Es ist noch nicht lange her, da sah es so aus, als könnte die MAGA-Basis ihrem Anführer von der Fahne gehen: Donald Trump, der im Wahlkampf damit angegeben hatte, er werde die Epstein-Files veröffentlichen, hatte einen plötzlichen Sinneswandel gehabt und zierte sich auffällig, die Akten rund um den verurteilten Sexualstraftäter und Menschenhändler Jeffrey Epstein der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Seine Anhänger innerhalb der Republikaner und die Wählerinnen und Wähler reagierten irritiert, die rechtskonservative mediale Öffentlichkeit sowieso. „Gebt die Akten frei“, forderten sie in einem seltenen Kanon mit der versammelten Demokratischen Partei, der die Verstrickungen des US-Präsidenten mit Epstein und seinen Verbrechen aufklären will. Dass es diese gibt, scheint ausgemacht. Zu eng waren Trump und Epstein einst befreundet, und dass Elon Musk bekannt gab, Trumps Name stehe „in den Epstein-Akten“, ließ sich nicht nur ins Reich der Ketamin-Träume verbannen.

Schmierige Zeichnung brachte Trump in Erklärungsnot

In dieses Bild passte eine Zeichnung, eine schmierige Kritzelei eines Frauenkörpers, die rätselhafte Andeutungen über einen schriftlichen Dialog zwischen einem „Donald“ und einem „Jeffrey“ umrahmt. Der Text macht etwa Anspielungen auf Gemeinsamkeiten und ein „wundervolles Geheimnis“, das die beiden Figuren teilten.

Darunter stehen – im Schambereich des gezeichneten Körpers – Trumps Name, der mit „Donald“ unterzeichnet ist, wobei unklar ist, ob die Unterschrift echt ist. Das „Wall Street Journal“ hatte die Existenz der Zeichnung öffentlich gemacht und dazu berichtet, sie stamme aus der Feder des ebenfalls verurteilten Straftäters Trump. Ein Geburtstagsgruß sei sie gewesen, Teil einer ledergebundenen Sammlung zum 50. Geburtstag Epsteins. Die Zeitung berief sich auf Einblick in Dokumente.

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Die Zeitung hatte im damaligen Artikel auch eine Stellungnahme Trumps zu ihren Recherchen zitiert: „Das ist gefälscht. Es ist ein Falschbericht des ‚Wall Street Journals‘“, wird der Präsident darin zitiert. Weiter: „Ich zeichne keine Bilder von Frauen“. Und: „Es ist nicht meine Sprache. Es sind nicht meine Worte.“

Trump schäumte, wies die Berichte als „böswillige Fake-News“ zurück und verklagte das WSJ und Medienmogul Rupert Murdoch, zu dessen Portfolio die Zeitung zählt, und forderte Entschädigung in Milliardenhöhe. Das Album wurde damals ebenso wenig veröffentlicht wie der Originalbrief. 

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Ist es Trumps Unterschrift?

Eben jener ist nun als Kopie an die Öffentlichkeit gelangt. Die Demokraten im für Aufsichtsfragen zuständigen Ausschuss des Repräsentantenhauses machten den Geburtstagsgruß auf der Plattform X publik. Auch das WSJ hat eine Kopie des Schreibens veröffentlicht.

Trumps Sprecherin Karoline Leavitt reagierte wenig später und wies die Berichterstattung des „Wall Street Journal“ als „falsch“ zurück. „Wie ich immer gesagt habe, ist es ganz klar, dass Präsident Trump dieses Bild nicht gezeichnet und auch nicht unterschrieben hat“, schrieb sie auf X. Leavitt kündigte weitere Schritte vor Gericht an. 

Der stellvertretende Leiter des Kommunikationsstabes im Weißen Haus, teilte ebenfalls bei X Aufnahmen von Trumps Unterschrift aus jüngeren Tagen, um auf Unterschiede zwischen den Unterschriften hinzuweisen.

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Die „New York Times“ schreibt dazu, Trump habe in der Zeit, in der der Gruß entstanden sein soll, seine persönliche Korrespondenz mit seinem Vornamen unterzeichnet. Diese Unterschrift zeige „bemerkenswerte Ähnlichkeiten“ mit jener unter der Zeichnung. Kopien der Korrespondenzen habe die NYT aus den New Yorker Stadtarchiven erhalten, schreibt die Tageszeitung am Dienstag.

Kongress-Ausschuss veröffentlicht weitere Dokumente

Auch vom republikanischen Vorsitzenden des Ausschusses, James Comer, gab es Kritik: Seine demokratischen Ausschusskollegen würden Dokumente bewusst selektiv auswählen und Informationen politisieren, die das Gremium gerade erst von den Verwaltern des Epstein-Nachlasses erhalten habe, hieß es in einer Mitteilung. „Präsident Trump wird kein Fehlverhalten vorgeworfen, und die Demokraten ignorieren die neuen Informationen, die der Ausschuss heute erhalten hat“, lautete sein Vorwurf. Was genau Comer damit meint, blieb unklar.

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Mit der Mitteilung wies der von Comer geleitete Ausschuss auch darauf hin, dass er am Montag (Ortszeit) weitere Dokumente rund um den Fall Epstein veröffentlicht habe. Darunter befänden sich das Testament Epsteins, Einträge aus dessen Adressbüchern sowie das Geburtstagsbuch, das seine Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell für den 50. Geburtstag Epsteins zusammengestellt habe. 

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Epstein starb in seiner Zelle

Der in einflussreichen Kreisen gut vernetzte Finanzier Epstein hatte über viele Jahre systematisch Minderjährige missbraucht. Nach seiner Festnahme starb er 2019 mit 66 Jahren in seiner Gefängniszelle. Im Obduktionsbericht wurde Suizid als Todesursache genannt.

In Teilen der US-Gesellschaft sorgte Epsteins Tod für wilde Spekulationen, weil er beste Kontakte in die amerikanische High Society hatte. Prominente und Milliardäre gingen bei ihm ein und aus – und auch Trump verbrachte Zeit mit Epstein, wie mehrere Party-Videos belegen.

 

mit dpa