Nach der gezielten Festsetzung mehrerer sanktionierter Schiffe haben die USA einen fünften Tanker in ihre Gewalt gebracht. Die Blockade gegen Schiffe mit Verbindungen zu Russland oder Venezuela wird weiter verstärkt. Der Kreml kritisiert dieses US-Vorgehen scharf.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Am frühen Freitagmorgen hat die US-Küstenwache in karibischen Gewässern erneut zugeschlagen. Der Öltanker „Olina“, vormals „Minerva M“, wurde beschlagnahmt, wie US-Beamte mitteilten. Das unter osttimorischer Flagge fahrende Schiff stand im Verdacht, sanktioniertes russisches Öl zu transportieren und die Blockade der USA gegen Venezuela zu umgehen.

Auch interessant

Demnach setzen die USA weiterhin militärisch verstärkte Maßnahmen im Kampf gegen Russlands sogenannte Schattenflotte um. Dabei handelt es sich um eine Gruppe von rund 1000 Schiffen, die durch Täuschungsmanöver und fragwürdige Registrierungen Sanktionen unterlaufen sollen.

Erhöhte Spannungen zwischen den USA und Russland

Der neuerliche Zugriff auf „Olina“ erfolgte, nachdem das US-Militär bereits innerhalb der letzten Wochen mehrere andere Schiffe nahe der Küste Venezuelas unter seine Kontrolle gebracht hatte. Ein Schritt, der die Spannungen zwischen Moskau und Washington weiter anheizt.

Auch interessant

Laut Berichten der Nachrichtenagentur Reuters und Aussagen von US-Beamten war „Olina“ zuletzt unter osttimorischer Flagge unterwegs, obwohl keine ordnungsgemäße Registrierung vorlag. Nach Erkenntnissen von Marine Traffic befand sich das Schiff zuletzt Mitte November nahe der venezolanischen Küste.

Druck auf Venezuela durch gezielte Blockaden

Die Beschlagnahmungsaktionen sind Teil einer Strategie der Trump-Regierung, um Venezuelas Übergangsregierung unter Druck zu setzen. Die Schattenflotte spielt dabei eine zentrale Rolle: Laut US-Beamten werden über sanktionierte Schiffe fast 70 Prozent der venezolanischen Ölexporte abgewickelt. Das zeige, wie entscheidend Täuschungsmanöver und Schiffsumbenennungen sind, um trotz der US-Sanktionen internationale Geschäfte zu ermöglichen.

Mehr zum US-Angriff auf Venezuela

„Die Blockade Venezuelas ist der Grund, warum wir glauben, die größtmöglichen Druckmittel zu haben“, erklärte US-Außenminister Marco Rubio.

Top Trump Administration Officials Hold Briefings On Actions In Venezuela For Senators And House Lawmakers
Marco Antonio Rubio (M.) ist US-Außenminister im Kabinett Trump II und spielt eine zentrale Rolle in der Venezuela-Blockade.© Getty Images via AFP | Chip Somodevilla

Starke militärische Präsenz in der Karibik

Um die Durchsetzung der Blockade sicherzustellen, hält die US-Marine eine erhöhte militärische Präsenz in der Nähe Südamerikas. Der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford sowie mehrere Kriegsschiffe ergänzen die Operationen der Küstenwache. In dieser Woche veröffentlichte das Pentagon Bilder von Marine- und Küstenwachenteams, die sich mit einem MH-60S Seahawk-Hubschrauber auf Festnahmeeinsätze vorbereiteten.

Das US-Justizministerium hat zudem zusätzliche Ressourcen bereitgestellt, um Tempo und Umfang der Operationen zu steigern. Es ist davon auszugehen, dass die USA weitere Beschlagnahmungen im Visier haben.

NATO holds military exercises with focus on Baltic
Viele lateinamerikanische Regierungen werteten die Stationierung der USS Gerald R. Ford als klare Drohgebärde gegenüber Venezuela.© AFP | JONATHAN KLEIN

Moskau zeigte sich über die Vorgänge besorgt und forderte eine humane Behandlung der auf den Schiffen festgesetzten russischen Seeleute sowie deren rasche Heimkehr. Auch das russische Verkehrsministerium kritisierte die Verstärkung der Blockade und verwies auf die UN-Seerechts-Konvention, die eine freie Fahrt in internationalen Gewässern sicherstellen soll.

Demnach habe kein Staat das Recht, in internationalen Gewässern die freie Fahrt ordnungsgemäß registrierter Schiffe zu behindern.

jle/ra mit dpa/afp