„Ich glaube nicht, dass sie jemals wieder aufeinander schießen werden.“ Die Aussage von US-Präsident Donald Trump nach der Verlautbarung einer Waffenruhe zwischen dem Iran und Israel war äußerst rasch überholt. Etwas mehr als drei Stunden, nachdem die Feuerpause in Kraft getreten war, heulten im Norden Israels die Alarmsirenen: Zwei ballistische Raketen aus dem Iran zwangen Hunderttausende Menschen in ihre Luftschutzräume. Israels Reaktion auf den Bruch der Waffenruhe fiel bescheiden aus: Anstatt eines „kraftvollen Schlags ins Herzen Teherans“, wie Israels Verteidigungsminister Israel Katz ihn angekündigt hatte, sah man einen Angriff auf eine Radaranlage vor Teheran. Ein rein symbolischer Schlag.

Trump ruft Iran und Israel zur Ruhe – mit Erfolg

Grund dafür war erheblicher Druck aus den USA. „Israel soll sich jetzt beruhigen“, sagte Trump zu einer Korrespondentin des israelischen Fernsehens in Washington. Und so kam es vorerst auch. In Israel hört man aber durchaus Kritik daran, wie die Waffenruhe zustande kam. Für Katz war klar: Der Iran hatte die Waffenruhe gebrochen, Israels Antwort müsse harsch sein.

Dazu kommt, dass der Iran die israelische Zivilbevölkerung noch kurz vor dem Eintritt der Waffenruhe mit einem wahren Raketenhagel überzogen hatte. Ab fünf Uhr morgens heulten im ganzen Land mehrmals hintereinander die Alarmsirenen. Insgesamt sechs Raketensalven prasselten auf Israels Städte nieder. Bei einem Einschlag auf ein mehrstöckiges Wohnhaus in der südisraelischen Großstadt Beerscheva kamen vier Menschen ums Leben. Das allein schon wäre für Israels Armee ein Grund gewesen, im Iran Vergeltung zu üben – doch dazu kam es nach den Ordnungsrufen aus Washington nicht.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Für Konflikte soll das auch in Netanjahus Regierung sorgen. Der Premier hatte daher den Beschluss zur Waffenruhe seinem Kabinett erst gar nicht zur Abstimmung vorgelegt, sondern dessen Mitglieder nur informiert. Danach hat Netanjahu ein strenges Interviewverbot verhängt.

Warum Israel immernoch iranische Atomwaffen fürchtet

Trotz aller militärischen Erfolge, die Israel in seiner zwölftägigen Militäroffensive im Iran erzielen konnte, ist die Bedrohung aus Teheran nämlich noch längst nicht gebannt. Experten in Israel warnen vor übereilter Euphorie.

Israels Armee mag ihr Ziel erreicht haben, die iranische Uran-Anreicherung erheblich zu bremsen. Auch personell wurde das iranische Atomprogramm empfindlich geschwächt. Das ändert aber nichts daran, dass das Regime über 400 Kilogramm angereichertes Uran verfügt – und niemand weiß, wo sich das Material befindet. Die unterirdischen Lagerbestände in der Atomfestung Fordo waren in Erwartung der amerikanischen Luftschläge transferiert worden. Wo sie sich jetzt befinden, ist unklar.

206807_1325_206807_cover.jpg
#17 Omid Nouripour über seine Flucht aus dem Iran – und wie man auf Farsi rappt
Meine schwerste Entscheidung
 

Auch das Raketenarsenal des Ayatollah-Regimes wurde dezimiert, die Angriffskapazitäten deutlich geschwächt – nun gehe es aber darum, den Iran an der Wiederaufrüstung zu hindern, sagt Ram Yavne, langjähriger hochrangiger Offizier der strategischen Planung im israelischen Militär. Der Fokus müsse also auf den Verhandlungen für einen neuen Deal mit dem Iran liegen. Da sich solche Gespräche längere Zeit hinziehen könnten, brauche es schon unterdessen Kontrollmechanismen, meint Yavne – „am besten unter amerikanischer Führung“. Militärische Erfolge zu erzielen, sei wichtig – sie abzusichern, aber ebenso zentral.