Fast sieben Jahre sind verstrichen, seitdem sich der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein im Gefängnis das Leben genommen hat. Und Trump versucht seit seinem zweiten Amtsantritt nicht nur, das Thema unter den Teppich zu kehren. Demokraten werfen ihm sogar vor, deswegen den Iran-Krieg begonnen zu haben. Dem Präsidenten gehe es nicht um Atomwaffen, meinen sie. Nein, Ziel seiner sogenannten „Flooding the zone“-Strategie sei ein ganz anderes. Die „Überflutung“ („flooding“) der Medien mit sensationellen Schlagzeilen diene einem anderen Zweck: um von dem Skandal abzulenken. Und ein für alle Mal die Diskussion darüber zu beenden, warum Trumps Name immer wieder in einem Atemzug mit Epsteins genannt wird. Schon deswegen will die Oppositionspartei sicherstellen, dass das Gegenteil eintritt und die Debatte weiter in den Schlagzeilen bleibt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Diesem Zweck dienten auch die jüngsten, sogenannten „Schattenanhörungen“ in Florida, bei denen viele der Opfer am Dienstag wieder zu Wort kamen. Die Kulisse war ungewöhnlich. Mitglieder des „Oversight Committee“ – also des Aufsichtskomitees im Repräsentantenhaus – wählten nicht etwa ihren Plenarsaal im Kapitolsgebäude. Sie vernahmen die Opfer in dem Rathaus von West Palm Beach, einer knapp 120.000 Einwohner zählenden Stadt bei Miami. Und der Schauplatz war kein Zufall. Denn drei Kilometer von dem Rathaus entfernt steht eine von Epsteins Villen. Ein luxuriöses Anwesen, in dem er angeblich dutzende von jungen Frauen belästigt und teilweise vergewaltigt haben soll.
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Die Opfer berichteten von dem Trauma, das sie erlitten haben. Auch, wie Ghislaine Maxwell Teenagern aus ärmeren, angrenzenden Wohngegenden anwarb, indem sie ihnen schnell verdientes Geld versprach. Genauer gesagt: Wenn sie Ghislaine in dieses wunderschöne Haus begleiten und ihrem Bekannten Jeffrey ein paar Gefälligkeiten erweisen, winkt eine Belohnung von 200 Dollar. Wer „neue Mädchen rekrutiert“, könnte sogar einen Hunderter dazu bekommen. Und die Opfer beschrieben, was dann geschah. Oft kam dieser ältere, halbnackte Herr in den Raum, der sich nur ein Handtuch umgebunden hatte. Dann die sogenannte „Massage“. Und meistens deutlich mehr.
Dabei war es gar nicht das Ziel der Anhörung, dieselben Geschichten, die schon bei vergangenen Auftritten dem Publikum einen Schauer über den Rücken jagten, zu wiederholen. „Ich bin hierher gekommen, um sicherzustellen, dass so etwas nicht wieder passiert“, erklärte Courtney Wild. Sie war 14 Jahre alt, als Epstein sie sexuell belästigte. Die Frauen, heute zwischen Mitte 30 und Anfang 40, wollten insbesondere einer anderen Frage auf den Grund gehen: Warum Epstein damals nicht damals nicht schon längst im Gefängnis saß.
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Denn im Jahr 2006 hatten die Sheriffs in Palm Beach den Finanzier verhaftet, nachdem eine 14-Jährige behauptet hatte, vergewaltigt worden zu sein. Epstein gestand, minderjährige Mädchen für Prostitution bezahlt zu haben. Der zuständige Staatsanwalt und spätere Arbeitsminister unter Trump, Alexander Acosta, ließ den Täter aber mit einem blauen Auge davonkommen. Epstein musste nur 13 Monate im lokalen Gefängnis absitzen. Davon konnte er jeden Tag 12 Stunden auf freiem Fuß verbringen. Die Opfer wollen nun wissen, warum Epstein nach gut einem Jahr schon wieder frei war und Mädchen belästigen konnte.
Das wollte auch Sky Roberts wissen. Er ist der Bruder von Epstein-Opfer Virginia Giuffre, die 2025 Selbstmord beging. Roberts hielt vor den Abgeordneten Dokumente zu den 20 Jahre alten polizeilichen Ermittlungen hoch. Der Kinderschänder hätte nie wieder auf freiem Fuß sein dürfen, meinte er. „Denn die Akten, die Sie hier sehen, sind nur einige von tausenden.“ Genau wie die überlebenden Opfer sei er neugierig, was das Justizministerium nun machen will.
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Die Frage ist auch deswegen relevant, weil das Rathaus von West Palm Beach nicht nur in der Nähe von Epsteins Villa liegt. Wenige Kilometer entfernt ist auch Trumps Mar-a-Lago-Anwesen, wo Epstein oft zu Gast war. Rätsel gibt auch die Tatsache auf, dass der Staatsanwalt, der dem Sexualstraftäter einen sogenannten „Sweetheart Deal“ anbot, später in Trumps Kabinett kam. So oder so bleibt auch nach den „Schattenanhörungen“ unklar, wie eng Trumps Beziehung zu dem Kinderschänder tatsächlich war.
Nachgewiesen ist dem Präsidenten kein Vergehen. Gleichwohl verstehen US-Demokraten ebenso wenig wie eine Mehrheit der Bevölkerung, warum Trumps Name mehr als 25.000 Mal in der sogenannten „Epstein-Akte“ steht. Falls er sich tatsächlich nichts zuschulden kommen ließ, so argumentieren die Demokraten, dann wäre es nicht notwendig gewesen, den Namen des Präsidenten in den Dokumenten zu schwärzen. Darauf wird Trump sicher nicht antworten. Auch um den Preis eines weiteren Kriegs.









