Die Spezies Mensch gilt als besonders lernfähiges Wesen und ist damit einzigartig. Nur für einen Bereich gilt diese Schöpfungs-Regel nicht: Es ist die Umsetzung von Großprojekten durch die öffentliche Hand. Hier wird nichts dazugelernt, wie die Steuerzahler auch beim Großprojekt „Stuttgart 21“ erleben dürfen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Superbahnhof kostet mit rund 11 Milliarden Euro fast fünfmal soviel wie geplant und schon der Name „Stuttgart 21“ verrät, wie desaströs der Zeitplan für die gigantomanische Baustelle im Stuttgarter Neckartal ist.

Zum Glück entschieden jetzt mutige Richter, dass die Bahn 3,5 Milliarden Euro Mehrkosten nicht einfach den Steuerzahlern umhängen darf. Aber bezahlen werden natürlich alle diese Kostensteigerungen. Auch bei der Bahn, die zu hundert Prozent dem Bund gehört, gibt es keinen Dukatenesel und das Geld muss irgendwie wieder reinkommen.

Jörg Quoos ist Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion.
Jörg Quoos ist Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Lehrbeispiele waren offensichtlich nicht eindrucksvoll genug

Mit dem aus dem Ruder gelaufenen Superbahnhof gibt es jetzt eine neue Gelegenheit für Planer, aus Fehlern zu lernen. Die Lehrbeispiele Flughafen Berlin-Brandenburg BER (204 Prozent Mehrkosten), Elbphilharmonie Hamburg (924 Prozent Mehrkosten), BND-Zentrale Berlin (50 Prozent Mehrkosten) waren offensichtlich nicht eindrucksvoll genug.

Wenn Friedrich Merz nicht aufpasst, wird auch sein neues Kanzleramt in dieser unrühmlichen Reihe auftauchen. Schon jetzt liegen die Kosten 177 Millionen Euro über der Planung und man hat mit dem – von Angela Merkel geplanten – Prestigeprojekt noch gar nicht richtig angefangen.

Es wird also teuer bleiben, wenn die Lernkurve der öffentlichen Planer nicht endlich erkennbar ansteigt.