Auf der Schnellstraße, die sich durch Tel Aviv zieht, brennen Barrikaden. Die Gegner des Kriegs im Gazastreifen haben am Donnerstagabend die Fahrbahnen blockiert, Reifen angezündet. „Das ist nur der Anfang“, warnt einer von ihnen, hält ein rotes Schild mit der Aufschrift „Stop!“ in den Händen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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70 Prozent der Israelis lehnen laut Umfragen mittlerweile den Gazakrieg ab. Benjamin Netanjahu scheint ihren Willen zu ignorieren: Vergangene Woche drückte Israels Ministerpräsident im Sicherheitskabinett die Entscheidung durch, Gaza-Stadt einzunehmen. In der größten Stadt des Gazastreifens sollen sich aktuell 800.000 der insgesamt zwei Millionen Palästinenser aufhalten. Zudem sollen die etwa 20 noch lebenden israelischen Geiseln dort versteckt gehalten werden. Ihre Angehörigen fürchten, jede weitere militärische Eskalation Israels könnte das Leben der Verschleppten gefährden. Für den kommenden Sonntag rufen sie deshalb zum Generalstreik auf.

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„Bringt das Land zum Stillstand“, lautet die Forderung, die seit Tagen in den sozialen Medien geteilt wird. Den Histadrut, der größte Gewerkschaftsbund im Land, stellt der Aufruf allerdings vor ein Dilemma: Vor einem Jahr hatte der Histadrut-Vorsitzende Arnon Bar-David einen solchen Streik genehmigt, um damit für ein Abkommen mit der Hamas zu protestieren. Das zuständige Arbeitsgericht verbot allerdings das Vorhaben mit der Erklärung, dass Streiks aus politischen Gründen nicht legal seien. „Wüsste ich, dass ein Streik den Krieg beenden und die Geiseln zurückbringen könnte, ich würde mich mit aller Kraft dafür einsetzen“, sagte Bar-David am Montag und erteilte den Geiselfamilien eine Absage.

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Netanjahu in der Kritik – Israels Kriege an mehreren Fronten
Im Krisenmodus
 

Auch Tech-Größen wie Meta erlauben den Mitarbeitern die Teilnahme

Zumindest individuell wollen führende Institutionen und Unternehmen den Protest unterstützen. Die hebräische Universität in Jerusalem, die Universitäten in Tel Aviv und Haifa sowie die Ben-Gurion-Universität in der Negevwüste sicherten ihre Teilnahme zu. „Israel kann sich ohne der Rückkehr der Geiseln nicht erholen“, heißt es dazu in einem offenen Brief der Hebräischen Universität. Auch die Tech-Größen Wixx, Fiverr und Meta wollen ihren Mitarbeitenden die Teilnahme erlauben. Außerdem unterstützen zwei Regionalverwaltungen sowie die Stadtverwaltung Tel Aviv den Protest.

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Ob das genügt? Fragt man Menschen, die die Demonstration am Donnerstag beobachten, stößt man auf Kopfschütteln. „Würde Netanjahu auf uns hören, er hätte längst zurücktreten müssen“, sagt ein Mann in seinen Vierzigern, der auf der Brücke über der Straßenblockade steht, und erzählt, früher selbst protestiert zu haben. „Es tut mir weh, aber unsere Meinung zählt für unsere Regierung nicht.“

Der Streik am Sonntag soll nur der Auftakt einer Protestwoche sein. Tatsächlich scheinen aber auch die Geiselfamilien zu ahnen, dass interner Druck nicht genügen wird. Ebenfalls am Donnerstag veröffentlichten mehrere Geiseln, die im Zuge des bisher letzten Waffenruheabkommen Ende Januar freigekommen sind, eine Video-Botschaft, appellierten an die US-Regierung: „Präsident Trump, Sie haben die Macht, die Geschichte zu verändern“, sagt Iair Horn, der abgemagert aus seiner Gefangenschaft freikam, in dem Video. Horns Bruder Eitan wird weiterhin in Gaza gefangen gehalten.