
Überraschend freundlicher Empfang im Weißen Haus: US-Präsident Donald Trump hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zum zweiten Mal zum Gespräch im Oval Office getroffen und dabei eine offene Konfrontation vermieden. Die Begegnung war im Vorfeld mit Spannung erwartet worden: Wegen der möglichen Weichenstellungen für ein Kriegsende - aber mehr noch atmosphärisch, weil es kurz vor dem Treffen alarmierende Anzeichen für einen neuen Eklat gegeben hatte.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Selenskyj war am Montagmittag (Ortszeit) im Weißen Haus eingetroffen, um sich über Trumps Alaska-Gipfel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am vergangenen Freitag informieren zu lassen und über einen möglichen Dreier-Gipfel der Präsidenten zu sprechen. Die Begrüßung war freundlich, Trump fasste den Ukrainer an der Schulter. Auf Reporterfragen nach seiner Botschaft für die ukrainische Bürger rief Trump: „Wir lieben sie.“
Knapp 20 Minuten im Oval Office
Während einer zwanzigminütigen Pressebegegnung im Oval Office - an der erneut auch Vizepräsident JD Vance teilnahm, ohne sich zu Wort zu melden - betonte der US-Präsident immer wieder seinen Wunsch nach einem Kriegsende: „Die Welt ist müde von diesem Krieg“. Sowohl er als auch Selenskyj und Putin wünschten sich ein Ende der Gewalt. Auffallend oft antwortete Trump aber ausweichend.
Eine zentrale Frage, wie sich die USA an Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach Kriegsende beteiligen könnten, beantwortete Trump nur vage: Er werde das vielleicht später beantworten können. Die Europäer seien vorrangig dafür verantwortlich, „weil sie dort sind.“ Es werde jedoch Hilfe geben. Trump verneinte im Einklang mit Putin - und im Gegensatz zu Selenskyj - die Notwendigkeit einer Waffenruhe. Er möge zwar das Konzept einer Feuerpause, weil damit das Töten von Menschen „sofort“ aufhören würde: „Aber wir können an einem Deal arbeiten, wo wir auf ein Friedensabkommen abzielen“
Olena Selenska schreibt Brief an Melania Trump
Selenskyj bedankte sich für Trumps Einsatz, den Krieg zu beenden, und dankte für den Brief, den First Lady Melania Trump an Putin geschrieben hatte. Darin hatte sie zum Frieden und zum Schutz ukrainischer Kinder aufgerufen. Selenskyj überreichte Trump nun ein Schreiben seiner Ehefrau an Melania Trump. Selenskyj bedankte sich auch für die Möglichkeit, US-Waffen für das ukrainische Militär zu kaufen.
Die Szene im Oval Office unterschied sich damit deutlich von jenem legendären Wortwechsel am 28. Februar, bei dem Trump und sein Vize JD Vance Selenskyj während eines Pressetermins vor laufenden Kameras in die Zange genommen und gezielt vor der Weltöffentlichkeit gedemütigt hatten. Dass Trump Selenskyj damals öffentlich Undankbarkeit für den US-Beistand und Respektlosigkeit vorgeworfen hatte, ihm zugleich eine Mitschuld am Ukraine-Krieg zuwies, hatte weltweit für Aufsehen gesorgt. Im April bei der Trauerfeier für den verstorbenen Papst Franziskus in Rom kamen sich Trump und Selenskyj wieder näher.
Unberechenbarer Trump: Diesmal war Selenskyj vorbereitet
Doch kurz vor ihrer Begegnung am Montag hatte Trump in einem Post auf seiner Plattform Truth Social signalisiert, dass er Selenskyj unter Druck setzen wollte: „Der ukrainische Präsident Selenskyj kann den Krieg mit Russland fast sofort beenden, wenn er will, oder er kann weiterkämpfen“, schrieb Trump. Zugleich machte er erneut deutlich, dass er den erhofften Nato-Beitritt der Ukraine für unrealistisch hält. Er schrieb in Großbuchstaben: „KEIN NATO-BEITRITT DER UKRAINE.“

Allerdings hatte Trump Putin bereits vor Monaten zugesichert, dass er der russischen Forderung nachkommen und einen Nato-Beitritt der Ukraine nicht unterstützen werde. Trump schrieb nun auch, dass er keine Möglichkeit für die Rückgabe der 2014 von Russland annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim sieht. „Manche Dinge ändern sich nie!!!“, schrieb er. Er verwies darauf, dass der damalige US-Präsident Barack Obama die Annexion der Krim 2014 nicht verhindert habe. Eine Rückgabe der Krim an die Ukraine steht gar nicht zur Debatte. In der Sache waren diese Einlassungen nicht überraschend.
