Natürlich diskutieren auch die Menschen in Russland über den Krieg. Kontrovers und aus unterschiedlichen Positionen. Sie tun dies zu Hause, im Freundeskreis. Aber selten in der Öffentlichkeit und in sozialen Medien – und nur Kriegsbefürworter reden offen mit einem westlichen Korrespondenten. Die Angst ist groß, die Verbreitung sogenannter „Fake News“ über die russische Armee ist ein Straftatbestand. Groß scheint allerdings auch die Kriegsmüdigkeit innerhalb der russischen Bevölkerung zu sein, der Wunsch nach Rückkehr zur Normalität.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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„Was die Russen erleben, ist mit dem, was die Ukrainer erleben, in keiner Weise vergleichbar“, sagt Elena Konewa, die Geschäftsführerin des russischen Marktforschungsunternehmens ‚KOMKON‘ laut der Plattform ‚currenttime.tv‘. Doch ukrainische Drohnenangriffe gehören in Russland zum Alltag, auch wenn die meisten Drohnen abgewehrt werden.
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Auch hier sterben Menschen, doch für die meisten sind die Folgen der Drohnenangriffe nur lästig: Immer wieder werden Flughäfen gesperrt, fällt das mobile Internet aus. Drohnen navigieren mit SIM-Karten, deshalb müssen Smartphones bei der Einreise nach Russland neuerdings mühsam per Hand aktiviert werden. Menschen können das, Drohnen nicht.
Ukraine-Krieg: 60 Prozent der Russen leiden unter Depressionen
„Alle Studien zeigen, dass rund 60 Prozent der Russen unter Depressionen oder Angstzuständen leiden. Und diese Zahl wird mit Sicherheit steigen“, erläutert Elena Konewa Untersuchungen ihres Instituts. Ins gleiche Horn stößt auch eine Untersuchung von Soziologen der ‚Russischen Akademie der Wissenschaften‘, zitiert auf dem Portal ng.ru. Entsprechend dieser Untersuchung sind lediglich neun Prozent der Russen nicht besorgt über die Probleme, die mit dem Krieg in der Ukraine einhergehen. 62 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich „sehr stark“ Sorgen um das Thema machen.
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In Russland läuft es in die falsche Richtung, sagen vor allem Frauen und junge Russen
Wie aber soll es weitergehen? Drei Viertel der Bevölkerung unterstützen nach wie vor die Armee, zu diesem Schluss kommt eine Umfrage des renommierten Meinungsforschungsinstituts Lewada vom vergangenen Juli. Vor allem die Männer und die Älteren glauben, in Russland gehe es insgesamt in die richtige Richtung. Rund die Hälfte der Frauen allerdings und 67 Prozent der Menschen unter 24 Jahren denken, alles entwickle sich in die falsche Richtung. Insgesamt sind zwei Drittel der Menschen in Russland der Ansicht, dass Friedensverhandlungen aufgenommen werden sollten, so die Untersuchung.
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Klar ist: Von den ursprünglichen Kriegszielen wird Russland allenfalls in Details abweichen. Die Forderungen nach einer Verkleinerung der ukrainischen Armee, nach einem Ende der Nato-Pläne des Nachbarlandes und – vor allem – nach einer Eingliederung der besetzten Gebiete scheinen nicht verhandelbar.

Ein Rückzug aus dem Donbass sei für den der Kreml nicht denkbar, konstatiert der russische Ex-Diplomat und Politikexperte Alexander Baunow vom ‚Carnegie Russia Eurasia Center‘: „Der russische Präsident Wladimir Putin vermittele, „dass er der Ukraine und dem Westen eine Wahl anbietet: nicht zwischen verschiedenen Friedensversionen, sondern zwischen dem Erreichen der Kriegsziele allein durch militärische Gewalt oder durch die Ergänzung dieser militärischen Gewalt durch Verhandlungen, was zu weniger Todesopfern führen würde“.










