Liebe Leserin, lieber Leser,

in dieser Woche hat mich mein Job zurückkatapultiert in eine Zeit, in der wir uns als Gesellschaft noch alle richtig wohl fühlten. Es war Frieden in Europa, die Pandemie lag noch vor uns und die USA waren unser großer Freund, unser demokratisches Vorbild. Schließlich hatten die Amerikaner Barack Obama zum Präsidenten gewählt. Den großen Charismatiker, sicher auch Menschenfänger. Und mit ihm seine wunderbare Frau Michelle, die schnell die Titel diverser Zeitschriften zierte mit ihrem Stil, ihrer Haltung.

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Mit Michelle Obamas Coffee-Table-Book auf dem Sofa

Okay, okay, ich verfalle ein wenig in kitschige Nostalgie. Aber die Bilder in Michelle Obamas Coffee-Table-Book sind eine Einladung zum Schwelgen in vergangenen Zeiten. Eigentlich liegen sie erst eine gute Dekade zurück, das vergessen wir manchmal. Zu viel hat sich schließlich nicht nur in den USA geändert. Als mir nun ihr Verlag eine sogenannte Druckfahne noch vor Erscheinen ihres Buches „The Look“ schickte, verbrachte ich damit ein paar gemütliche Abende auf dem Sofa. Ich weiß nun, wer ihre Designer waren, welcher Haarstylist die Person war, mit der sie die meiste Zeit verbrachte, warum die Frisur ein politisches Statement einer schwarzen Frau ist und vor allem: wie sehr der Alltag von Michelle Obama von der Frage dominiert wurde: „Was ziehe ich an?“ Lesen Sie hier mehr dazu.

Buch "The Look" - Michelle Obama
Michelle Obama im Jahr 2017 im Weißen Hause. © The White House | CHUCK KENNEDY/The White House

Immer und überall gut auszusehen, ist das eine. Aber wie soll das gehen, wenn das Alter zunehmend die Stirn in Falten legt, sich in Gelenken absetzt, das Herz belastet, sich als Plaque im Gehirn und als Fett an Bauch und Hüfte ablagert? Genau dagegen hat sich jetzt ein Kampfbegriff als Trend festgesetzt: Longevity. Zu Deutsch: Langlebigkeit. Aber Achtung: Damit ist nicht nur die schlichte Verlängerung des Lebens gemeint.

Longevity: Darum geht es bei diesem Trend

Vor allem geht es um Lebensqualität. Wie schaffen wir es, bis ins hohe Alter gesund, aktiv und vital zu bleiben? Meine Kolleginnen und Kollegen aus dem Ressort „Leben“ haben ihr Wissen zum Thema zu einem Schwerpunkt ausgebaut. Etwa zusammen mit dem Ernährungsexperten Matthias Riedl, der erklärt, mit welchen simplen Ernährungsregeln sich Demenz aufhalten lässt. Ein anderer Mediziner, Felix Bertram, war geschockt, als er erfuhr, dass sein biologisches Alter bei 74 Jahren liegt; dabei war er erst 49. Inzwischen ist er fit wie nie – und dafür hat er vier Regeln befolgt.

Birgitta Stauber-Klein Newsletter Bild
Birgitta Stauber, Textchefin © Montage | FMG/Reto Klar/FFS

Was ich schon mal verraten kann: Alkoholverzicht gehört dazu, das ist ohnehin zum Mantra einer gesunden Ernährung geworden. Was es mit der Schlafqualität (auch entscheidend für Longevity), Gewicht, Fitness und mentalen Gesundheit macht, dem Aperol Spritz, Grauburgunder, Weißbier oder Verdauungsschnaps komplett zu entsagen, darüber gibt es inzwischen ziemlich viele Selbsterfahrungsreportagen. Etwa von meinem Kollegen Ferdinand Heimbach. Auch bei Influencern ist das Thema beliebt.

