Die Entscheidung des Kanzlers für eine Einschränkung von Waffenexporten nach Israel hat die Union in ihre schwerste Krise seit Start der Koalition geführt. Dabei ist es fast unerheblich, ob man Friedrich Merz in der Sache widerspricht, oder ihm Recht gibt.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Fakt ist: Es hat offenbar vor der gravierenden Entscheidung des Kanzlers kein Gespräch zur Sache direkt zwischen dem CDU-Chef und dem Chef der Schwesterpartei CSU gegeben. Und das kann nur drei Gründe haben. Erstens: Der Kanzler wollte im Rahmen seiner Richtlinienkompetenz diese Entscheidung zur Not auch gegen den Einspruch des CSU-Chef durchziehen und hat daher auf dieses Gespräch verzichtet. Zweitens: Der Kanzler hat vergessen, sich darüber mit Söder zu beraten. Oder drittens: Markus Söder war für den Kanzler schlicht nicht erreichbar.

Jörg Quoos ist Chef der Zentralredaktion.
Jörg Quoos ist Chef der Zentralredaktion.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Friedrich Merz und Markus Söder – ein kompliziertes Verhältnis

Alle drei Varianten werfen kein gutes Licht auf das Binnenverhältnis der Parteichefs, das genau betrachtet extrem kompliziert ist. Söder hat nach sieben Jahren im Amt des Ministerpräsidenten ein Ego aufgebaut, gegen das die Zugspitze ein Maulwurfshügel ist. Allein das ist für jeden an der CDU-Spitze ein Problem.

Auch interessant

Gleichzeitig ist Söder ein Rivale, schließlich wollte er selbst gerne Kanzler werden und hat bis heute nicht verwunden, dass er einen Machtkampf mit Armin Laschet verlor. Das Politische und das Persönliche ist bei Markus Söder untrennbar verknüpft. Das macht jeden größeren Dissens zwischen CDU-Chef und CSU-Chef so gefährlich.

Jetzt liegt es am Kanzler, die CSU „einzufangen“. Das kurzfristig anberaumte Interview mit dem Bayerischen Rundfunk mitten im Urlaub des Kanzlers war ein erster Schritt. Wenn er nicht ausreicht, werden weitere folgen. Denn noch ein Streit in der Koalition – dazu noch im eigenen Laden – ist das Letzte, was der Kanzler jetzt braucht.