Es ist ein besonderer Lebensweg. Seine ersten sechs Kindheitsjahre hat der in Landau (Pfalz) geborene Alexander Schweitzer als Sohn eines Binnenschiffers auf Lastkähnen auf dem Rhein zwischen Karlsruhe und Rotterdam verbracht. Die rötliche Fassade der Staatskanzlei in Mainz habe er vom Rhein aus gesehen, hat er einmal erzählt. Ohne zu wissen, was dieses herausragende Haus eigentlich bedeute. Schweitzer ist ein Arbeiterkind, und weiß, was einfache Verhältnisse sind. Er ist der erste seiner Familie, der das Abitur machte und studierte.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Chancengleichheit bei der Bildung ist daher sein Lebensthema. Als Junge habe er im Weinberg der Großeltern im Winter die Reben geschnitten: „Das war eigentlich Kinderarbeit.“ Er müsse sich anstrengen, hatten ihm seine Eltern stets zu verstehen gegeben. Umso bemerkenswerter ist der Aufstieg des Juristen, der in seiner Jugend natürlich Basketball gespielt hat. Was macht man anderes mit einer Körpergröße von 2,06 Meter? Im Juli 2024 hat Schweitzer von Malu Dreyer das Ministerpräsidentenamt übernommen und, man kann es so sagen: Er hat Gefallen an der Macht gefunden. Die Regierungszeit sei die „intensivste Zeit“ seines Lebens gewesen, sagt Schweitzer. Es sei der „Kampf seines Lebens“, dieses Amt zu halten und für die SPD zu verteidigen.

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Wird Alexander Schweitzer der „Retter der SPD“?

Auf Schweitzer ruhen alle Augen in der Republik. Ist er der „Retter der SPD“, die bundesweit noch sieben Ministerpräsidenten stellt, aber mit schlechten Umfragewerten zu tun hat? Oder wird er mit einer Wahlniederlage den „Absturz“ der stolzen Arbeiterpartei verkörpern? Schweitzer tritt selbstbewusst und siegessicher auf. Im Wahlkampf hat er deutlich gemacht, wer Herr im Hause ist. „Die Welt ist in Unordnung, da braucht es jemanden am Lenkrad, der weiß, wie es geht“, hat Schweitzer bei Wahlveranstaltungen ausgerufen. Ein klarer Seitenhieb gegen seinen Konkurrenten von der CDU, Gordon Schnieder, dem er gerne einen weiteren Schlag hinzufügt: Das gehe doch nicht an, dass ein Kapitän „bei hohen Wellen auf dem Rhein“ von Bord gehe und „den Matrosen an Bord lässt“.

Mehrfach hat Schweitzer betont, dass er im Falle eines Wahlsieges von Schnieder in einer schwarz-roten Koalition nicht für ein Ministeramt zur Verfügung stehen würde. Dabei hat er seinen politischen Gegner und Duzfreund Schnieder im Wahlkampf gar nicht über Gebühr attackiert, sondern mit Samthandschuhen angefasst. Man dürfe sich „nicht die Augen auskratzen“, hat der „sanfte Riese“ – als was ihn Beobachter charakterisieren – gesagt. Unterschätzen sollte man Schweitzer allerdings auch nicht, „taktisch versiert, durchaus zur Attacke fähig“, hat die „FAZ“ über ihn geurteilt.

Im Wahlkampf hat Schweitzer seine Empörung über den politischen Gegner vor allem an der Union im Bund ausgelassen. Die Äußerungen aus der Union hinsichtlich der Nichterstattung von Zahnarztkosten, der „Lifestyle-Teilzeitarbeit“ oder dem Plädoyer von Bundeskanzler Friedrich Merz für längere Arbeitszeiten kritisierte er heftig. „Wir sind fleißige Leute“, entgegnete er da, und was die Teilzeitarbeit anbelange, da werde er auch künftig die verschiedensten Lebensmodelle verteidigen.

Die Kraft schöpft er aus seiner Familie

Die Liebe zur Heimat ist bei dem 52 Jahre alten Alexander Schweitzer tief verankert und Teil seiner politischen Botschaft. Das Motto „Aus Liebe zum Land“ hat seine SPD für ihn tausendfach plakatiert. Das Vier-Millionen-Einwohner-Land in eine „rheinland-pfälzische Zukunft“ zu führen, das hat er versprochen, was immer das bedeuten mag. „Ich bin bodenständig“, sagt Alexander Schweitzer. Seine Kraft schöpfe er aus der Familie, bekannte der gläubige Katholik und Vater von drei Kindern in einem Gespräch mit der „Zeit“: „Wenn ich bei mir zu Hause zur Tür reinkomme, dann bin ich ja nicht Ministerpräsident. Dann bin ich der Papa oder der Mann meiner Frau oder für unsere Hündin Mimi da. Da bin ich dann komplett entspannt.“

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Schweitzer wohnt in Bad Bergzabern im Landkreis Südliche Weinstraße nahe Billigheim-Ingenheim, wo er aufgewachsen ist. Dass er halt „Pfälzer“ sei und damit in der Pfalz auch punkten könne, das haben regionale Medien extra herausgestrichen. Das Bundesland Rheinland-Pfalz war bei seiner Gründung 1946 von den Alliierten zusammengewürfelt worden, aus der bis 1945 zu Bayern gehörenden Rheinpfalz, der zu Hessen gehörenden Provinz Rheinhessen und einst zu Preußen gehörenden Gebieten wie den Regierungsbezirken Koblenz, Trier und Montabaur. Als CSU-Chef Markus Söder bei einem Wahlkampfauftritt ironisch bemerkte, der Pfalz stünde „egal wann“ eine Rückkehr nach Bayern offen, da fand der Pfälzer Schweitzer das gar nicht witzig.

Mit 16 Jahren war Alexander Schweitzer bei den Jusos eingetreten, 2006 zog er in den Landtag in Mainz ein, drei Jahre später ist er – gefördert von Kurt Beck – Staatssekretär im Wirtschaftsministerium geworden. Zeitweilig war er Arbeits- und Sozialminister im Kabinett von Malu Dreyer. Als Dreyer in der sogenannten Nürburg-Ring-Affäre – die das Land Millionen von Steuergeldern kostete – unter Druck geriet, verteidigte er sie heftig. In seinem Wahlkreis gilt Schweitzer als Stimmenkönig, holte das Direktmandat bei der letzten Landtagswahl mit 41,3 Prozent. Man wird gespannt sein dürfen, ob er nach der rheinland-pfälzischen Landtagswahl am Sonntag weiterhin als „Kapitän“ an Bord bleiben wird.