Aber dass Trump sich kurz vor dem Gespräch mit Selenskyj so äußerte, wurde in Washington wie in europäischen Hauptstädten als gezielte Provokation verstanden. Ebenso wie Berichte aus dem Weißen Haus, denen zufolge sich Trumps Beamte beim Selenskyj-Team erkundigten, ob der Gast aus der Ukraine einen Anzug tragen werde; so meldete es das US-Medium „Axios“, das über besonders enge Drähte ins Trump-Lager verfügt. Die Nachfrage wäre aber nicht nötig gewesen: Selenskyjs trägt seit Monaten robuste, schwarze Zweiteiler, die mit militärischen Referenzen an seine frühere Armee-Stil-Garderobe anknüpfen; so trat er auch im Weißen Haus auf.
Europäische Delegation will Selenskyj den Rücken stärken
Der ukrainische Präsident war fest entschlossen, eine neue Eskalation zu vermeiden. Auch auf seine Bitte waren am Montag eine Reihe europäischer Regierungschefs nach Washington gereist, um Selenskyj den Rücken zu stärken: Eingeflogen waren unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, Finnlands Präsident Alexander Stubb, der britische Premier Keir Starmer, dazu EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Nato-Generalsekretär Mark Rutte.
Sie wollten mit dem US-Präsidenten über Sicherheitsgarantien für die Ukraine und einen möglichen Gebietsverzicht nach einem Ende des Krieges sprechen, aber auch über die weitere Unterstützung des Landes bei der Verteidigung gegen die russischen Angreifer. Kurz vor dem Termin im Weißen Haus beriet sich Selenskyj mit den europäischen Regierungschefs.
Streitpunkt ist ein umfassender Gebietsverzicht der Ukraine
Trump legte die Termine so, dass er zuerst mit Selenskyj allein redete und auch nur allein mit ihm vor die Presse trat. Erst danach sollten die europäischen Regierungschefs dazu kommen. In deren Delegationen herrschte deshalb kurz vor dem Treffen Alarmstimmung. Doch am Ende blieb der befürchtete Eklat aus.
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Zentraler Streitpunkt zwischen Trump einerseits, Selenskyj und den Europäern ist vor allem die Erwartung des US-Präsidenten, die Ukraine solle Russland für ein schnelles Friedensabkommen den gesamten Donbass im Osten des Landes überlassen – auch jene Gebiete, die die russischen Streitkräfte dreieinhalb Jahre nach Kriegsbeginn noch nicht erobern konnten. Selenskyj lehnt das, mit Rückendeckung der Europäer, kategorisch ab. „Russland muss diesen Krieg beenden, den es selbst begonnen hat“, schrieb er nach Ankunft in Washington auf der Plattform X. Doch Trump macht Druck: „Machen Sie einen Deal“, sagte Trump auf Fox News an die Adresse Selenskyjs. „Russland ist eine sehr große Macht, und sie sind es nicht.“
Zugleich sollte es im Weißen Haus darum gehen, ob sich die USA an einem Schutzversprechen für die Ukraine beteiligen, das der Beistandsgarantie der Nato ähneln könnte. Trump äußerte sich auf Reporterfragen nur vage: „Wir werden ihnen guten Schutz geben und sehr gute Sicherheit“. Trump kündigte auch an, er werde nach dem Gespräch Putin anrufen: „Er erwartet meinen Anruf, wenn wir das Treffen beendet haben“, sagte Trump. Ziel ist ein Dreier-Gipfel der Präsidenten, nach sehr vagen Planungen könnte er an diesem Freitag stattfinden.







