Mehr als 13 Jahre lang regierte Nicolás Maduro Venezuela als Staatspräsident mit eiserner Hand. Doch das ist vorbei: Im Rahmen einer laut US-Präsident Donald Trump „brillanten Operation“, die wohl mehrere Todesopfer forderte, wurde der Diktator von den US-Streitkräften verhaftet und außer Landes gebracht. Schon in den vergangenen Wochen hatte sich der Konflikt zwischen den USA und Venezuela, oder eher der zwischen Trump und Maduro, immer weiter zugespitzt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Mehrfach ließ Trump angebliche Drogenboote vor der Küste des südamerikanischen Landes angreifen und versenken, über 100 Menschen wurden dabei getötet. Zudem setzten die USA ein Kopfgeld in Höhe von 50 Millionen US-Dollar auf Maduro aus. Doch warum kämpft Donald Trump so unerbittlich gegen den Machthaber eines vergleichsweise kleinen und unwichtigen Landes? Wie wurde Maduro zum Staatsfeind Nummer eins?

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Venezuelas Ex-Diktator: Maduros Weg an die Macht

Der Tag, der Maduros Weg an die Spitze Venezuelas besiegelte, war der 8. Dezember 2012. Hugo Chávez, damals noch Präsident des südamerikanischen Landes, schaltet damals einmal mehr eine der landesweiten Radio- und Fernsehansprachen, mit denen er sich immer an die Bevölkerung wendet. An dem Tag verkündet er Entscheidendes: die Rückkehr seiner Krebserkrankung. 

Neben ihm sitzt ein großer, schüchtern wirkender Mann mit dunklen Haaren und Schnauzbart: Außenminister und Vize-Präsident Nicolás Maduro. Damals kennt diesen Mann kaum jemand in Venezuela. Chávez hat ihn jahrelang in seinem Schatten großgezogen. Maduros wichtigste Eigenschaft: strenge Loyalität.

Der 2013 gestorbene venezolanische Präsident Hugo Chávez.
Der 2013 gestorbene venezolanische Präsident Hugo Chávez.© imago stock&people | imago stock&people

Venezuela: Kranker Chávez pries Maduro als Nachfolger an

Chávez benennt mit dem damals gerade 50-Jährigen seinen hypothetischen Nachfolger, falls er die neuerlich notwendigen Behandlungen in Kuba nicht überleben sollte. „Meine feste, uneingeschränkte, unwiderrufliche, absolute Überzeugung ist“, wendet er sich an die Venezolanerinnen und Venezolaner, „dass Sie in diesem Fall Nicolás Maduro zum Präsidenten der Bolivarischen Republik Venezuela wählen sollten.“ 

Maduro, der aus einer politischen Mittelklassefamilie in Caracas stammt und auf einer kubanischen Parteischule war, sei „ein durch und durch revolutionärer Mann, trotz seiner Jugend sehr erfahren, mit großer Hingabe an seine Arbeit, einer großen Fähigkeit, Gruppen zu führen und mit den schwierigsten Situationen umzugehen“, beschreibt ihn Chávez an diesem Dezembertag. Niemand ahnte seinerzeit, wie exakt diese Charakterisierung auf Maduro zutrifft, der tatsächlich am 14. April 2013 zum Präsidenten gewählt wird und dieses Amt bis zu seinem Sturz auch mit Gewalt gegen alle Widerstände verteidigt hat. 

Nicolás Maduro errichtete eine dysfunktionale Autokratie

Hugo Chávez lebte nach dem Fernsehauftritt keine drei Monate mehr. Und Maduro wurde so schneller als gedacht in die Nachfolgerrolle gedrängt. Dabei hat er weder das Charisma seines Vorgängers, noch ist er ein politischer Visionär. Zu Beginn seiner Zeit nannte er sich „Sohn“ und „Jünger“ des Verstorbenen und behauptete immer, Chávez sei ihm als „Vögelchen“ erschienen und habe ihm eingeflüstert. Dennoch: Anfangs beging Maduro Fehler, verhaspelte sich, kannte staatseigene Betriebe nicht. 

Nachdem er seinen eigenen Weg fand, hat er aus dem „Sozialismus des 21. Jahrhundert“ eine dysfunktionale Autokratie gemacht, die diktatorische Züge trägt. Er hat das einst wirtschaftlich starke Venezuela in den Ruin getrieben. Die Ölproduktion, das ökonomische Rückgrat des Landes, ist unter Missmanagement und Sanktionen gebrochen. Als Maduro übernahm, förderte Venezuela noch drei Millionen Fass Öl am Tag, heute ist es gerade noch ein Drittel. 

