In Deutschland sind in diesem Sommer bislang fast 12.000 Menschen infolge der Hitze gestorben. Bundesweit wurden bis zum 26. Juli schätzungsweise 11.900 hitzebedingte Todesfälle erfasst. Das geht aus dem Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor, der am Donnerstag in Berlin veröffentlicht wurde. Der bislang höchste Wert wurde zuletzt im Jahr 2018 mit geschätzten 8900 Hitzetoten registriert.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Nach Angaben des RKI starben allein 9600 der insgesamt 11.900 Menschen in diesem Jahr während der besonders heißen 26. Kalenderwoche, also im Zeitraum vom 22. bis zum 28. Juni. In dieser Woche waren örtlich Rekordtemperaturen von mehr als 41 Grad Celsius gemessen worden. Dass die Zahlen erst jetzt in der Statistik auftauchen, liegt laut RKI an den Mortalitätszahlen aus den Bundesländern, die erst mit fünfwöchiger Verzögerung berichtet werden. 

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Diese Bevölkerungsgruppe trifft die extreme Hitze besonders hart

Nur in sehr seltenen Fällen führt Hitze unmittelbar zum Tod. Meist kommen hohe Temperaturen und bereits bestehende Vorerkrankungen zusammen. Dazu gehören beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Erkrankungen der Lunge oder der Nieren. Hitze wird deshalb auf Totenscheinen nicht als Todesursache eingetragen und erscheint entsprechend auch nicht in der amtlichen Todesursachenstatistik.

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Das Ausmaß der hitzebedingten Todesfälle wird daher mithilfe statistischer Verfahren ermittelt. Dafür wird die Zahl der Sterbefälle in Sommerwochen mit Hitze mit der Sterblichkeit in Sommerwochen ohne Hitze verglichen. Die Übersterblichkeit wird nach Angaben des RKI derzeit auf 14.600 Fälle geschätzt. Von Übersterblichkeit wird gesprochen, wenn innerhalb eines bestimmten Zeitraums mehr Menschen sterben, als unter gewöhnlichen Umständen zu erwarten wäre.

Extreme Hitze in Deutschland: Ärzte fordern europäischen Hitzeschutzplan

Aufgrund der jüngsten Hitzewellen mit Tausenden Todesfällen fordern die Bundesärztekammer und rund 80 weitere europäische Gesundheitsorganisationen deutlich größere Anstrengungen der Europäischen Union. Die Erklärung des Klimanotstands müsse in verbindliche Verpflichtungen überführt und extreme Hitze als ernsthafte grenzüberschreitende Gesundheitsgefahr anerkannt werden, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung.

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Die Unterzeichner fordern unter anderem einen Europäischen Hitzeschutzplan, der durch einen Notfall-Anpassungsfonds unterstützt werden soll. Mit dem Geld sollen beispielsweise die Hitzeüberwachung ausgebaut und Gesundheitseinrichtungen, Pflegeheime, Kindertagesstätten und Schulen klimafest gemacht werden.

Die Lücke im europäischen Arbeitsschutz bei Hitze müsse geschlossen werden. Dafür seien verbindliche und an die jeweilige Region angepasste Temperaturschwellenwerte notwendig. Zudem müssten sichere Innentemperaturen für besonders gefährdete Menschen auch in bestehenden Wohngebäuden gewährleistet werden.

Hitze in Deutschland
In Berlin-Mitte zeigt ein Thermometer neben einer Apotheke 40 Grad an. Die Bundesärztekammer und rund 80 weitere europäische Gesundheitsorganisationen fordern von der EU deutlich mehr verbindliche Maßnahmen gegen extreme Hitze.© Carsten Koall/dpa | Carsten Koall

Hitzebedingte Sterblichkeit steigt trotz Aktionsplänen

Trotz bestehender nationaler Hitze-Gesundheits-Aktionspläne, Frühwarnsysteme und einer Anpassungsstrategie der EU steige die hitzebedingte Sterblichkeit weiter, kritisieren die Ärzte.

„Unter den Hitzekuppeln des Juni 2026, dem heißesten je in Westeuropa gemessenen Juni, wurden allein in der Spitzenwoche der Hitzewelle mehrere Tausend Übersterblichkeitsfälle registriert – Tendenz weiter steigend“, heißt es in der Erklärung. Bei den Opfern handele es sich überwiegend um ältere Menschen. Frauen seien überproportional betroffen.

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Besonders gefährdet seien außerdem Menschen, die im Freien arbeiten, sowie Menschen in Armut oder in schlecht an Hitze angepassten Wohnungen. Auch Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie Patientinnen und Patienten in Gesundheitseinrichtungen seien einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

Zusätzlich verschärften Waldbrände die gesundheitlichen Folgen der Hitze. Der Rauch könne ganze Städte belasten. „Dessen Feinstaubpartikel werden noch lange nach dem Erlöschen der Flammen weitere Todesfälle verursachen“, warnen die Unterzeichner. Zu ihnen gehören auch der Hausärztinnen- und Hausärzteverband sowie die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, kurz Klug.

Gesundheitsorganisationen fordern verbindliche EU-Maßnahmen gegen extreme Hitze

Die Unterzeichner verlangen, dass die Gesundheit im geplanten „European Climate Resilience Framework“ eine zentrale Rolle spielt. Der Klima-Widerstandsfähigkeitsplan wird derzeit von der EU-Kommission erarbeitet. Darin müssten rechtlich verbindliche Verpflichtungen zur Anpassung an die Klimakrise festgeschrieben werden.

Auch der Gesundheitssektor selbst müsse handeln. „Die Unterzeichner verpflichten sich, ihre eigenen Krankenhäuser, Praxen und Pflegeeinrichtungen klimaresilient und klimaneutral zu gestalten, Patientinnen, Patienten und Personal vor Hitze zu schützen und den Klimawandel in jede klinische und pflegerische Entscheidung einzubeziehen.“

Hitzeperioden sorgen in Deutschland regelmäßig für eine erhöhte Sterblichkeit. Zwischen Juni und September veröffentlicht das RKI deshalb jede Woche einen Bericht zur aktuellen Entwicklung. Gleichzeitig stellt auch das Statistische Bundesamt Daten zur hitzebedingten Sterblichkeit bereit.

afp/dpa/fmg