Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist ein Jahr her, dass mir das Grauen des Jugoslawien-Krieges noch einmal so richtig bewusst wurde. Ich war zu Besuch bei unserem Freund in Dubrovnik, dessen Vater in den 1960er-Jahren nach Deutschland eingewandert war. Heute verbringt er mit seiner Familie den Sommer im Haus der inzwischen verstorbenen Eltern. Es liegt mitten in der Altstadt, im Garten wachsen Aloe vera, Pinien spenden Schatten. Von dort geht der Blick auf das tiefblaue Meer.

Lieben Sie gut recherchierte Geschichten, spannende Interviews und Reportagen?

Textchefin Birgitta Stauber sucht sie in ihrem Newsletter „Das Beste am Sonntag“ für Sie aus, eingebettet in ein persönliches Editorial. Kostenlos abonnieren können Sie den Newsletter hier.

Wir kletterten zur Badestelle der Einheimischen, hinab über die Felsen bis zu einer Plattform, von der die Mutigen aus zehn Meter Höhe runterspringen. Ich ging den vorsichtigeren Weg zum Wasser und schwamm ein paar Züge hinaus, bevor ich mich umdrehte und mein Blick die Altstadt traf, hinter der das Gebirge aufragt. „Von dort oben schossen sie damals auf die Stadt“, erklärte mir später unser Freund.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Damals, das war 1991 während des Jugoslawien-Krieges, als Dubrovnik vom Meer und vom Gebirge aus von der jugoslawischen Volksarmee monatelang eingekesselt und in weiten Teilen zerstört wurde. Mir schnürte der Gedanke an die tägliche Angst der Menschen, an ihr Leid, die Kehle zu.

Die Sniper waren reiche Ausländer: Menschenjagd im Jugoslawien-Krieg

Und nun holt mich dieses Gefühl wieder ein: Es sind die Berichte über Sarajevo, die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina. Der Balkanstaat grenzt unmittelbar an Dubrovnik. Dort machten zwischen 1992 und 1994 im Krieg Scharfschützen Jagd auf Zivilisten. Offenbar waren es aber nicht nur Soldaten der Jugoslawischen Volksarmee, die diese Kriegsverbrechen begangen. Sondern auch reiche Ausländer, die Geld dafür bezahlten, einen Menschen vom Dach eines Gebäudes erschießen zu dürfen.

Birgitta Stauber-Klein Newsletter Bild
Birgitta Stauber, Textchefin © Montage | FMG/Reto Klar/FFS

Genannt wurde dies „Menschen-Safaris“. 20.000 Euro soll ein alter Mensch gekostet haben, 100.000 Euro ein Kind. Unter diesen reichen Ausländern sind fünf Italiener, denen nun vor einem Mailänder Gericht der Prozess gemacht wird. Was ihnen die Staatsanwaltschaft vorwirft und wie sie versuchen, sich rauszureden, beschreibt unsere Italien-Korrespondentin Micaela Taroni.

Bosnia Herzegovina Civil War 1995
Sarajevo im August 1994: Eine Mutter und ihr Sohn rennen unter Lebensgefahr durch eine Sniper-Zone.© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Rikard Larma

Ein Krieg entfesselt wohl immer das Übel, das in Menschen schlummert. Und dann wütet er unbarmherzig und unbeherrscht. „Kriegsverbrechen“, wird dann schnell gerufen. Aber ist der Krieg nicht schon ein Verbrechen an sich?

Ich bin nicht unbedingt eine Pazifisten. Würde ich überfallen, würde ich mich wehren. Aber mir graut schon jetzt vor dem, was über den Ukraine-Krieg noch bekannt wird. Das Massaker in Butscha und anderen Dörfern vor Kiew, begangen durch Putins Truppen, war womöglich nur der Auftakt. Und auch, wer sich wehrt, begeht Kriegsverbrechen, das zeigt das Vorgehen der israelischen Armee nach dem 7. Oktober 2023, als Hamas-Kämpfer israelische Dörfer überfielen, die Menschen vergewaltigten, töteten und als Geiseln nahmen.

So berreichert sich der Trump-Plan an den selbst angezettelten Kriegen

Umso erschütterter bin ich, dass ein amerikanischer Präsident so leichtfertig mit Krieg und Frieden umgeht. Völlig unberechenbar und wohl auch planlos zerrüttet er weiter den Weltfrieden, wo es nur geht. Ob in Venezuela oder im Iran. In Grönland lässt er ebenso Menschen zittern wie in Kuba. Und nun das: Dieser Kriegspräsident füllt sich mit seiner Politik die eigenen Taschen, weil seine von den Söhnen geführten Firmen Aktien von Unternehmen kaufen, die kräftig durch die Regierungsentscheidungen verdienen. Ein Beispiel ist die Firma Axon, die Taser-Geräte für die ICE-Agenten verkaufen. Unser Washington-Korrespondent Dirk Hautkapp beschreibt das Ausmaß, für das selbst Trump-Anhängern nur das Wort Korruption einfällt.

US President Donald Trump attends the Southern Boulevard dedication ceremony
Milliardenschwer war Donald Trump schon vor seiner zweiten Präsidentschaft. Jetzt ist er noch reicher. © AFP | ANDREW CABALLERO-REYNOLDS

Fall Fabian: Was treibt den Vater an, die mutmaßliche Mörderin seines Sohnes weiter zu lieben?

