Liebe Leserin, lieber Leser,

machen Sie mal den Versuch und fragen Mütter nach ihren Geburtserlebnissen. Abgesehen von der Frage, ob es Komplikationen gab oder gar dramatische Entwicklungen, hat sicher jede ihre Geschichte zu erzählen. Ich beschränke mich mal auf eine Anekdote: Tatsächlich hat eine Pflegerin nach der Geburt unserer Zwillinge versucht, meinem Mann die beiden Plazenten anzudrehen. Zwei schwere Plastiktüten hatte sie in der Hand. Falls wir Verwendung dafür hätten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

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Das war im Jahr 1999 in einem Landkrankenhaus, mitten in der Ortenau, eine Weingegend am Oberrhein, ca. 60 Kilometer von Freiburg entfernt. Dort lebten schon damals viele Menschen, die ich flapsig „die Öko-Fundis“ nenne. Und unter ihnen gab es junge Eltern, die heimlich Plazenta aßen. Inzwischen ist das ein offener Trend, verbreitet über die sozialen Medien. Und wer googelt, findet sofort Rezepte für die Plazenta-Pizza, die Plazenta-Spaghetti oder den Plazenta-Smoothie (1 Stück Plazenta, 1 Handvoll Beeren, Mangostücke…). Die KI erklärt, Plazenta gelte in bestimmten Kreisen als „Superfood“. Der Verzehr solle helfen, so der Mythos, Wochenbettdepressionen und Infektionen vorzubeugen.

Weltweit sterben täglich 700 durch Schwangerschaft und Geburt

Ich vertraue beim Thema Infektionen lieber der modernen Geburtsmedizin. Und Depressionen ließen sich sicher häufig vermeiden, wenn der Umgang mit Gebärenden nicht so oft traumatische Spuren hinterließe. Wie gesagt, jede Mutter hat so ihre Geschichte zu erzählen.

Diene Keita
Kämpft für die selbstbestimmte Mutterschaft: Diene Keita,  Direktorin des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA). © AFP | ISSOUF SANOGO

Tatsache ist: Eine Geburt ist ein extrem sensibler Moment für Mutter und Kind. Weltweit sterben täglich 700 Frauen an vermeidbaren Ursachen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt – eine Frau alle zwei Minuten. Darauf weist Diene Keita hin. Für die Direktorin des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) ist daran auch die männlich geprägte Medizin schuld, die in vielen Ländern verhindere, dass Frauen aufgeklärt werden und Zugang zu Verhütungsmitteln bekommen, sagt sie im Interview, das Alina Juravel mit ihr führte. Außerdem sei der Zugang zur medizinischen Versorgung eingeschränkt. Lesen Sie hier, was außerdem das Recht auf Abtreibung aus Keitas Sicht mit der Gesundheit von Frauen und Kindern zu tun hat und warum das der Trump-Regierung ein Dorn im Auge ist.

Das Familiendrama Block: Abgründe auf dem Rücken der Kinder

So wichtig ein gesunder Start ins Leben ist: Viel zu oft geht danach erst recht alles kaputt, das zeigt das Familiendrama Block. Die Erbin der Steakhaus-Kette steht wegen mutmaßlicher Kindesentführung vor Gericht. Der Fall zeigt die Abgründe einer gescheiterten Familie auf dem Rücken der Kinder. Und diese Abgründe seien gar nicht so selten, wie die Anwältin Karin Susanne Delerue meiner Kollegin Natalja Fischer erklärte. Die Gerichte stünden oft vor der Herausforderung, das Wohl des Kindes gegen die Rechte der Eltern abzuwägen.

 Christina Block steht wegen mutmaßlicher Entführung ihrer Kinder vor Gericht.
Christina Block steht wegen mutmaßlicher Entführung ihrer Kinder vor Gericht. © dpa Pool/dpa | Marcus Brandt

Lesen Sie auch das Interview mit der Anwältin Christina Clemm über Frauenhass und Kindeswohl

Wo wir beim Thema Abgründe sind: Die taten sich auch bei der Recherche meines Kollegen Christian Unger auf. Er erklärt das Phänomen „Taschengeld-Treffen“: Mädchen bieten auf Anzeigen in den sozialen Medien „entspannten Sex“ an, um ihr Taschengeld aufzubessern. Dahinter steckt aber oft Zwangsprostitution.

