Liebe Leserin, lieber Leser,
ich war noch nie auf Helgoland. Dieser Gedanke durchfuhr mich neulich im ICE auf dem Weg nach Amsterdam. Ich hatte gerade angefangen, das neue Buch des Autors Saša Stanišić zu lesen. Es hat den herausfordernden Titel: „Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne.“
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Es ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, einerseits. Verwoben mit dem roten Faden eines Romans. Und obendrein die autofiktionale Geschichte, in der Stanišić selbst der Protagonist ist. Erst erfindet er als Teenager, dass er in den Sommerferien nach Helgoland reist. Später stellt er fest, dass er in seiner Kindheit tatsächlich dort war. Ich muss zugeben, das Buch strengte mich an, aber weil mir die Sprache gefiel, diese knappen Sätze, die witzigen Dialoge, hielt ich durch.
Helgoland will sich wieder vereinigen
Und nun wieder Helgoland: Diesmal ist es der journalistische Blick meines Kollegen Matthias Iken, der mich fasziniert. Er beschreibt, womit die 1300 Bewohner der Insel hadern. Vor allem fehlt Geld für Sanierungen, etwa der Landungsbrücke und des Nordosthafens. Und dann ist da noch der Hochwasserschutz. Obendrein mangelt es an Touristen, es gibt auch einfach zu wenig Betten. Und nun diese Idee: Der Bürgermeister will die Insel mit der Hauptdüne, die ein Kilometer vor Helgoland liegt, verbinden. Damit sie wieder so groß ist wie vor der Neujahrsflut 1721. Die Idee der Aufspülung ist nicht neu und polarisiert. Lesen Sie hier die Hintergründe und was die Menschen auf der Insel davon halten.

Ich frage mich jetzt ernsthaft: Wieso war ich eigentlich noch nie auf Helgoland? Ich war in Nepal, in Kolumbien und in Ruanda. Und auch mal auf Sylt und Norderney. Und nun google ich die Optionen für eine Sommerfrische dort, sagen wir im Juli. Sehr viele Bewertungen sind mittelmäßig, und wenn die Unterkunft richtig gut sein soll, dann ist sie richtig teuer. Ich verschiebe meinen Besuch auf die Nebensaison.
Timmy, der Wal. Welch ein Drama!
Die deutsche Küste ist in dieser Woche auch aus einem anderen Grund in die Schlagzeilen gekommen. Allerdings geht es diesmal um die Ostsee und um den Buckelwal, der sich dorthin aus dem Atlantik verirrt hat und seitdem für die ganz großen Gefühle sorgt. Bagger graben, Taucher streicheln, Experten fachsimpeln. Und doch: Dem Wal ist nicht zu helfen. Noch atmet er flach, während ich diese Zeilen schreibe. Möglicherweise ist er tot, wenn Sie diesen Text lesen. Jedenfalls liegen die Brustflossen schon flach am Körper. Doch er rührt sich nicht mehr, auch wenn Live-Bilder noch kleine Fontänen zeigen, die von ihm aufsteigen.

