Plötzlich ist da so viel Hoffnung. Nach den Jahren des Leids ist es einfach schön zu sehen, wie Familien und Freunde der verbliebenen israelischen Geiseln sich in der Nacht zu Donnerstag in die Arme fielen, in der Hoffnung, dass ihre Lieben endlich freikommen – oder sie zumindest Gewissheit bekommen, ob die Entführten noch am Leben sind. Es ist ein gutes Zeichen, vor allem für Israel. Das erste wirkliche Zeichen seit Jahresbeginn, dass es demnächst zu einer Waffenruhe kommen könnte. Das gilt es zu würdigen.

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Dass es jetzt dazu kommen konnte, lag auch am massiven Druck, den Donald Trump auf beide Konfliktparteien und mehrere muslimische Länder ausgeübt hat. Die bereits geschwächte Hamas wurde an den Verhandlungstisch gedrängt und ebenso wie Israels Premier Benjamin Netanjahu mit einem ausgefeilten Plan für ein Kriegsende konfrontiert. Das muss man Trump lassen: Er hat monatelang auf diesen Moment hingewirkt, etwa durch seine Unterstützung Israels gegen die Hamas-Verbündeten im Iran, und zum entscheidenden Zeitpunkt gehandelt.

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Madeleine Janssen ist Auslandschefin in der FUNKE Zentralredaktion. © privat | Privat

Israel: Für die Zweistaaten-Lösung sind noch ganz andere Fragen zu klären

Gleichwohl bleiben nun viele Fragen offen: wie die Entwaffnung der Hamas ablaufen könnte, ob die Terroristen einer Technokraten-Regierung in Gaza ohne eigene Beteiligung zustimmen und wie sich die kriegsbesessenen Rechtsextremen in Netanjahus Koalition verhalten. Trotz dieser großen Hürden hoffen viele bereits auf die Wiederaufnahme des Prozesses für eine Zweistaaten-Lösung. Dabei sind aber noch ganz andere Fragen zu klären: etwa das stets eingeforderte Recht der Generationen von Exil-Palästinensern, nach Israel zurückzukehren, oder der Status von Ost-Jerusalem sowie die israelische Siedlungspolitik, die das palästinensische Gebiet zerfasert hat.

Der Durchbruch in Scharm El-Scheich ist bedeutsam – mit dem Beginn einer nachhaltigen Konfliktlösung sollte man ihn aber nicht verwechseln.