Für gesetzlich Versicherte ist es seit Jahren genauso selbstverständlich, auf einen Termin beim Facharzt zu warten, wie jeden Monat Krankenkassenbeiträge zu zahlen. Dass sich beide – die Wartezeiten und die Kassenbeiträge – jedoch stetig verlängern beziehungsweise erhöhen, trifft nun einmal mehr wieder auf ein breites Unverständnis. Am Mittwoch berichtete zuerst die „Rheinische Post“ über eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken, der zufolge die Wartezeit für Patienten in Facharztpraxen im Jahr 2024 im Schnitt 42 Tage betrug. Im Jahr 2019 waren es noch 33 Tage gewesen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Rund 90 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind gesetzlich krankenversichert, das sind gut 74 Millionen Menschen. Der Trend für sie setzt sich seit Jahren fort. Zuletzt erhöhten viele Kassen Anfang des Jahres ihre Zusatzbeiträge um 0,2 bis 1,0 Prozentpunkte. Die Leistungen blieben meist dieselben.
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GKV-Spitzenverband: Koordination der Patientenversorgung muss verbessert werden
Dass sich die Wartezeiten für Facharzttermine nun auch noch erhöhen, kritisiert der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband). Dieser teilte auf Anfrage mit, dass er Reformen in der Primärversorgung fordere, „um eine bedarfsgerechte Versorgung innerhalb des Gesundheitssystems sicherzustellen“. Die Koordination der Patientenversorgung müsse verbessert werden, „etwa durch eine standardisierte digitale Ersteinschätzung“, hieß es in einer Mitteilung. Darüber hinaus müsse „der Zugang zur medizinischen Versorgung stärker gesteuert und medizinisch nicht erforderliche Praxiskontakte reduziert werden“, so der GKV-Spitzenverband.
„Wir weisen bereits seit Jahren auf diesen misslichen Zustand hin, dass GKV-Versicherte zu lange auf insbesondere Facharzttermine warten“, hieß es weiter. „Von der Politik gut gemeinte gesetzliche Regelungen wie die Neupatienten-Regelung, Überweisungen mit Dringlichkeit, offene fachärztliche Sprechstunden oder Hausarztvermittlungsfälle führen nachweislich leider nicht zu einer verbesserten Versorgung, sondern kosten die Beitragszahlenden der GKV sehr viel Geld.“
Gesundheitsministerin Warken: Patienten sollen künftig erst zum Hausarzt
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte Ende Januar angekündigt, Patientinnen und Patienten künftig erst zum Hausarzt zu schicken, bevor sie einen Facharzttermin erhalten. Die Ressourcen seien begrenzt, und so könne man lange Wartezeiten reduzieren. Am Mittwoch versprach Warken dem folgend dann auch Verbesserungen. Versicherte sollten künftig schnellere Termine bei tatsächlichem Bedarf erhalten: „Wenn ein schneller Termin medizinisch notwendig ist, so soll er auch gewährt werden“, sagte Warken in Berlin. „Wartezeiten auf einen Facharzttermin sind für zu viele Versicherte ein Problem.“

Die Union und die SPD hatten sich schon im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, ein sogenanntes Primärarztsystem einzurichten. Demnach sollen Fachärzte erst konsultiert werden können, nachdem sie für eine erste Untersuchung beim Hausarzt gewesen sind. Hausärzte befürchten, dass sie dem zu erwartenden Mehraufwand durch die höhere Zahl der Patienten nicht gewachsen sein könnten.
Die Kosten für medizinische Leistungen steigen für alle Patientinnen und Patienten seit Jahren. Deshalb hatte es zuletzt auch für eine Mehrheit der privat Versicherten eine Erhöhung der Beiträge gegeben. Die gesetzlich Versicherten wurden zudem verunsichert von einem Vorschlag des CDU-Wirtschaftsrats, dem zufolge sie ihre Zahnarztrechnung künftig aus eigener Tasche zahlen sollten. CDU-Generalsekretar Carsten Linnemann sowie auch CDU-Gesundheitsministerin Warken erteilten dem Vorhaben jedoch eine eindeutige Absage.






