Wenn Zeitzeugen die Geschehnisse vom 11. September 2001 in diesen Tagen schildern, fällt immer wieder ein Wort: apokalyptisch. Nachdem zwei Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers geflogen waren, kollabierten die Gebäude und verwandelten Lower Manhattan in einen dystopischen Schutthaufen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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In beiden Türmen sorgten mehrstöckige Brände dafür, dass die Böden und Stützen nachgaben. Die oberen Gebäudeteile gerieten ins Rutschen. Eine gewaltige Masse drückte nach unten und ließ die Türme regelrecht kollabieren. Dabei wurden Luft, Rauch und fein zermahlenes Material aus Fenstern und Fassadenöffnungen herausgepresst. Eine Druckwelle und gigantische Staubwolken breiteten sich rasant aus – darin ein Gemisch aus pulverisiertem Beton, Gips, Glasfasern, Papier, Gebäudeteilen und giftigen Materialien wie Asbest. Das Material legte sich auf Straßen, Autos, nahe liegende Gebäude und auf Menschen. Wo einmal die Türme gestanden hatten, waren nur noch Trümmerhaufen.

In dieses Chaos wagten sich Tausende Rettungskräfte, Sanitäter, Feuerwehrkräfte, Polizisten. In den darauffolgenden Tagen kamen Bauarbeiter, Kranfahrer und Soldaten dazu. Die Stadt New York war dabei maßgeblich für die Rettungs- und Aufräumarbeiten verantwortlich. Erst Jahre später wurde bekannt, dass sie viele Menschen wissentlich gefährdete.

Nach dem Anschlag auf das World Trade Center glich Manhattan einem Kriegsgebiet.
Nach dem Anschlag auf das World Trade Center glich Manhattan einem Kriegsgebiet. © AFP | DOUG KANTER

Zohran Mamdani will Dokumente zu 9/11 veröffentlichen

Die New Yorker Stadtverwaltung soll das Ausmaß der Luftbelastung mit Asbest und anderen Giftstoffen regelrecht vertuscht haben. Der derzeitige Bürgermeister Zohran Mamdani kündigte nun die Freigabe von Zehntausenden Dokumenten an, die dies belegen sollen. Viele Menschen seien vor 25 Jahren krank geworden, weil die Verantwortlichen „sie belogen haben und ihnen sagten, es sei sicher, die giftige Luft einzuatmen“, sagte der Bürgermeister.

Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörden starben mehr als 9400 Menschen an Krebs und anderen Krankheiten, die durch den Staub und Rauch beim Einsturz des World Trade Centers verursacht wurden. Das sind mehr als dreimal so viele Todesopfer wie bei den Anschlägen selbst. Doch die Namen der zahlreichen Helfer sind, anders als die der 2977 Frauen, Männer und Kinder, die unmittelbar durch den Anschlag getötet wurden, nicht auf den Rändern der Gedenkstätte in Manhattan zu lesen.

Die Stadtverwaltung habe mit ihrer Vertuschungsaktion die eigene Haftung begrenzen wollen, sagte Mamdani weiter. Insgesamt sollen dazu 173.000 Seiten binnen zwölf Monaten online veröffentlicht werden. Die Nichtregierungsorganisation Health Watch hatte die Stadt auf Herausgabe der Informationen verklagt. 

New York Mayor Mamdani Speaks At The Department Of Correction's Tribute To 9/11 Heroes Ceremony
Der neue Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani (l.), will die Vorfälle aufarbeiten. © AFP | Michael M. Santiago

Dokumente belasten wohl auch früheren Trump-Vertrauten Rudy Giuliani

Namen von Verantwortlichen nannten Mamdani und Health Watch nicht. Die Dokumente könnten aber den früheren Bürgermeister Rudy Giuliani belasten, der zum Zeitpunkt der Anschläge im Amt war, und seinen Nachfolger Michael Bloomberg. 

Am 11. September 2001 entführten Islamisten der Terrororganisation Al-Qaida vier Flugzeuge. Zwei steuerten sie in die Türme des World Trade Centers, eines ins US-Verteidigungsministerium bei Washington, und ein weiteres stürzte in Pennsylvania in ein Feld, weil sich die Insassen wehrten. Letzteres wollten die Attentäter mutmaßlich in das Weiße Haus oder das Kapitol in Washington lenken.

mit AFP