Während in Pakistan die Vertreter der USA und des Iran zusammensaßen, um über eine Einigung auf ein Ende des Kriegs im Mittleren Osten zu verhandeln, traf sich Papst Leo XIV. in Rom im Petersdom mit mehreren tausend Gläubigen zu einem Friedensgebet. Eine fromme, gut gemeinte, aber letztlich eher hilflose Geste mit dem Rosenkranz als einziger „Waffe“ gegen todbringende Drohnen und Raketen? Mitnichten! Denn der Papst machte aus dem stillen Gebet in der Basilika einen dramatischen Aufruf zum Frieden – und ging die Politiker und Staatenlenker, „die Bomben abwerfen“, unmissverständlich an: „Schluss mit der Selbstvergötterung und mit der Vergötzung des Geldes. Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg!“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Es scheint, als hätte Leo gut ein Jahr nach seinem Amtsantritt sein Großthema gefunden. Rätselten viele Katholiken immer noch, wie sich der Pontifex aus den Vereinigten Staaten als Papst positionieren würde, worauf er den Schwerpunkt seines Pontifikats legen würde – nun ist es klar. Schon bei seinem ersten Auftritt als Papst, auf der Loggia des Petersdoms, hatte das gerade neu gewählte Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken die Menschen auf dem Petersplatz mit der Botschaft „Friede sei mit euch allen“ begrüßt. Ein Friedensgruß, den manche damals als wenig originell oder gar etwas kraftlos kritisierten, erweist sich in den letzten Wochen als Vorbote der klaren Ansagen, die Leo an die Politiker dieser Welt richtete.
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Leo scheut dabei nicht den Konflikt. Als der amerikanische Präsident Donald Trump dem Iran mit der Auslöschung „einer ganzen Zivilisation“ drohte, konterte der Papst: Diese Drohung gegen ein ganzes Volk sei „nicht akzeptabel“. Er rief die Amerikaner auf, nicht nur für ein Ende der Kriegshandlungen zu beten, sondern selbst aktiv zu werden, ihre jeweiligen Kongressabgeordneten anzusprechen und ihnen klarzumachen, dass sie keinen Krieg wollen. Im Weißen Haus kam das nicht gut an.
In der Nacht zu Montag reagierte Trump mit einem KI-generierten Bild von sich selbst als heilsbringender Jesus-Figur. Er legt einem Mann im Krankenbett die Hand auf, aus seiner linken Hand erstrahlt gleißendes Licht. Umrahmt ist die Szene von einer Krankenschwester, einer Frau mit betenden Händen, einem Soldaten, der Freiheitsstatue, am Himmel schwebenden Männern in Kampfmontur und daneben Kampfjets. Es ist Trumps Vision (und die der MAGA-Bewegung) von Amerika als glorreicher, militärisch starker Heimat, mit klarem christlichem Fundament. Ein US-Präsident, der sich selbst als Messias inszeniert? Der Gedanke an Gotteslästerung liegt nahe.

Und: Genau von der militärischen Komponente hält der Papst rein gar nichts.
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Zu Jahresbeginn hatte Leo XIV. die Trump-Regierung für ihr Vorgehen in Venezuela und für ihre Drohung einer Annexion Grönlands scharf kritisiert und die Einhaltung des Völkerrechts angemahnt. Und: Im Februar zeigte der Vatikan Trump erneut die kalte Schulter, indem er die Einladung des Präsidenten für eine Beteiligung am „Friedensrat“ ablehnte. Mit diesem Gremium will Trump gleichsam ein eigenes weltpolitisches Gremium als Widerpart gegen die beim Präsidenten ungeliebte UN installieren.
Trump hatte zudem gehofft, den Pontifex für eine Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung der USA am 4. Juli gewinnen zu können. Leo wird aber nicht dabei sein, stattdessen plant er für diesen Tag einen Besuch bei den Bootsflüchtlingen auf der Mittelmeerinsel Lampedusa.
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Und nun also der ebenso eindringliche wie dramatische Appell zum Ende des Iran-Kriegs. „Haltet inne! Es ist Zeit für den Frieden!“, rief Leo am Samstagabend im Petersdom den Verhandlern in Pakistan zu. „Setzt euch an den Tisch des Dialogs und der Vermittlung, nicht an die Tische, an denen die Aufrüstung geplant und tödliche Maßnahmen beschlossen werden“, so der Papst bei dem Friedensgebet.
Bereits „ein Fünkchen Glaube“, so Leo weiter, genüge, um gemeinsam als Menschheit „dieser dramatischen Stunde der Geschichte zu begegnen“. Das Gleichgewicht in der Menschheitsfamilie sei schwer erschüttert. Sogar der heilige Name Gottes werde „für Todesreden“ herangezogen. Zuletzt hatte der Papst betont, dass Gott keine Konflikte segne und Christen nicht auf der Seite derer stehen könnten, „die Bomben abwerfen“.
Auch dies darf als Seitenhieb auf den US-Präsidenten verstanden werden. Donald Trump hatte sich mehrfach demonstrativ mit Vertretern erzkonservativer Evangelikaler getroffen und sich von ihnen segnen lassen. Aber auch der russische Präsident Wladimir Putin dürfte sich angesprochen fühlen. Die Beziehung zwischen dem Kreml-Herrscher und Kriegsherrn gegen die Ukraine und Patriarch Kyrill I., dem Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche, ist durch eine enge „heilige Allianz“ geprägt. Kyrill unterstützt Putins Politik, einschließlich des Ukraine-Kriegs, ideologisch und bezeichnet die Regierungszeit Putins als „Wunder Gottes“. Putin wiederum sucht immer wieder die Nähe zu dem Kirchenoberhaupt. Diese Kooperation dient der Festigung von Macht, traditionellen Werten und der Darstellung Russlands als „antiliberales Bollwerk“.
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Der Papst ließ schon im Aufruf zu dem Friedengebet am Samstag deutlich erkennen, dass es für die katholische Kirche keinen gerechten Krieg geben könne. Mit Blick auf die Lage im Nahen Osten mahnte er, in der Region breite sich „absurde und unmenschliche Gewalt“ in den heiligen Stätten des Christentums aus. Diese würden „geschändet durch die Gotteslästerung des Krieges und die Brutalität des Geschäfts, ohne Rücksicht auf das Leben der Menschen, das höchstens als Kollateralschaden von Eigeninteressen gilt“. Kein noch so hoher Gewinn könne das Vergießen unschuldigen Blutes der Schwächsten rechtfertigen, betonte Leo.

Leo zitierte seinen großen Vorgänger, Johannes Paul II., den Papst aus Polen, der während des Irakkriegs im Jahr 2003 gesagt hatte: „Ich gehöre zu jener Generation, die den Zweiten Weltkrieg erlebt und überlebt hat. Ich habe die Pflicht, allen jungen Menschen, allen Jüngeren, die diese Erfahrung nicht gemacht haben, zu sagen: Nie wieder Krieg!“ Leo: „Diesen so aktuellen Appell mache ich mir heute Abend zu eigen.“