So sehr mich diese Weltkrisen und -kriege erschüttern: Was sich mitunter in Familien abspielt, macht mich ebenso fassungslos. Nehmen wir den Jungen Fabian, der mit mehreren Messerstichen ermordet und verbrannt wurde. Unter dringendem Tatverdacht steht die Ex-Freundin des Vaters.

Die Beweise gegen sie sind so erdrückend, dass mit einer Verurteilung gerechnet werden muss. Dennoch hält der Vater nicht nur den Kontakt zu seiner Ex, die in Untersuchungshaft sitzt, sondern geht erneut eine Beziehung mit ihr ein. Nun, vor Gericht, verteidigt er die Frau, gegen die derzeit der Indizienprozess läuft. Meine Kollegin Natalja Fischer hat mit einem Psychologen über toxische Beziehungen gesprochen. Lesen Sie hier, was den Vater antreiben könnte, die mutmaßliche Mörderin seines Sohnes weiterhin zu lieben.

Angeklagte im Fall Fabian: Sie war die Stiefmutter und soll Fabian erstochen haben. Bislang schweigt sie zu den Vorwürfen.
Angeklagte im Fall Fabian: Sie war die Stiefmutter und soll Fabian erstochen haben. Bislang schweigt sie zu den Vorwürfen. © dpa | Bernd Wüstneck

Kommen wir zur Politik. Nervt Sie auch das Geschacher um die dringend nötigen Reformen unserer Sozialversicherungssysteme? Steigen Sie womöglich gar nicht mehr durch bei dem Hickhack um Elterngeld-Kürzungen, Spitzensteuersatz, steigende Gesundheitskosten und Pflegebeiträge für Kinderlose? Mein Kollege Jan Dörner führt Sie hier durch den Reformdschungel.

Merz, Starmer, Macron: Der Club der Unbeliebten

Übrigens: Die Reformen stocken nicht nur in Deutschland. In Frankreich ist ein Stillstand eingetreten, da der französische Präsident Emmanuel Macron eine Minderheitsregierung führt, mit der sich nichts durchsetzen lässt. Und in Großbritannien wird die medizinische Versorgung immer schlechter, obwohl Labour-Mann Keir Starmer das Gegenteil versprochen hatte.

Ihm hängt die rote Laterne an: Bundeskanzler Friedrich Merz.
Ihm hängt die rote Laterne an: Bundeskanzler Friedrich Merz. © AFP | Nicolas Tucat

Auch bei der Bewältigung der Migration haben die drei Länder ähnliche Schwierigkeiten. Was sie noch eint: Ihre Regierungschefs sind in der Beliebtheitsskala ganz weit unten. Wobei in diesem Dreiergespann im Club der Unbeliebten, wie ihn Christian Kerl nennt, dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz die rote Laterne anhängt.

Ein wenig Klatsch: Ricarda Lang joggt und geht viral, Victoria Swarovski feiert sich beim ESC

Ganz schön düster, was meine Kollegen beschreiben? Das stimmt. Aber es geht auch leichter, zum Beispiel mit ein wenig Klatsch und Tratsch. Ricarda Lang, die frühere Chefin der Grünen, führt in dieser Hinsicht die Reichweite an. Schließlich hat sie nicht nur abgenommen, Jura studiert und ihre langen Haare in eine Pony-Frisur verwandelt. Auch sportlich strengt sie sich an, joggt den Kilometer unter sechs Minuten und läuft Halbmarathon. Freilich nicht ohne darauf zu verzichten, ihre Leistungen dem sozialen Netzwerk kundzutun: mit hochrotem Kopf und engem Laufshirt. Das Netz lästert und lobt, und so bleibt die Grünen-Politikerin im Gespräch.

Haben Sie den ESC verfolgt? Dann ist ihnen bestimmt das breite Lächeln der Moderatorin Victoria Swarovski aufgefallen. Meine Kollegen klärten mich darüber auf, dass die Erbin des Glitzer-Konzerns sich als Sängerin versuchte, „Let’s Dance“ gewann, inzwischen moderiert und auch sonst ziemlich umtriebig ist.

LASCANA Fashion Boat - Berlin Fashion Week September 2022
Victoria Swarovski bei der Berliner Fashion Week 2022. Sie wollte immer mehr sein als „nur Erbin“. © Getty Images for LASCANA | Isa Foltin

Alina Juravel hat die Details zu dieser schillernden Person zusammengetragen. Lesen Sie hier, wie groß ihr Vermögen ist, welche Ehe nach pompöser Hochzeit zu Ende ging und wer neuerdings ihr Liebesleben bereichert. Was mir beim Lesen klar wurde: Bei allem, was sie tut und wen sie trifft, geht es um richtig viel Geld.

Nun mögen Sie sagen: Was geht mich diese Person an? Sie liefert immerhin Gesprächsstoff, der mir persönlich nicht wehtut. Ich hoffe, es geht Ihnen auch so und Sie genießen dieses schöne Frühsommer-Wochenende mit einem guten Gefühl.

Es grüßt Sie herzlich

Ihre Birgitta Stauber