Drei Tage lang begleitete auch FUNKE-Reporterin Geneviève Wood die Rettungsversuche. Der Teamgeist, den sie erlebte, das Bangen, das Hoffen und erst recht das Interview mit einem Meeresbiologen überwältigten sie: Während sie ihn beim Interview filmte, kamen ihr die Tränen. Und doch stellt sie sich die Frage, ob der menschliche Rettungseifer nicht zu weit ging.
Eben diese Frage wird auch in den sozialen Medien diskutiert. Hätte man Timmy, wie der Wal längst genannt wird, nicht einfach sterben lassen sollen?
Übrigens gab es im Jahr 2016 vor Helgoland tragische Strandungen von Pottwalen. Damals wurden aber nur die toten Tiere entdeckt, die vor der Insel trieben. An Medienrummel kann ich mich nicht erinnern.
Ein Wolf im Einkaufszentrum: Und schon kocht die Debatte hoch
Tatsächlich bekommt es wild lebenden Tieren selten gut, wenn sie in die Zivilisation eindringen. Bestes Beispiel ist auch der Wolf, der in der vergangenen Woche in ein Hamburger Einkaufszentrum spazierte und nicht wieder herausfand. Die automatische Tür ging nicht auf. Dann biss er auch noch die Frau, die ihm helfen wollte. War es ein gezielter Angriff? Oder war er einfach gestresst von der Ausnahmesituation? Und wie kam der Wolf überhaupt nach Hamburg-Altona? Vor allem: Was passiert jetzt mit dem Tier? Fragen über Fragen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
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Ich hoffe, dass dieser Fall nicht dafür sorgt, dass Wölfe abgeschossen werden dürfen. Schließlich tobt der Konflikt zwischen Artenschutz und Weidetierhaltung, seitdem sich Wölfe wieder in Deutschland angesiedelt haben und immer wieder auch Schafe und Ziegen reißen. Ähnlich scharf ist übrigens die Debatte, wenn es um Bären geht, die sich vor allem in Südtirol verbreiten.
Hausmeister-Horror im Prenzlauer Berg
Bissig – zumindest im übertragenen Sinne – und somit regelrecht gefährlich ist das Verhältnis zwischen einem Hausmeister und der Mieterschaft eines Mehrfamilienhauses in Berlin, das er betreut. Die Vorwürfe aus dem Bezirk Prenzlauer Berg sind haarsträubend. Da ist von Hundekot auf dem Kinderwagen die Rede, von Verfolgungsjagden, aufgerissenen Briefen und zerkratzten Autos. Sagen die Mieterinnen und Mieter. Sie vermuten, dass die Vermieterin dahintersteckt, und zwar mit dem Ziel, das Haus zu entmieten. Es soll auch um Rache gehen. Aber lesen Sie selbst, was Reporter Sebastian Struwe recherchierte.

Den Alltag zur Hölle machen: Es ist doch absurd, was Leuten offenbar einfällt, um ihre Ziele durchzusetzen. Und welche Gier, welche Skrupellosigkeit mutmaßlich dahintersteckt. Als ob das nicht auffliegt.
Kleinkriminelle raubten Louvre aus, doch wo ist die Beute?
Ähnlich schlicht agierten wohl auch die Louvre-Diebe, die vor fünf Monaten am helllichten Vormittag aus dem berühmten Pariser Museum massenhaft Schmuck und Juwelen entwndeten. Die Täter sind gefasst, klar ist: Es waren keine Profis, sondern Banlieue-Kriminelle. Im Job gescheitert und verzweifelt. Doch was ist eigentlich mit der Beute? Unser Korrespondent Stefan Brändle beschreibt die Motivation der Diebe und die Suche nach den Louvre-Juwelen.

Leben im Krieg: Im Iran leben die Menschen zwischen Angst und Hoffnung
Bis hierher habe ich es geschafft, nicht die großen politischen Weltlagen zu erwähnen; allen voran den Iran-Krieg, der mit allen wirtschaftlichen Unwägbarkeiten, die er mit sich bringt, auch längst bei uns angekommen ist. Erinnern möchte ich noch einmal an die Lage der Menschen im Iran. Sie haben große Angst, wollen in Frieden leben und hoffen so sehr auf Freiheit.
Hoda Rostami, Autorin und Bloggerin aus Teheran, schreibt regelmäßig für uns. Wir erreichen sie über den Kurznachrichtendienst Telegram. Sie spricht mit Gemüsehändlern, beobachtet Menschen am Strand in der Nähe der Straße von Hormus, beschreibt die Stille und die Angst vor dem, was noch kommt. In Teil 3 der Serie erzählt sie von ihrer Flucht aus der Hauptstadt Teheran. Und in Teil 4, der gerade bei mir angekommen ist, geht es auch um die Familie. Sie vermisst ihre Mutter, die im Ausland lebt.

Wenn Familien auseinandergerissen werden, wenn sie sich nicht gegenseitig besuchen können, weil Kriege das Reisen unmöglich machen, trifft mich das sehr. Gerade jetzt, an diesem Oster-Wochenende, ist es mir wichtig, meine Familie, meine Kinder um mich herum zu haben. Doch auch sie haben Auslandspläne. Aufhalten werde ich sie nicht.
Genießen Sie das Osterfest so wie ich – oder auch einfach nur das lange Wochenende.
Es grüßt sie herzlich,
Ihre Birgitta Stauber





