Russland hat die Ukraine nach Angaben Kiews mit den schwersten Luftangriffen seit Kriegsbeginn überzogen. Die russische Armee habe mit 728 Drohnen des ursprünglich iranischen Typs Shahed und 13 Raketen insbesondere den Westen des Landes attackiert, teilte die ukrainische Luftwaffe am Mittwoch mit.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Zu den Drohnen kamen sieben Marschflugkörper vom Typ Ch-101 (Nato-Klassifikation: Kodiak) und sechs luftbasierte Hyperschallraketen vom Typ Kinschal. Mehr als 700 Luftobjekte seien abgewehrt worden, hieß es. Der bisherige „Rekord“ an russischen Drohnen in einer Nacht lag bei etwas mehr als 500. Laut „The Kyiv Independent“ sind bei dem schweren Angriff auf die Ukraine in den vergangenen 24 Stunden mindestens fünf Menschen getötet und 39 Personen verletzt worden.

Schwere Angriffe auf Ukraine: Selenskyj fordert schärfere Sanktionen gegen Russland

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Moskau im Onlinedienst X (ehemals Twitter) vor, erneut alle Anstrengungen für eine Waffenruhe zunichtemachen zu wollen. Dies zeige, wie nötig Sanktionen insbesondere gegen das russische Ölgeschäft seien. „Jeder, der Frieden will, muss handeln“, hob Selenskyj hervor.

Mit Blick auf einen vom US-Senat vorgeschlagenen Gesetzentwurf für weitere Sanktionen gegen Russland hatte US-Präsident Donald Trump am Dienstag gesagt, er prüfe dies sehr intensiv. Er sei „sehr unzufrieden“ mit Kreml-Chef Wladimir Putin. Der erzähle „eine Menge Mist“. Ein Telefongespräch der beiden Staatschefs in der vergangenen Woche hatte keine Fortschritte für eine Waffenruhe in der Ukraine gebracht.

Donald Trump: Putin töte „zu viele Menschen“

Nach Trumps Wiedereinzug ins Weiße Haus im Januar hatten sich die USA Russland angenähert, sie machten Druck auf die Ukraine und führten direkte Gespräche mit Vertretern aus Moskau. Nach einem vorübergehenden Stopp wichtiger Waffenlieferungen an die Ukraine hatte Trump zuletzt aber angekündigt, er werde wieder mehr Waffen zur Verteidigung an Kiew liefern. Putin töte „zu viele Menschen“.

Der US-Präsident hatte am vergangenen Freitag auch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) telefoniert. Dabei sei es um die Frage einer Lieferung von weiteren Patriot-Abwehrraketen an die Ukraine gegangen, sagte Trump. Er habe dazu noch keine Entscheidung getroffen, fügte Trump hinzu.

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 „Wir werden der Ukraine weiter helfen“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Mittwoch während der Generaldebatte im Bundestag, zunächst allerdings, ohne dazu Einzelheiten zu nennen. Russland sei „ein verbrecherisches Regime, das mit militärischer Gewalt das Existenzrecht eines ganzen Landes infrage stellt“. Russlands wolle die Ukraine zerstören. „Die Bundesregierung wird alles tun, um dies zu verhindern“, sicherte der Kanzler zu. Vorrangiges Ziel sei, „Frieden, Freiheit und Wohlstand in unserem Lande zu sichern“. Mit Blick auf eine Verständigung mit Russland äußerte sich Merz skeptisch: „Die Mittel der Demokratie sind ausgeschöpft.“

Schwerste Luftangriffe auf Ukraine seit Kriegsbeginn: Fünf Menschen getötet, mehrere Verletzte

Ziel der jüngsten Attacken waren vor allem Regionen im Westen des Landes: unter anderem die Städte Lutsk, Chmelnyzkyj und Ternopil. Unter Feuer geriet dabei auch die im Westen des Landes gelegene Region Wolyn. Es sei der schwerste feindliche Angriff aus der Luft seit Kriegsbeginn gewesen, sagte der Bürgermeister der Gebietshauptstadt Luzk, Ihor Polischtschuk, auf seinem Telegram-Kanal. Demnach hat es Brände bei einem Unternehmen und in einer Garagensiedlung gegeben. Tote seien aber nicht zu beklagen, fügte er hinzu. 

Nach Angaben des Wolyner Militärgouverneurs Iwan Rudnyzkyj sind etwa 50 Drohnen und 5 Raketen in den Luftraum der Region eingedrungen. „Faktisch flog alles nach Luzk“, schrieb er. Nähere Details zum Ausmaß der Schäden gab es nicht. 

Russische Angriffe auf Ukraine: Unter anderem Kiew angriffen

Auch in anderen Regionen gab es Einschläge. Im südukrainischen Cherson wurden in den frühen Morgenstunden zwei Personen verletzt. Die Hauptstadt Kiew ist dem Bürgermeister Vitali Klitschko zufolge im Zentrum angegriffen worden. Im Umland von Kiew musste eine Frau nach Brustverletzungen durch Drohnenbeschuss ins Krankenhaus eingeliefert werden. An mehreren Stellen im Kiewer Gebiet brachen Brände aus. Im Osten wurden zudem in Orten an der Frontlinie wie Sumy, Saporischschja oder Dnipro Explosionen gemeldet.

Die Luftwaffe hatte zuvor am Abend vor Raketen und Drohnen aus Russland gewarnt. Demnach war mindestens eine der schwer abfangbaren Hyperschallraketen des Typs Kinschal (Dolch) in Richtung des westukrainischen Gebiets Schytomyr abgefeuert worden. Es hatte Luftalarm im ganzen Land gegeben. 

Ukraine-Krieg: Auch in westrussischer Stadt Kursk melden Behörden Tote

Der ukrainische Präsidialamtschef Andrij Jermak schrieb dazu in Online-Medien, es sei „bezeichnend“, dass Russland just jetzt diese Angriffe ausführe – nachdem die USA öffentlich die Lieferung weiterer Waffen an Kiew angekündigt hätten.

Derweil wurden in der westrussischen Stadt Kursk nach russischen Behördenangaben mindestens drei Menschen durch eine Drohne getötet. Weitere sechs Menschen wurden verletzt, wie Gouverneur Alexander Chinschtein am Dienstag bei Telegram mitteilte. Er warf der ukrainischen Armee einen Angriff auf einen Strand der Großstadt mit mehr als 400.000 Einwohnern vor. Kursk liegt nur gut 90 Kilometer von der russisch-ukrainischen Grenze entfernt.

afp, dpa, daw, viv