Immer mehr junge Menschen sterben in Deutschland am Konsum illegaler Drogen. Im vergangenen Jahr kamen 528 Menschen unter 30 Jahren durch Substanzen wie Heroin oder Crack ums Leben – rund 53 Prozent mehr als noch 2021. Das geht aus Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) hervor.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Besonders stark trifft es die jüngere Altersgruppe: 106 Menschen unter 20 Jahren starben 2025 an den Folgen ihres Drogenkonsums. Vier Jahre zuvor waren es noch 54. Insgesamt zählten die Behörden im vergangenen Jahr 2150 Drogentote. 1777 Rauschgift-Tote waren nach den Zahlen des BKAs männlich, 373 weiblich.

Bundesdrogenbeauftragter Hendrik Streeck (CDU) zeigt sich alarmiert. „2150 Drogentote – und Deutschland schaut wieder betroffen auf die Zahl, bis sie übermorgen vergessen ist. Ich finde es erschreckend, wie sehr wir uns daran gewöhnt haben“, sagte er.

Als besonders gefährlich gilt der Mischkonsum verschiedener Substanzen. „Fast jeder vierte Drogentote ist inzwischen unter 30, bei den Unter-20-Jährigen hat sich die Zahl seit 2021 fast verdoppelt. Vier von fünf sterben nach dem Konsum mehrerer Substanzen“, so Streeck. Häufig kombinierten Konsumenten Medikamente, Alkohol und illegale Drogen ohne die lebensbedrohlichen Folgen zu kennen. Der Drogenbeauftragte, der auch Mediziner ist, nannte als mögliche Gründe junger Menschen, Drogen zu nehmen: psychische Belastung und Krisen - aber auch Neugier und Übermut.

Streeck fordert deshalb: „Mehr Prävention, frühere Hilfe und ein Hilfesystem, das Menschen rechtzeitig erreicht.“

Ich finde es erschreckend, wie sehr wir uns daran gewöhnt haben.

Hendrik Streeck / Drogenbeauftragter
Hendrik Streeck, Bundesdrogenbeauftragter (CDU)

Kokain-Konsum: Frankfurt ist Deutschlands Hochburg

Ein Blick ins Abwasser zeigt, dass der Konsum von illegalen Drogen in Europa stark verbreitet ist: Die EU-Drogenagentur hat Stichproben aus 128 europäischen Städten ausgewertet, darunter 16 in Deutschland. Das Ergebnis: Die Einnahme von Kokain, MDMA und Amphetaminen nimmt europaweit zu.

In Deutschland liegt Hamburg beim Ketamin-Konsum vorn. In Frankfurt am Main kommen auf 1000 Personen satte 724 Milligramm Kokain pro Tag. Die Stadt ist laut einer Studie der EU-Drogenagentur die Kokain-Hochburg Deutschlands.

Offene Drogenszene im Bahnhofsviertel Frankfurt
Pillen, Pulver, Spritzen: 2150 Menschen starben 2025 in Deutschland an illegalen Drogen.© Boris Roessler/dpa | Boris Roessler

Während Berlin beim Gesamtkonsum synthetischer Drogen die Nase vorn hat, zeigen sich regional starke Unterschiede bei einzelnen Substanzen: Bezogen auf die Einwohnerzahl liegt München beim Ecstasy-Konsum im Bundesvergleich vorn, Saarbrücken dagegen bei Amphetaminen („Speed“ oder „Pep“).

Illegale Drogen fordern immer mehr Leben

Neben illegalen Drogen tötet auch die Droge Alkohol jährlich Tausende Menschen. Etwa 44.000 Todesfälle in Verbindung mit Alkohol verzeichnet die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen jährlich. Laut Robert-Koch-Institut trinkt fast jeder dritte Erwachsene so viel, dass damit moderate oder hohen Gesundheitsrisiken verbunden sind.

Lesen Sie auch

Der Konsum von Alkohol sinkt jedoch bundesweit – anders als der von illegalen Drogen. Seit den 1970er-Jahren ist die Anzahl der Drogentoten um nahezu 2000 Prozent gestiegen. 1971 brachten US-Soldaten Heroin aus dem Vietnamkrieg nach Deutschland. In den 80ern wurde Heroin zur Partydroge, Anfang der Neunziger Jahre kam Ecstasy hinzu, in den 2000ern dann Crystal Meth.

Das Drogenproblem wächst aber nicht nur in Deutschland. Die Vereinten Nationen warnten erst Ende Juni in ihrem Weltdrogenbericht vor einem „beispiellosen Anstieg“ neuartiger synthetischer Substanzen.