Nach Wochen mit grauem Himmel und Regenschauern ist der Sommer in Deutschland zurück. Temperaturen über 30 Grad locken die Menschen zum Grillen in Parks und an den Badeseen herrscht Hochbetrieb. Doch während viele Menschen das Sommerwetter genießen, stehen Pflanzen und Böden weiterhin vor einem Problem: Denn das erste halbe Jahr war viel zu trocken.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Thorsten Wagener, Professor für die Analyse hydrologischer Systeme an der Universität Potsdam, beobachtet das mit Sorge. Die ersten sechs Monate des Jahres habe es in der Region Potsdam nur rund die Hälfte des üblichen Niederschlags gegeben. Besonders kritisch: Brandenburg ist ohnehin eine wasserarme Region. Der Boden ist dort oft sandig und kann Wasser nur schlecht speichern. Regen versickert also schnell oder läuft ab, statt länger für die Pflanzenwurzeln zur Verfügung zu stehen. Pflanzen geraten dadurch in sogenannten Trockenstress: Sie verdunsten mehr Wasser, als ihre Wurzeln nachliefern können.

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Auch im Berliner Raum war die erste Jahreshälfte ungewöhnlich trocken. Hier „fielen im ersten Halbjahr weniger als 150 Millimeter Niederschlag“, sagt Heiko Sieker, Honorarprofessor für urbane Hydrologie an der TU Berlin. Zum Vergleich: Normalerweise kommen im Berliner Raum pro Jahr etwa 600 Millimeter Niederschlag zusammen, also rund 300 Millimeter pro Halbjahr.

Dann kam der Juli, und mit ihm ungewöhnlich viel Regen. „Im Juli gab es allein 200 Millimeter Niederschlag, also mehr als in den sechs Monaten davor“, so der Professor. Solche Schwankungen habe es früher auch gegeben, sagt Sieker, „aber dieses Jahr ist es schon außergewöhnlich“.

Ein Traktor fährt über ein vertrocknetes Feld
Durch den fehlenden Regen im ersten Halbjahr sind in Deutschland in einigen Regionen die Böden ausgetrocknet.© Jan Woitas/dpa | Jan Woitas

Durch den regenreichen Juli konnten sich die Oberböden zumindest teilweise erholen, sagt Wagener. Doch sei das Problem der Dürre damit nicht gelöst: „Die tiefen Bodenschichten, die entscheidend für die Grundwasserneubildung sind, sind vielerorts weiterhin trocken.“ Denn damit sich diese Schichten erholen, braucht es mehr Regen – am besten über längere Zeiträume und in den Wintermonaten.

Deutschland wird „langfristig weniger Wasser zur Verfügung haben“

Der Klimawandel verschärft diese Situation zusätzlich. „Der Klimawandel begünstigt die Trockenheit, weil wärmere Temperaturen und Wind die Böden stärker austrocknen“, sagt Wagener. Denn Wärme erhöht die Verdunstung: Pflanzen geben mehr Wasser über ihre Blätter ab, und auch vom Boden selbst steigt mehr Feuchtigkeit in die Luft. Hinzu kommt, dass wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Wenn es dann regnet, entladen sich die Wolken oft in kürzeren, heftigeren Schauern. „Der stärkere Regen fließt dann auch erst einmal stärker ab und hilft nicht so gut wie ein leichter, länger anhaltender Regen.“

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Deutschland steuere zwar „nicht auf so große Probleme zu wie südlichere Länder, die trockener sind“, so Wagener, „aber wir werden langfristig oft weniger Wasser zur Verfügung haben als in der Vergangenheit, was auch für uns große Änderungen in der Wassernutzung bedeutet.“ Das werde sich in der Landwirtschaft ebenso bemerkbar machen wie in Wäldern, Parks und Städten. Erste Anzeichen sind schon sichtbar: Im östlichen Berliner Umland sind laut Sieker kleine Gewässer ausgetrocknet, Badestellen verschwunden. „Auch das Stadtgrün leidet unter der Trockenheit und die Bäume werden davon krank“, sagt Sieker.

Klimawandel: Wie sich Städte an die Trockenheit anpassen können

Für den Hydrologen ist klar: Städte müssen den Regen, der einmal fällt, möglichst lange festhalten – statt ihn schnell durch Gullys und Rohre in Flüsse oder die Kanalisation zu schicken. Denn jeder Liter, der versickert, trägt dazu bei, Grundwasserreserven aufzufüllen und die Stadt an heißen Tagen zu kühlen. „Die günstigste Methode ist es, das Wasser im Boden zu speichern“, sagt er.

Das kann auf verschiedene Arten geschehen: durch Pflanzen oder begrünte Dächer, die Regen wie ein Schwamm aufnehmen und langsam wieder abgeben. Eine andere Möglichkeit sind unterirdische Zisternen, in denen Regenwasser gesammelt wird. Oder durch sogenannte Rigolen, das sind mit Kies oder Sand gefüllte Schächte. Sie nehmen das Wasser auf und leiten es langsam in den Untergrund.

„Der Umgang mit dem Regenwasser ist politisch nicht so kontrovers“

Doch Speichern allein reiche nicht. Damit das Wasser überhaupt dorthin gelangt, muss es ungehindert in den Boden einsickern können. In vielen Städten ist das schwierig, weil Straßen, Gehwege und Plätze großflächig versiegelt sind – Regen läuft dort sofort ab. Deshalb braucht es Flächen, auf denen Wasser stehen bleiben und versickern darf. „Dafür kann man Mulden neben der Straße anlegen“, erklärt Sieker. Solche abgesenkten Grünstreifen fangen Regenwasser auf und leiten es in den Boden. „Man sollte auch die Baumscheibe von Bäumen zugänglich für das Wasser machen, also sie nicht zu sehr einbauen.“

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Politisch sei dieses Thema vergleichsweise unkompliziert. „Der Umgang mit dem Regenwasser ist politisch nicht so kontrovers wie die Energiewende und die Verkehrswende, da sind sich eigentlich alle einig“, sagt Sieker. Dennoch bleibe die Herausforderung, diese Strategien flächendeckend umzusetzen. Denn kurzfristige Regenphasen können die langanhaltende Trockenheit nur schwer ausgleichen. Durch den Klimawandel zeichnen sich langfristig immer mehr Extreme ab: Trockenperioden wechseln sich mit heftigen Regenfällen ab – nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Regionen Europas.