Vielleicht ist schon ganz am Anfang, nach den ersten Schritten, klar, dass dieser Gipfel ein Punktsieg für den Autokraten aus Russland werden würde. Denn der Autokrat aus Washington steigt aus seiner „Air Force One“, tastet mit seiner linken Hand nach der Reling, stapft die Stufen hinunter, langsam, ein wenig schwerfällig, bis zum Rollfeld. Donald Trump wirkt müde – schon bevor der Gipfel in Alaska begonnen hat.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Wladimir Putins erste Schritte sind energischer. Er steigt aus seinem Präsidenten-Flieger aus, gleitet mit seiner rechten Hand nur über die Brüstung der Gangway, ist schneller unten. Er wirkt entschlossen. Und ausgeschlafen.

Trump auf Schlingerkurs: Kein Torkeln, aber kontrolliert sieht es nicht aus
Der Gipfel zwischen dem russischen und amerikanischen Präsidenten ist ein Showdown. Militärflieger eskortieren am Himmel den Gang der Staatschefs, Soldaten salutieren, die Teppiche sind rot. Bei Gipfel-Politik kommt es auf Ergebnisse an, auf große Worte. Doch davon gab es wenig am Ende des mehrstündigen vertraulichen Gesprächs. Was bleibt, sind die Gesten. Die Symbolik. Putin, international geächteter Kriegsverbrecher, zu Gast bei Trump. Jede Bewegung wird beobachtet, interpretiert, das Protokoll – minutiös getimt.
Zurück zur Gangway, zum roten Teppich. Gut 40 Sekunden lang ist die Kamera auf Trump gerichtet, wie er den Teppich entlang geht, zu dem Punkt, wo er Putin treffen soll. Im Internet kursieren Videos im Zeitraffer. Sie zeigen Trumps Schlingerkurs über das Parkett, nach links, nach rechts, dann wieder gerade aus. Es ist kein Torkeln, aber kontrolliert sieht es auch nicht aus.
Der Gang, der Handshake, die Körpersprache – alles Nebensache? Sicherlich. Und doch erzählen sie viel
Der rote Teppich, die Paraden – es sind Härtetests für Oberhäupter. Kanzlerin Merkel zitterte am Ende ihrer Regentschaft in diesen Momenten, die enorme mentale Kraft kosten, obwohl wenig passiert. Trump lästerte über die Wirrheit und Schwächeanfälle von Ex-Präsident Joe Biden. Am Ende dieses Gipfels mit Putin wird er in den sozialen Netzwerken selbst zum Gespött.
Der Gang, der Handshake, die Körpersprache – alles Nebensache? Sicherlich. Und doch erzählen sie oft mehr als die Worte in vorbereiteten Statements, mehr als Politiker-Floskeln. Denn Körpersprache kann wenig kaschieren, passiert spontan, kann nicht durchchoreografiert werden, wenn sich zwei narzisstische Charaktertypen treffen. Jeder kämpft um Weltherrschaft. Auch auf dem roten Teppich.
Exklusiv aus den USA – für Sie recherchiert
Ein Klatschen, ein Tätscheln, eine Autofahrt: Trump wertet Putin auf
Trump klatscht Putin entgegen. Bemerkenswert freundlich, fast unterwürfig. Trump streckt die Hand aus, lange lässt er sie in der Luft, bis Putin kommt, dessen Hand von weit oben entgegengestreckt ist (soll selbstbewusst wirken). Ein Handschlag auf dem Rollfeld, beobachtet von etlichen Millionen live an Bildschirmen. Man sieht, wie Trump Putin an sich zieht, ein Lächeln, gegenseitiges Tätscheln auf Hand und Arm.

Vor allem ein Signal geht in die Welt: diese beiden Männer begegnen sich freundschaftlich. Wie muss dieses Bild in der Ukraine angekommen sein, wo durch Putins Angriffskrieg täglich Menschen sterben?
Die nächste Geste am Auto: Trump lädt Putin – offenbar entgegen dem Protokoll – in seine eigene Limousine ein. Auch hier: Das macht einen Gast besonders, wertet einen Diktator auf.
Kurze Zeit später sitzen der US-Präsident und der russische Staatschef auf Stühlen nebeneinander. Körpersprache-Experten blicken hier vor allem auf eines: die Stellung der Beine. Selbstbewusst sitzen Männer – so offenbar die Schule der Diplomatie – mit breiten Beinen. Putin liegt auch hier vorne, weit gespreizt.
Auch aus den geheimen Verhandlungen dringen Aufnahmen nach außen. Vor allem eine fällt ins Auge: Trump und Putin unterhalten sich abseits der offiziellen Gespräche auf einem Flur, lächeln, gestikulieren. Auch hier die Botschaft: Hier reden zwei Männer, die sich verstehen.

Trump frustriert, Putin siegessicher: Bei der Pressekonferenz scheint die Stimmung eine andere
Wie sehr dahinter tatsächlich Sympathie herrscht, lässt sich nicht beantworten. Klar ist aber, dass diese Bilder nicht zufällig in die Welt ausgesendet werden.
Bei der Pressekonferenz im Anschluss des Gesprächs scheint die Stimmung eine andere. Putin beginnt, spricht auf Russisch, damit es seine Landsleute in der Heimat verstehen. Er spricht hier vor allem an die Russen. Trump, so Körpersprache-Experte Paul Garrison im TV-Sender Welt, wirke „frustriert und ohne Energie“. Auch enttäuscht.
Das überrascht nicht: Trump hatte der Weltöffentlichkeit einen Gipfel präsentiert, der wenig Ergebnisse lieferte, dafür viel Show. Und vor allem eine große Chance für Putin, sich international zu inszenieren. Auf Personen, die Trump in den Stunden nach dem Treffen erlebt haben, wirkte der US-Präsident müde. Fast 24 Stunden dauerte sein Gipfel-Marathon offenbar.
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Überraschend schnell reisten die Delegationen aus Alaska ab, ein offenbar ursprünglich geplantes Mittagessen der Machthaber fiel aus. Zuhause, in Washington, wird deutlich, wie wenig Nutzen Trump selbst aus dem Treffen mit Putins ziehen konnte. Selbst Trump-nahe Medien äußern sich kritisch und skeptisch über die Mission von Trump in Anchorage. Friedensabkommen? Waffenstillstand? Zugeständnisse oder Verpflichtungen für Putin? Nichts davon tritt in Kraft.
Donald Trump erholte sich von all dem am Wochenende. Medien berichten, dass der US-Präsident seinem Lieblingshobby nachging. Fünfeinhalb Stunden spielte er Golf auf der Anlage in Virginia, unweit von Washington.










