Überlastete Notaufnahmen, Luftverschmutzung, Lärm, verängstigte Tiere: Es gibt viele Gründe, auf Silvesterböller zu verzichten. Doch was ist, wenn es die Nachbarschaft übertreibt? Die Insel Amrum bietet seit 40 Jahren Anwohnern und Besuchern eine ruhige Nacht – mit einem Böllerverbot auf der ganzen Insel. Ähnlich ist es auf der Insel Föhr geplant. Doch damit ist Schluss: Nur wenige Wochen vor Silvester hat das Oberverwaltungsgericht Schleswig die Böllerverbote auf Amrum und Sylt gekippt und einem Eilantrag eines Herstellers stattgegeben, das Verbot bis zur Hauptverhandlung im nächsten Jahr auszusetzen.

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Für die Grünen-Bundestagsfraktion ist das gekippte Böllerverbot auf Amrum, das jedes Jahr zu Silvester viele Besucher anzog, ein „Unding“: Städten und Gemeinden werde damit verboten, ein Silvesterfest ohne Lärm, Luftverschmutzung und Verletzte zu ermöglichen, sagten die beiden stellvertretenden Fraktionschefs Konstantin von Notz und Julia Verlinden unserer Redaktion. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) müsse unverzüglich Rechtssicherheit schaffen und die dazu notwendige Änderung der Sprengstoffverordnung vornehmen. Amrum und Föhr könnten am besten selbst entscheiden, welche Silvesterbräuche in ihre Heimat passen und welche nicht. „Den Wünschen der Menschen vor Ort darf sich der Minister nicht entgegenstellen.“

Will weniger Böllerei: der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz.
Will weniger Böllerei: der Grünen-Abgeordnete Konstantin von Notz.© dpa | Kay Nietfeld

Auch gefährliche Feuerwerksarten und Schreckschusswaffen dürften nicht weiter frei verkäuflich sein. „Wenn diese Maßnahmen nicht greifen, dürfen auch bundesweite Verkaufsverbote kein Tabu mehr sein“, heißt es weiter von der Fraktion. Gleichzeitig müsse die Verbreitung von illegalen Feuerwerkskörpern entschiedener bekämpft werden. „Wir wollen ein Silvester, bei dem die Feierlaune und Freude mit der Sicherheit der Menschen und dem Schutz von Tieren und Umwelt im Einklang stehen.“

Böllerverbot: Mehr als 700.000 Menschen fordern bundesweites Verbot

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Auch aus der Bevölkerung wächst der Druck auf den Innenminister. So haben laut Deutscher Umwelthilfe mehr als 700.000 Menschen eine Petition unterzeichnet, in der Alexander Dobrindt dazu aufgefordert wird, bundesweit ein entsprechendes Verbot zu erlassen. „Jedes Jahr sterben durch Silvesterfeuerwerk Menschen, Tausende werden verletzt“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, der Nachrichtenagentur KNA. An keinem Tag sei die Luft schlechter, Tiere gerieten in Panik und „Rettungskräfte arbeiten am Limit“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Für die Petition haben sich knapp 60 Organisationen zusammengeschlossen – unter dem Hashtag „böllerciao“. Neben der Deutschen Umwelthilfe gehören dazu auch die Gewerkschaft der Polizei, das deutsche Kinderhilfswerk, die Bundesärztekammer sowie Tierschutzorganisationen.

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Das Beste aus dem ersten Jahr
Meine schwerste Entscheidung
 

Laut Sprengschutzgesetz ist das generelle Böllerverbot am 31. Dezember und am 1. Januar ausgesetzt. Jedoch gibt es auch zum Jahreswechsel rund um Krankenhäuser, Kirchen, Kinder- und Altenheime Sperrzonen. Kommunen können außerdem zusätzliche Verbotszonen einrichten. Wer gegen das Sprengstoffgesetz verstößt, muss laut Bußgeldkatalog je nach Bundesland mit teils hohen Geld- und Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren rechnen, vor allem wenn illegale Sprengkörper (Polenböller) verwendet werden.