Hendrik Streeck / Drogenbeauftragter
Hendrik Streeck (CDU) ist Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Der Trend zum Verzicht ist das eine, doch die Gewohnheit macht wohl ziemlich oft einen Strich durch die Rechnung. Tatsache ist: Die Deutschen sind immer noch eine Trinkernation. Alkohol gehört zum Essen, zur Party, zur Familienfeier, zum Empfang. Oder einfach auch zum entspannten Feierabend. Dabei solle jeder halbwegs informierte Mensch inzwischen wissen, dass Alkohol ein Zellgift ist. Doch die Gewohnheit ist stärker als die Vernunft. Hendrik Streeck, Drogenbeauftragter der Bundesregierung, bringt es auf den Punkt: „Alkohol ist Teil unserer Kultur“, sagte er im Interview, das Theresa Martus und Dominik Bath mit ihm führten. Den Virologen treibt aber auch die Kokainschwemme sowie die Folgen der Cannabis-Legalisierung um.

Alkohol ist Teil unserer Kultur. Doch es ändert sich etwas

Dass Alkohol Teil unserer Kultur sei: Darüber haben wir auch in der Redaktionskonferenz diskutiert. Vor allem die älteren Kollegen erinnerten sich an Zeiten, als nicht trinkende Frauen gefragt wurden, ob sie schwanger seien. Und männlichen Abstinenzlern wurde unterstellt, trockener Alkoholiker zu sein. Das hat sich inzwischen geändert, kommentiert mein Kollege Jan Dörner. Heutzutage müsse sich niemand rechtfertigen, der beim Anstoßen auf den Geburtstag beim Wasser bleibt, einfach weil er keine Lust hat auf schlechten Schlaf und dicken Kopf. Eine Entwicklung, die sicher auch mit Aufklärung über die Gefahren sowie dem Streben nach Gesundheit und Fitness zu tun hat.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

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Noch mal zurück zum Glamour-Paar Michelle und Barack Obama: In New York steigt gerade wieder ein multikultureller Star mit seiner Frau auf: Es sind Zohran Mamdani und Rama Duwaji. Die New Yorker Bürgerinnen und Bürger haben den demokratischen Sozialist mit Wurzeln in Uganda gerade zum Bürgermeister gewählt. Rama Duwaji, seine junge Frau, ist Künstlerin.

Zohran Mamdani und seine Frau auf dem Weg zur Wahl in New York
Zohran Mamdani und seine Frau Rama Sawaf Duwaji im Wahllokal. © action press | Anthony Behar

Die beiden verzaubern gerade viele Menschen. Kein Wunder, dass der Name Mamdani in den Sozialen Medien trendet. Hinzu kommt die Agenda des gewählten Bürgermeisters, die in einer der teuersten Städte der Welt gedeckelte Mieten, kostenlose Busse und staatliche Supermärkte verspricht. Und sollten Sie New York auf Ihrer Reiseliste haben, schauen Sie doch mal, welche kleinen familiengeführten Restaurants er empfiehlt. Auch damit macht Mamdani Schlagzeilen.

Wie lange sich Glamour und Feierlaune halten, wenn die politische Realität aufschlägt? Und wie sehr ihm die Kritik an der israelischen Kriegsführung in Gaza auf die Füße fällt? Werden wir sehen. Ich verbuche es mal als gute Nachricht, dass jenseits von Trump und MAGA doch noch etwas möglich ist in den USA.

Es ist wohl kein Zufall, dass Glamour, Gesundheit und gesellschaftlicher Wandel in dieser Woche so eng beieinander liegen. Sie erzählen alle vom gleichen Wunsch: gut zu leben – mit Stil, Bewusstsein und einem offenen Blick nach vorn. Und vielleicht ist das, bei allem, was uns gerade beschäftigt, die beste Nachricht überhaupt.

Wie immer wünsche ich Ihnen einen erholsamen Sonntag,

Ihre Birgitta Stauber