Nach den Parteiaustritten weiterer BSW-Mitglieder in Thüringen ist der innerparteiliche Streit mit der Bundesspitze um die Regierungsbeteiligung im Freistaat endgültig eskaliert. Zehn Abgeordnete der BSW-Landtagsfraktion um Landeschefin Katja Wolf erklärten am Freitag in Erfurt ihren Parteiaustritt. Wie es mit der Landtagsfraktion weitergeht, soll kommende Woche beraten werden. Wolf und auch Fraktionschefin Sigrid Hupach betonten zugleich, dass sie und ihre Mitstreiter an der Regierungskoalition mit CDU und SPD festhalten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Das sieht auch der Partner so. „Wir vertrauen einander“, sagte Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) am Freitag in Erfurt. Er blicke „mit großem Respekt auf den Schritt“, den die bisherige BSW-Landeschefin Katja Wolf und weitere Abgeordnete gegangen seien, „weil es auch ein Bekenntnis ist für Thüringen und für die gemeinsame Arbeit“.
„Dem Koalitionsvertrag fühlen wir uns weiter verpflichtet“, sagte Wolf, die im Kabinett von Voigt Finanzministerin ist. „Wir brauchen in Thüringen Stabilität.“ Die vergangenen Tage hätten deutlich gemacht, dass es angesichts des Verhaltens der BSW-Bundesspitze „keinen gemeinsamen Weg“ mehr geben könne.
Die Thüringer Allgemeine – gehört wie diese Redaktion zur Funke Mediengruppe – berichtet über die weiteren Entwicklungen in Thüringen im Newsblog.
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Verhältnis zwischen Thüringen-BSW und Bundes-BSW vergiftet
Wolf warf der Parteispitze vor, sie habe Thüringen „zum Spielball“ gemacht. „Wir sind nicht gewählt für endlose Selbstbeschäftigung, wir sind nicht gewählt für ständige Abwehrkämpfe und wir sind nicht gewählt für Flirts mit Rechtsradikalen.“ Es gehe um die Umsetzung eines Regierungsauftrags, betonte sie.
Die BSW-Bundesspitze um Parteigründerin Sahra Wagenknecht hatte zuletzt offenen Druck auf den eigenen Landesverband und dessen Abgeordnete ausgeübt, um diese zu einem Koalitionsbruch zu bewegen und Voigt zu stürzen. Die Thüringer BSW-Spitze und die BSW-Landtagsfraktion lehnten dies ab. Ein für Sonntag geplanter Sonderparteitag dazu wurde Wolf zufolge wegen der aktuellen Entwicklung abgesagt.
Parteigründerin Sahra Wagenknecht erhebt nach den Austritten indessen schwere Vorwürfe. „Es ist offenkundig, dass die Mehrheit der Fraktion jetzt auch deshalb die Partei verlässt, weil sie wissen, dass sie auf dem geplanten Sonderparteitag keinen Rückhalt mehr für ihren Kurs bekommen hätten“, sagte Wagenknecht der dpa und ergänzte: „Vor allem aber wurde der Zeitpunkt so gewählt, um der Partei, der sie ihre Mandate und Ministerposten verdanken, vor der Wahl in Sachsen-Anhalt maximal zu schaden.“
Bereits am Mittwoch waren die Abgeordneten Stefan Wogawa, Roberto Kobelt und Dirk Hoffmeister aus Partei und Fraktion ausgetreten. Die drei Ex-BSW-Politiker wollen mit einer eigens gegründeten Partei „Deine Stimme zählt“ („DSZ“) eine parlamentarische Gruppe bilden.
BSW Thüringen: Fast der komplette Landesvorstand tritt aus
Aus dem BSW tritt laut Wolf und Fraktionschefin Sigrid Hupach auch nahezu der gesamte Landesvorstand aus. Der nach wie vor bestehenden Fraktion gehören laut Hupach derzeit zwölf Abgeordnete an. Über das weitere Vorgehen solle auf einer Fraktionssitzung kommende Woche beraten werden. Auch Hupach bekannte sich zum Fortbestand der Koalition.
Voigt regiert seit 2024 in einer Dreierkoalition aus CDU, BSW und SPD, die allerdings keine absolute Mehrheit im Landtag hat. Es besteht ein Patt von 44 von 88 Sitzen zur Opposition von AfD und Linke. Bei Beschlüssen, die diese erfordern, arbeitet die Regierung deshalb mit der Linkspartei zusammen. Dem Kabinett gehören bislang drei Minister des BSW an. Die größte Landtagsfraktion stellt die AfD.
Die AfD arbeitet seit längerer Zeit auf einen Sturz von Voigt hin und umwarb dafür zuletzt erfolglos das BSW, dessen Bundesspitze ebenfalls einen Abgang Voigts zugunsten eines „überparteilichen Ministerpräsidenten“ fordert. Die Brandmauer zur AfD hält die BSW-Führung für gescheitert.
AFP/dpa/dw







