Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, hat Veranstalter in Deutschland zur Absage der Konzerte der britischen Musikband „Bob Vylan“ aufgefordert. „Ich finde es abstoßend und unwürdig, die Bühne eines Musikfestivals gezielt und öffentlich für Hass und Hetze zu missbrauchen und zum Tod von Menschen aufzurufen“, sagte Klein unserer Redaktion. „Konzertveranstalter sollten ein derart menschenverachtendes Verhalten nicht unterstützen.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die „vermeintlich politischen Statements der Band“ seien „nichts weiter als menschenverachtend und haben mit Musik oder Kunst nichts zu tun“, so Klein. Sie seien „lediglich als ebenso durchschaubarer wie inakzeptabler Versuch zu betrachten, mittels Skandalen die eigene Popularität zu steigern“, hob der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus hervor.

Bob Vylan: Antisemitismus-Beauftragter fordert Konzert-Absagen in Deutschland

Klein begrüßt die zahlreichen nationalen und internationalen kritischen Reaktionen auf die Äußerungen der Band auf der Bühne eines englischen Rockfestivals am vergangenen Wochenende. Zugleich appelliert Klein an die Verantwortung aller Veranstalter von Konzerten und Festivals in Deutschland, dem Beispiel der Live Music Hall in Köln und des Radar Festivals in Großbritannien zu folgen und die Auftritte von Bob Vylan abzusagen.

Das britische Hip-Hop-Punk-Duo war am Samstag beim Glastonbury-Festival in England aufgetreten. Der Sänger rief mit dem Slogan „Death, death to the IDF“ (Tod den israelischen Streitkräften) zu Sprechchören des Publikums auf. Sowohl der als antisemitisch eingestufte Auftritt selbst als auch der Umgang der BBC mit der Übertragung wurden in der Folge massiv kritisiert – unter anderem vom britischen Premierminister Keir Starmer.

Bob Vylan
Bob Vylan-Musiker beim Auftritt auf der West Holts Stage während des Glastonbury Festivals in Worthy Farm in Somerset. © Ben Birchall/PA Wire/dpa | Ben Birchall

BBC bedauert „verwerfliches Verhalten“

Die BBC teilte mit, der Sender bedauere zutiefst, „dass ein derart anstößiges und verwerfliches Verhalten“ zu sehen gewesen sei. Antisemitismus dürfe bei der BBC keinen Platz haben. Es seien vor und während der Übertragung eindeutig Fehler gemacht worden. Der Auftritt von Bob Vylan sei als besonders risikobehaftet eingestuft worden – wie sechs andere Auftritte bei dem Festival auch. „Sie galten jedoch alle als geeignet für einen Livestream“, wenn entsprechende Maßnahmen zur Risikominimierung getroffen würden, teilte die BBC mit. 

Während der Übertragung waren auf den Bildschirmen Warnungen zu Sprache und Inhalt zu sehen. Die Einschätzung, dass dies ausreiche, sei falsch gewesen, teilte die BBC mit. Ebenso wie die Entscheidung, die Übertragung nicht abzubrechen, schrieb der Sender. 

Die Band hatte sich zuvor verteidigt. Sie habe mit dem Slogan nicht zur Tötung von Menschen aufgerufen. Es habe sich vielmehr um legitime Kritik an der israelischen Kriegsführung gehandelt, behaupten die Musiker in einem Post bei Instagram.