Alexander Hoffmann wird den Job als Interimsfraktionsvorsitzender noch bis zu diesem Mittwoch machen, dann soll Thorsten Frei als neuer Chef der Unionsabgeordneten im Bundestag gewählt werden. Doch CSU-Landesgruppenchef Hoffmann kann sich jetzt schon über ein enthusiastisches Arbeitszeugnis für seine zwei Wochen an der Spitze der Unionsfraktion freuen. Er wolle Hoffmann ein Kompliment machen, sagt CSU-Chef Markus Söder am Montag vor Kameras; der mache wirklich „exzellente Arbeit“.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Die beiden stehen im Innenhof der ehemaligen Benediktinerabtei Kloster Banz in Franken, wo sich die 44 Bundestagsabgeordneten der CSU zu einer zweitägigen Sommerklausur eingefunden haben. Schon optisch ist das Barock-Ensemble aus Sandstein, vor dem Hoffmann und Söder sprechen, weit entfernt vom Regierungsviertel in Berlin. Doch Söder legt an diesem Tag vor allem Wert auf den politischen Kontrast.
Auch interessant
Merz: Söder nimmt ihn gegen den Unmut in Schutz
Während fast zeitgleich in Berlin der Bundeskanzler die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann vorstellt, nimmt Söder Friedrich Merz in Bayern in Schutz gegen den Unmut, der sich in der CDU zusammengebraut hat wegen des Umgangs mit dem geschassten Verkehrsminister Patrick Schnieder.
„Alle Personalentscheidungen sind gut und nachvollziehbar“, sagt der CSU-Chef über die vielen Wechsel quer durch Ministerien und Regierungsebenen, die Merz nach dem Rücktritt von Jens Spahn angestoßen hatte. Und natürlich „darf und muss“ ein Bundeskanzler Teile seiner Mannschaft auswechseln, um den Gesamterfolg der Regierung zu gewährleisten. Bei der CSU allerdings sieht er keinen Anlass, Kabinettsmitglieder auszutauschen. „Unser Personal ist, finde ich, ganz hervorragend.“
Auch interessant
Söder betont CSU als stabilen Gegenpol zu Berliner Personaldebatten
Der Kanzler, so kann man Söder verstehen, mag sich in Berlin seit dem Rücktritt von Jens Spahn in immer neuen Personalfragen verheddern. In der CSU hat man keine solchen Probleme, wenn es darum geht, qualifizierte Leute zu finden. Eine gewisse Großzügigkeit fällt Söder deshalb leicht. „Sie sehen in diesen Tagen“, sagt er und nickt dazu bekräftigend, „die CSU, auch in der gesamten Union, als Stabilitätsanker.“
Ein „Stabilitätsanker“, die CSU? Ausgerechnet die kleine Schwesterpartei aus Bayern, die nie schüchtern war, ihre Sonderstellung in Berlin für sich zu nutzen? Und: ausgerechnet unter Parteichef Söder, der in der Vergangenheit oft mit Verve Unruhe gestiftet hat?
Die Selbstbeschreibung als Garant für Zuverlässigkeit passt zum jüngsten Imagewandel des bayerischen Ministerpräsidenten. Der 59-Jährige trägt zwar keinen Bart mehr, dafür aber wieder öfter Krawatte. Und wer den letzten Post über die Essgewohnheiten des CSU-Chefs sucht, muss auf dem Instagram-Account des Ministerpräsidenten mehrere Monate zurückgehen – Söder isst nicht mehr öffentlich für seine Follower. Weniger unterhaltend, dafür seriöser, so will er in diesen Tagen wahrgenommen werden. Und dazu gehört auch, neu zu gewichten zwischen Profilierung für die CSU und einem vergleichsweise reibungsfreien Lauf der Regierungsgeschäfte in Berlin. Er sei jedenfalls „für einen CSU-Vorsitzenden konstruktiv wie selten“, fand Söder selbst im ZDF-Sommerinterview, das am Sonntag ausgestrahlt wurde.

Ein Gedanke beschäftigt Söder noch immer
Die Hinwendung zur Ernsthaftigkeit hat mehrere Gründe. Einer ist die Sorge, mit der Söder auf die politische Großwetterlage und die hohen Zustimmungswerte für die AfD blickt. Die Formulierung von dieser Regierung als „letzter Patrone“ der Demokratie hat er zwar nicht wiederholt, doch der Gedanke dahinter beschäftigt ihn offenbar noch immer. Dem ZDF sagte Söder, wenn diese Koalition scheitere, dann scheitere „viel mehr als eine Regierung“. Dem Vorwurf, das zu befeuern, will er sich nicht aussetzen.
Gleichzeitig aber ist der Wandel durchaus von einer gewissen politischen Notwendigkeit getrieben. In der CSU haben sie nicht vergessen, dass das Ergebnis der bayerischen Kommunalwahl in diesem Frühjahr das schlechteste seit 1952 war. Und auch nicht, dass Söder auf die Verluste an Wählerstimmen zuerst reagierte, in dem er den Kandidatinnen und Kandidaten die Verantwortung zu geben schien, und erst nach großer Empörung an der Basis zurückruderte.
Mehr Politik-News
Söders Führung in der CSU gerät zunehmend unter Druck
Als Manfred Weber, stellvertretender CSU-Parteichef und Vorsitzender der konservativen EVP-Fraktion in Brüssel, im Mai in einem Brief forderte, die Partei dürfe nicht dem Mainstream folgen, sondern müsse den Mainstream prägen, nannte er Söder zwar nicht ausdrücklich als Adressat der Kritik, doch die Botschaft kam trotzdem an.
Die Scharmützel zeigen: Die Zeiten, in denen Söders Position in der Partei unangefochten schien, sind vorbei. Im kommenden Jahr steht die nächste Wahl für den Parteivorsitz an, und in der CSU gibt es längst Gedankenspiele, wer außer Söder da Aussichten auf Erfolg haben könnte.
Landtagspräsidentin Ilse Aigner etwa gilt als sehr beliebt unter den CSU-Abgeordneten im bayerischen Landtag. Dass Söder in einem Interview Sympathie für die Idee erkennen ließ, Aigner könnte Bundespräsidentin werden, wurde deshalb von Beobachtern auch als Versuch gewertet, eine mögliche Rivalin nach Berlin abzuschieben.
Hoffmann, der Noch-Vorsitzende der Unionsfraktion, nimmt sich am Montag noch einen Moment Zeit, um Amtsvorgänger Spahn zu würdigen. Der sei ein Leistungsträger der Koalition gewesen und gerade in den Wochen vor der Sommerpause außerdem: „ein Stabilitätsfaktor“.








![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)


