Nach einer tagelangen Zitterpartie haben die USA in der Nacht zum Sonntag an der Seite Israels in den Krieg eingegriffen. Laut Präsident Donald Trump wurden Irans „entscheidende Anlagen zur Uran-Anreicherung“ komplett zerstört. Wie reagiert nun das Mullah-Regime? Ein Überblick über die wichtigsten Szenarien.
Iranische Vergeltungsangriffe auf Israel und US-Stützpunkte im Nahen Osten
Bereits kurz nach der US-Attacke hat Teheran 30 Raketen auf Israel abgefeuert. Vieles spricht dafür, dass der Iran die Vergeltungsschläge forciert. Dabei nimmt das Mullah-Regime auch zivile Ziele ins Visier. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi drohte bereits nach den US-Angriffen mit Konsequenzen: „Die Ereignisse von heute Morgen sind ungeheuerlich und werden dauerhafte Folgen haben.“

Eine neue Eskalationsstufe des Krieges droht, sollte der Iran US-Stützpunkte im Nahen Osten attackieren. Amerika hat rund 40.000 Soldaten in der Region stationiert. Die Basen befinden sich in Kuwait, Katar, Bahrain, im Irak, in Syrien, Jordanien, Saudi-Arabien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die iranische Kurzstreckenraketen Fateh-110 und Shahab-1 heben eine Reichweite von jeweils 300 Kilometern. Damit könnten diese zum Beispiel den US-Luftwaffenstützpunkt Al Udeid in Katar, die Marinebasis Naval Support Activity in Bahrain, Heimat der Fünften US-Flotte, oder die Stellung Camp Buehring in Kuwait erreichen. Alle anderen US-Stützpunkte in der Region sowie jeder Ort in Israel könnten mit den iranischen Mittelstreckenraketen Shahab-3, Chorramschahr und Chorramschahr-4 getroffen werden. Die Geschosse verfügen über eine Reichweite von jeweils 2000 Kilometern.

Attacken auf Ölanlagen in der Region:
Der Iran hat bereits Angriffe auf Ziele in arabischen Ländern angedroht, sollten diese dem israelischen oder amerikanischen Militär behilflich sein. Etwa, indem sie ihren Luftraum für Operationen zur Verfügung stellen. Im September 2019 kam es zu Angriffen auf zwei saudi-arabische Ölanlagen, die von Drohnen und Marschflugkörpern ausgeführt wurden. Dadurch wurde die Ölproduktion der Saudis zeitweise um bis zu 50 Prozent gedrosselt.
Die mit dem Iran verbündete schiitische Huthi-Miliz im Jemen reklamierte die Attacken für sich – als Vergeltung für die saudische Militärkampagne im Jemen. Ein Angriff des Irans auf Ölanlagen im Nahen Osten hätte gravierende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft: Die Ölpreise würden in die Höhe schießen, das globale Wachstum würde noch mehr gebremst.
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Schließung der Straße von Hormus:
Die Schließung der Straße von Hormus hätte die gleichen schädlichen Konsequenzen wie iranische Attacken auf die Ölanlagen in der Region. Durch die Meerenge zwischen dem Iran und dem Oman fließt ein Fünftel des weltweiten Ölangebots, rund 20 Millionen Barrel am Tag. Ein Drittel des Flüssiggases LNG wird ebenfalls durch die Schiffspassage transportiert. Gegenüber dem Iran liegen die Öl- und Gasförderländer Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait und Katar. Die deutsche Wirtschaft, die einen großen Teil ihres Öl- und Gasbedarfs aus der Region bezieht, wäre bei einer Schließung der Straße von Hormus stark betroffen.
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Terroranschläge auf israelische und amerikanische Ziele:
Terroranschläge gehören zur asymmetrischen Kriegsführung des Mullah-Regimes. Auf Zypern wurde am Freitag ein Mann festgenommen, der einen terroristischen Anschlag auf Militäreinrichtungen der Inselrepublik geplant haben soll. Medienberichten zufolge soll der mutmaßliche Attentäter aus Aserbaidschan stammen und im Auftrag der iranischen Revolutionsgarden gehandelt haben. Die Revolutionsgarden hätten einen „Angriff auf israelische Bürgerinnen und Bürger in Zypern versucht“, erklärte der israelische Außenminister Gideon Saar. Zypern ist ein beliebtes Urlaubsziel der Israelis.
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Beschleunigter Bau einer Atombombe:
Westliche Experten befürchten, dass das Mullah-Regime im Zeichen existenzieller Bedrohung sein Heil im beschleunigten Bau einer Nuklearwaffe sucht. Ziel ist es demnach, einen Unantastbarkeits-Status wie die Atommacht Nordkorea zu erlangen, die über rund 60 Nuklearbomben verfügen soll. Fachleute vermuten, dass der Iran längst einen Teil seines spaltbaren Materials an Orte außerhalb der bekannten Atomanlagen transportiert hat – vielleicht sogar auf nordkoreanischem Territorium.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Das hochangereicherte Uran dürfte in Bergmassiven tief unter der Erdoberfläche untergebracht sein. Der jüngste amerikanische Schlag gegen die Nuklearanlagen in Fordo, Natanz und Isfahan war daher möglicherweise nur von begrenzter Wirkung. Nach Ansicht des früheren CIA-Analysten Kenneth Pollack steht das Urteil über die Wirksamkeit von Trumps Militäraktion noch aus: „Ob sie erfolgreich war, werden wir erst wissen, wenn wir die nächsten drei bis fünf Jahre überstehen, ohne dass das iranische Regime Atomwaffen bekommt.“ Mit dem Angriff habe Trump auf jeden Fall der Führung in Teheran „schlagende Argumente“ gegeben, nach Kernwaffen zu streben.
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Rückkehr an den Verhandlungstisch:
Es ist die Hoffnung Trumps und der Europäer, dass der Iran aus Furcht vor massiven Militärschlägen Gespräche über eine Beendigung seines Atomprogramms aufnimmt. Dieses Szenario ist nach der harschen Rhetorik aus Teheran nicht sehr wahrscheinlich. Das Regime würde dies als Gesichtsverlust und Demütigung empfinden. Gleichzeitig befürchtet es einen Autoritätsverlust nach innen und außen, der am Ende seine eigene Existenz gefährden könnte. Der wichtigste Reflex des Mullah-Staats ist, das eigene Überleben zu sichern.









