Am Tag nach dem großen Militärschlag der USA gegen Teherans Atomwaffenprogramm versucht die betroffene Seite das Ausmaß der Zerstörung herunterzuspielen. Vonseiten des Irans heißt es, bei der unterirdischen Urananreicherungsanlage in Fordo seien lediglich ein paar Zentrifugen beschädigt worden. US-Präsident Donald Trump hingegen lobte den Einsatz seiner Kampftruppe und meinte, die tief im Bergmassiv versteckte Anlage sei „ausradiert“ worden.

Was haben diese kleinen schwarzen Punkte zu bedeuten?
Auf den neusten vom Unternehmen Maxar zur Verfügung gestellten Satellitenbildern aus der Region ist zwar keine große überirdische Zerstörung zu erkennen. Jedoch sind vor allem die Schäden unterhalb der Erde entscheidend. Dort sollen die GBU-57-Bomben der US-Streitkräfte explodiert sein, vorausgesetzt, sie haben die dicken Gesteinsschichten durchschlagen. Auf den Bildern zu erkennen: Sechs schwarze Punkte, die Einschlagslöcher der Bomben. Sie sollen Analysten zufolge über den Haupttunneln der Anreicherungsanlage liegen.
The Open Source Centre created a topographical and 3D model of the facility, layering imagery from 22 June 2025. Using this, we can see where the strikes hit the Fordow facility, likely targeting the cascade hall buried underneath the GBU-57A/B MOP entry points. pic.twitter.com/Et70FLZZYc
— Open Source Centre (@osc_london) 22. Juni 2025
Neben diesen sechs Löchern sind auch die grau-blauen Aschewolken interessant, die auf dem Areal liegen. Das „Institute for the Study of War“ aus Washington erklärte dazu auf X, dass diese von dem Luftangriff verursacht wurden. „Außerdem werden mehrere Tunneleingänge, die in die Untergrundeinrichtung führen, nach dem Luftschlag mit Geröll verstopft“, fügten die Forscher hinzu.
The United States conducted strikes targeting Iran’s nuclear program on the night of June 21-22, including the underground site at Fordow. ISW and @criticalthreats will provide an initial analysis of these strikes in our morning update.
— Institute for the Study of War (@TheStudyofWar) 22. Juni 2025
Before/after imagery of Fordow via @Maxar… pic.twitter.com/41hbjZ7Ph0
- Um Vorurteile abzubauen: Jüdin lernt Arabisch – „Sie dachten, ich sei vom Geheimdienst“
- FUNKE Podcast: Nahost in der Sackgasse von Gewalt und politischem Versagen
- Geologe liefert Analyse: Tunnel-Experte hält Gazastreifen für langfristig unbewohnbar
- WHO: Gesundheitswesen im Gazastreifen dem Zusammenbruch nahe
Luftschlag gegen iranisches Atomprogramm: Wurde wirklich alles zerstört?
Laut Analysen der Nachrichtenagentur AP sind zudem leichte Erdabsenkungen zu erkennen. Die grau-bläulichen Felder deuten auf eine mögliche Explosion unter der Erde hin. Das könnte bedeuten, dass die rund 14 Tonnen schweren US-Bomben tatsächlich tief im Inneren des Berges explodiert sind.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Wie stark genau die Forschungsanlage wirklich beschädigt wurde, ist zum aktuellen Zeitpunkt schwer zu sagen. Die vielen Veränderungen auf den Bildern weisen darauf hin, dass die Einrichtung schweren Schaden genommen hat. Verteidigungsminister Pete Hegseth sprach am Sonntag davon, der Angriff sei ein „unglaublicher und überwältigender Erfolg“.

Generalstabschef Dan Caine war zurückhaltender. Wie groß die erzielten Schäden seien, werde zurzeit geprüft, betonte Caine. Der oberste Militär der USA widersprach damit indirekt US-Präsident Donald Trump, der kurz nach den Angriffen von einer völligen Zerstörung gesprochen hatte.
Spekulationen über mögliche Evakuierung von Fordo
Ob das Atomprogramm des Iran mit der Bombardierung vernichtet wurde, ist bislang fraglich. Zumal: In den Tagen vor dem Angriff der USA war ungewöhnlich viel Verkehr rund um die Anlage zu beobachten. Auch das zeigen Satelliten aufnahmen. Darauf sind unter anderem 16 Lkw zu sehen, die auf einer Zugangsstraße unterwegs waren.
Satellite pictures taken before last night's US strikes indicated unusual traffic movements at the Fordo nuclear plant in #Iran, in images taken on June 19th and 20th released today by @Maxar Technologies.
— Chris Partridge (@Chris1603) 22. Juni 2025
On the 19th, 16 cargo trucks were seen across an access road leading to a… pic.twitter.com/pLtCZqMoIV
Die Trucks ließen Spekulationen laut werden, die Iraner könnten wichtige Geräte aus der Anlage geschafft haben, bevor die Bomben fielen – etwa die für die Urananreicherung wichtigen Zentrifugen. Aus dem Iran heißt es, dass diese rechtzeitig an einen sicheren Ort gebracht worden seien. Experten bezweifeln das. Eine großangelegte Evakuierung von Fordo wäre den Israelis wohl kaum verborgen geblieben – und hätte ein mit großer Sicherheit einen Luftangriff auf derartige Unternehmungen zur Folge gehabt.