Inzwischen gehen Behörden mit Razzien dagegen vor, aber die Dunkelziffer bleibt hoch, da Opfer aus Scham oder Angst nicht zur Polizei gehen. Letztlich seien die Mädchen Opfer von Menschenhandel, und der werde in Deutschland immer komplexer. Längst sei nicht nur Sexarbeit davon betroffen, so Christian Unger. Lesen Sie hier die Hintergründe und was die Bundesregierung dagegen tun will.

Farmageddon: US-Bauern verzweifeln an Trumps Zollpolitik

Und nun erneut ein Blick in die USA. Dort stehen viele Landwirte vor dem Ruin, da die Strafzoll-Politik von Präsident Donald Trump die Landwirtschaftsbranche stark belastet. Tausende Höfe, die auf Sojabohnenernten sitzen, haben mit sinkenden Preisen und steigenden Produktionskosten zu kämpfen. Experten sprechen bereits von einem „Farmageddon“.

Für unseren US-Korrespondenten Dirk Hautkapp kein Wunder: „Wie sollen Farmer ihre Ernte verkaufen, wenn der US-Präsident die wichtigsten Abnehmer mit Strafzöllen derart vergrätzt hat, dass sie sich neue Lieferanten suchen und US-Produzenten ihre Ernte entweder zu Dumpingpreisen verhökern oder zu erhöhten Kosten einlagern müssen?“, fragt er.  Besonders absurd in diesem Zusammenhang sind die Folgen der Argentinien-Politik. Lesen Sie hier, was es damit auf sich hat.

Bargeld lebt – bald auch mit neuen Scheinen

Haben Sie noch nennenswerte Bargeldmengen im Portemonnaie? Ich habe nur noch ein paar Euro dabei, als Trinkgeld oder kleine Überlebenshilfe, wenn ich nett gefragt werde. Ansonsten reicht meine Karte, gespeichert im Handy. Doch viele Deutsche vertrauen nach wie vor auf Scheine und Münzen. Mehr als die Hälfte der Einkäufe wird noch mit Bargeld bezahlt, so eine aktuelle Untersuchung der Deutschen Bundesbank.

Euro-Geldscheine
Euro-Banknoten sollten eine Neuauflage bekommen,. © DPA Images | Daniel Reinhardt

Und weil Scheine nicht ewig halten, müssen sie nachgedruckt werden. 2028 soll sogar eine neue Serie von Euro-Banknoten herauskommen. Die neuen Scheine werden voraussichtlich auf Baumwollpapier gedruckt und sollen mit modernen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet sein, um Fälschungen zu erschweren. Wie sie aussehen, ist aber noch unklar: Die Europäische Zentralbank hat einen Wettbewerb für Design-Ideen gestartet. Ich bin jedenfalls gespannt, welches Motiv es auf die 50-Euro-Scheine schafft.

Hilft Ingwer bei einer Erkältung? Das sagt Dr. Riedl

Falls Sie derzeit husten und niesen, sind sie nicht allein. Gefühlt sind alle irgendwie verschnupft, mir geht es da auch nicht anders. Geholfen hat mir in dieser Woche Ingwer mit frisch gepresster Zitrone und den letzten Minze-Blättern vom Balkon, aufgefüllt mit heißem Wasser. Das war gar nicht so verkehrt, sagt unser Ernährungsexperte Dr. Riedl im Podcast.

Tee oder Suppe: Was gegen Erkältung hilft.
Tee oder Suppe: Was gegen Erkältung hilft. © dpa | Alicia Windzio

Auch die echte Hühnersuppe soll seiner Meinung nach guttun, wenn Viren auf den Bronchien liegen und die Nebenhöhlen pochen. Welche Hausmittel sinnvoll sind und welche nicht, hat auch meine Kollegin Anne-Kathrin Neuberg-Vural unter die Lupe genommen. Ihr geht es aber nicht nur um Salbeitee und Zwiebelsäckchen, sondern auch um eine gehörige Portion Zuwendung. Denn die fördere den gesunden Schlaf oft besser als jedes Medikament.

Eine bessere Empfehlung kann es am Ende dieses Newsletters nicht geben, oder? Wie immer wünsche ich Ihnen einen erholsamen Sonntag,

Ihre Birgitta Stauber