Nicolás Maduro auf einem Bild aus dem Jahr 2022.
Nicolás Maduro auf einem Bild aus dem Jahr 2022.© AFP | FEDERICO PARRA

Venezuela: Maduro überstand lange alle Proteste und Umsturzversuche

Vielleicht ahnte Mentor Chávez, dass die größte Begabung seines Zöglings darin liegt, alle Stürme abzuwettern. Maduro hat in den fast 13 Jahren an der Macht Umsturzversuche und Massenproteste überstanden, Wirtschaftssanktionen ausgesessen und mögliche Anschläge überlebt. 

Geholfen hat ihm dabei die einzige Ideologie, auf die Autokraten schwören: die maximale Anstrengung zum Machterhalt. Zudem kam Maduro entgegen, dass ihn seine Gegner immer unterschätzten. Lange wurde er als „ehemaliger Busfahrer“ belächelt, weil er tatsächlich nicht studierte und zeitweise als Busfahrer gearbeitet hat. Nach seiner Rückkehr aus Kuba führte er die Gewerkschaft der Buslinien von Caracas an und wurde 1998 ins Parlament gewählt – also in dem Jahr, als Chávez Präsident Venezuelas wurde. 

Venezuela erfährt militärische Unterstützung aus zwielichtigen Staaten

Beim Machterhalt half ihm bis zu seinem Sturz auch eine zerstrittene und weitgehend unfähige Opposition, in deren Reihen Figuren stehen, die es wie Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado mit den demokratischen Spielregeln selbst nicht so ernst nehmen. Angesichts dieses Panoramas haben bis heute mehr als acht Millionen Venezolanerinnen und Venezolaner schlicht das Weite gesucht und versucht, sich in Mexiko, Madrid und Miami oder in vielen Ländern Südamerikas eine neue Zukunft aufzubauen. Der Exodus kam Maduro ebenso entgegen wie die wirtschaftliche und militärische Unterstützung aus den Partnerstaaten China, Russland und Iran. Sie bauen im Hinterland der USA nur allzu gerne Stützpunkte auf. 

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Bei der verbliebenen Bevölkerung daheim waren Maduro und seine Regierung unbeliebt – seinen Sturz feierten manche ausgelassen auf den Straßen. Zuvor kontrollieren der Diktator und seine Helfer Land und Leute engmaschig. Die Zensurgrenzen wurden immer enger. Die offizielle Darstellung prägte alle Bereiche des öffentlichen Lebens, und der Geheimdienst war omnipräsent. Wie es nun weitergeht, ist aktuell noch unklar.

Venezuela: Trump schickte riesige Kriegsschiffe

Lange waren zudem die Streitkräfte Maduros größter Rückhalt. Diese hat er über die Jahre radikal gesäubert und auf Linie gebracht. Laut der Nichtregierungsorganisation „Foro Penal“ befinden sich unter den 875 politischen Gefangenen in Venezuela 173 Militärangehörige. Und die verbliebenen hohen und mittleren Offiziere partizipierten an den legalen und illegalen Pfründen, die das System abwirft. Zuletzt dominierten die Streitkräfte fast alle Wirtschaftssektoren und hielten das chavistische Regime stabil. 

Doch bereits in den vergangenen Monaten wuchs der Druck auf Maduro, weil US-Staatschef Donald Trump ihn ins Visier nahm und immer deutlicher mit seiner Entmachtung drohte. Um die eigene Stärke zu unterstreichen, schickten die USA zudem riesige Kriegsschiffe in die Karibik. 

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US-Präsident macht Maduro für Drogentote in den USA verantwortlich

In seiner Besessenheit vom Thema Drogen macht Trump Maduro für die Zehntausenden Rauschgiftopfer in den USA verantwortlich. Er wirft ihm vor, Chef des „Sonnenkartell“ zu sein, eines parastaatlichen Drogenkartells, das nach den Sonnen als Rangabzeichen auf den Offiziersuniformen Venezuelas benannt ist. Beweise gibt es für diese Behauptungen keine. Und die Haupttodesursache bei den Rauschgiftabhängigen in den USA ist das synthetische Fentanyl, das aus Mexiko kommt – und nicht das Kokain, das überhaupt nur in kleinen Teilen über Venezuela geschmuggelt wird.

Der Vorwurf gegen Maduro ist also in weiten Teilen konstruiert. Wahrscheinlicher ist, dass Trump auf die Popularität hofft, die ihm ein Sturz Maduros daheim einbringen könnte. Aber vor allem: Der nun vollzogene Regimewechsel kann Washington Zugriff auf die begehrten riesigen Ölreserven des südamerikanischen Landes ermöglichen.