Der Wehrdienst kommt zurück. Noch auf freiwilliger Basis, doch auch bei dieser Freiwilligkeit gibt es einen gewissen Zwang. Denn laut der geplanten Gesetzesänderung führt die Aufstockung der Bundeswehrtruppen über die verpflichtende Musterung. Alle ab 2008 geborenen Männer sollen auf ihre Diensttauglichkeit überprüft werden. Dazu gehört auch eine medizinische Untersuchung, bei der weiterhin die Hoden der potenziellen Soldaten abgetastet werden.

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Hodenabtasten bei der Bundeswehr: Kommt der „Eierkontrollgriff“ bei der Musterung zurück?

Was vielen älteren Männern heute wie eine nebulöse Erinnerung aus längst vergangenen Zeiten erscheint, soll für eine neue Generation wieder zur Realität werden. Eine unverletzte Leistengegend ist Pflicht für den Wehrdienst. Das schließt auch das Abtasten nach Leistenbrüchen und einer Fehlanlage der Hoden mit ein. Eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums bestätigte dem „Spiegel“, dass es weiterhin zu Hodenuntersuchungen kommen solle.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Doch könnte sich eines ändern: Männer könnten die Möglichkeit bekommen, den umgangsprachlichen „Eierkontrollgriff“ bei einem zivilen Facharzt durchführen zu lassen. Was weiterhin bestehen bleibt, ist die unterschiedliche Behandlung bei der Musterung von Frauen. „Bei weiblichen Personen werden keine Untersuchungen der Genitalregion durchgeführt, und auch die weibliche Brust wird grundsätzlich nicht untersucht“, sagte die Ministeriumssprecherin dem „Spiegel“.

Nicht nur medizinisches Umstritten: Welchen Nutzung bringt das Hodenabtasten?

Immerhin: Die Untersuchung könnte die Gesundheit junger Männer schützen, egal ob sie zur Bundeswehr gehen oder nicht. Das Abtasten könnte etwa Hodenkrebs entdecken. Eine Krankheit, von der junge Männer betroffen sein können. Doch laut dem aktuellsten Leitlinienprogramm Onkologie wird ein allgemeines Screening nicht mehr empfohlen, da es keine Studien gibt, die den Nutzen durch eine Untersuchung – sei es per Ultraschall oder Abtasten – ausreichend belegen.

Bei den 20- bis 44-jährigen Männern sind Keimzellentumore (KZT) des Hoden laut Punkt 4.1. des Leitlinienprogramms zwar mit einem Anteil von etwa 25 Prozent die häufigsten bösartigen Tumorerkrankungen. Doch direkt danach (bei 4.2. des Programms) heißt es, die medizinische Statistik von KZT in Deutschland liege aktuell bei 10 von 10.000. Also ein sehr niedriger Anteil. Zudem gehörten KZT zu den Krebserkrankungen, die die höchste Überlebenswahrscheinlichkeit hätten.

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Wehrdienst: Alles auf Los
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Bereits 2009 stellte Monika Lazar (Grüne) im Bundestag eine Anfrage zu dem Thema im Bundestag. „Notwendigkeit einer Intimuntersuchung bei der Musterung zum Wehrdienst“ war der Titel des damaligen Schriftstückes. Auch die Linke bemängelte damals, dass es Unterschiede bei den Untersuchungen zwischen Männern und Frauen gebe.

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Der damalige Parlamentarische Staatssekretär des Bundesverteidigungsministeriums verwies auf den erwiesenen Nutzen zur „Aufdeckung von ansonsten in diesem Stadium nicht erkannten Hodentumoren“ und die zu jener Zeit geltenden Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Urologie, berichtet der „Spiegel“ weiter. Daran hält man wohl fest.

Und so werden höchstwahrscheinlich weiterhin alle vorgeladenen jungen Männer vor einem Arzt oder einer Ärztin der Bundeswehr die Hosen herunterlassen müssen. Dazu werden sie gewogen, der Blutdruck wird gemessen und auch eine Urinprobe wird untersucht, um einen etwaigen Drogenkonsum zu kontrollieren.