Es ist zumindest nicht eskaliert, so viel kann man sagen. Vielleicht war es sogar eine freundliche Begegnung zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Florida. Doch aus ukrainischer Sicht kam dabei nicht mehr als eine Schadensbegrenzung heraus. Substanziell brachte das Gespräch Kiew kaum voran. In den zentralen Streitfragen bleibt alles beim Alten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Für Selenskyj ist das unter den aktuellen Umständen bereits ein Teilerfolg. Denn die Beziehungen zur US-Administration unter Trump gelten seit Monaten als fragil. Nach dem Eklat im Oval Office Ende Februar hatten die USA ihre Militärlieferungen an die Ukraine zeitweise ausgesetzt. Spätestens seitdem ist in Kiew klar: Washington ist vorerst kein verlässlicher strategischer Partner mehr, sondern ein schwieriger Verhandlungspartner, dessen Unterstützung jederzeit unter Vorbehalt steht.
Aktuelle News zum Ukraine-Krieg
Trump irritiert Ukrainer mit Aussagen zu Russland und Wiederaufbau
Entsprechend niedrig sind die Erwartungen an Treffen wie jenes in Florida. Dass die gemeinsame Pressekonferenz diesmal ohne offene Konfrontation verlief, änderte wenig an der Skepsis vieler Ukrainer gegenüber Trump. Zu weltfremd wirkten einige seiner Aussagen – etwa die Behauptung, Russland sei eigentlich am Erfolg der Ukraine interessiert und wolle das Land beim Wiederaufbau unterstützen.
In einem Land, das fast vier Jahre Krieg hinter sich hat und derzeit unter massiven Stromausfällen leidet, sorgt so etwas allenfalls für Kopfschütteln. Selenskyj war die Anspannung anzumerken, auch wenn er sichtbar bemüht war, die Fassung zu wahren. Gerade dafür erhielt er später Lob, teils sogar von politischen Gegnern.

Kaum Fortschritt bei Gesprächen über Donbass und AKW Saporischschja
Inhaltlich unterschieden sich die Gespräche in Mar-a-Lago kaum von früheren Runden in Genf, ebenfalls in Florida oder in Berlin – damals ohne direkte Beteiligung des Präsidenten. Seit Langem heißt es in Kiew, dass zwischen der Ukraine und den USA 90 bis 95 Prozent der Fragen geklärt seien. Entscheidend seien jedoch die verbleibenden Punkte. Und bei ihnen kommt es letztlich nicht auf Washington an, sondern auf Moskau.
Das zeigte sich auch diesmal. Bei den kaum lösbaren Kernfragen – der von Russland geforderten Räumung des gesamten Donbass durch ukrainische Truppen oder dem Status des besetzten Atomkraftwerks Saporischschja – gab es trotz optimistischer öffentlicher Rhetorik keinen Fortschritt. Aus ukrainischer Sicht ist das wenig überraschend. Selbst wenn Kiew und Washington sich auf ein Modell für das AKW einigen könnten, bleibt unklar, warum Russland an einer gemeinsamen Nutzung des okkupierten Kraftwerks interessiert sein sollte – zumal an einer Konstruktion, an der die USA beteiligt wären.
Verhandlungsdruck: USA könnten Militärhilfe an Zugeständnisse knüpfen
Ähnlich unrealistisch erscheint für Kiew ein Rückzug aus Städten wie Kramatorsk oder Slowjansk. Militärisch und humanitär wäre er kaum zu verantworten. Politisch käme er einem Einlenken auf ein russisches Ultimatum gleich. Weitere Forderungen wären dabei absehbar. Zumal Moskau die teilweise besetzten Regionen Cherson und Saporischschja ebenso wie Donezk und Luhansk seit Herbst 2022 in seine Verfassung aufgenommen hat.
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Die eigentliche Gefahr früherer Verhandlungsrunden bestand darin, dass die USA Kiew wegen solcher Punkte massiv unter Druck setzen könnten – mit der Drohung, Militärhilfe erneut einzustellen, oder mit der Verknüpfung von Sicherheitsgarantien an territoriale Zugeständnisse. In Florida räumten Trump und Selenskyj offen ein, dass es in diesen Fragen weiterhin keine Einigkeit gibt. Auffällig war jedoch, dass diesmal der Vorwurf ausblieb, die Ukraine verhalte sich durch ihre Ablehnung „nicht konstruktiv“ – ein Ton, der in diesem Jahr aus dem Trump-Lager häufiger zu hören war.
So bleibt aus ukrainischer Sicht vor allem ein nüchternes Fazit: Keine schlechten Nachrichten sind gute Nachrichten. Mehr war unter den aktuellen Umständen kaum zu erwarten. Dass Trump und Selenskyj öffentlich von einer Einigung über Sicherheitsgarantien sprachen, ließe sich sogar als Erfolg werten – wenn es Klarheit darüber gäbe, was diese Garantien konkret bedeuten sollen und welche Rolle Europa dabei tatsächlich übernimmt. Dass das diplomatische Jahr 2025 im Verhältnis zu den USA ohne neue Katastrophe endete, kann Selenskyj jedenfalls als Erfolg verbuchen.









