten gebracht haben.

W. war in Berlin nach den Recherchen des „Spiegel“ gesellschaftlich gut vernetzt. Die PR-Unternehmerin habe sich in einem Verein, der sich der Völkerverständigung widme, engagiert. Über Jahre hätte sie an Empfängen und Veranstaltungen teilgenommen, bei denen auch ausländische Botschafter, hochrangige Diplomaten und Politiker anwesend gewesen wären. Dem Kuratorium ihres Vereins gehören dem Bericht zufolge unter anderem Unternehmer sowie frühere Abgeordnete von SPD und CDU an.

Verteidiger äußert sich zunächst nicht

W.s Berliner Strafverteidiger Martin Schüßler wollte sich auf Anfrage des „Spiegel“ zunächst nicht zu den Vorwürfen aus der Anklage äußern. Bereits im Frühjahr hatte die Verteidigung in einem Haftprüfungsantrag die aus ihrer Sicht zu weite Auslegung des Straftatbestands der „geheimdienstlichen Agententätigkeit“ durch die Bundesanwaltschaft kritisiert.

Sollte das Gericht die Anklage zulassen, müsste sich W. vor einem Staatsschutzsenat des Berliner Kammergerichts verantworten.

pcl/lth mit dpa