Als Jinah Mahsa Amini starb, reichte es vielen Menschen in Teheran und anderen iranischen Städten. Die junge Kurdin kam im Herbst 2022 in Polizeigewahrsam ums Leben. Festgenommen wurde sie, weil sie ihr Kopftuch nicht richtig getragen haben soll. Wochenlang erschütterte daraufhin die Protestbewegung Frauen, Leben, Freiheit nicht nur den ganzen Iran. Es war eine Revolution, die blutig niedergeschlagen wurde. Und nun? Nach dem Ausbruch des Krieges mit Israel? Wie steht es um die Opposition? Wie ist die Lage im Land? Vor allem: Wie reagieren die Menschen auf die jüngste Warnung des US-Präsidenten Donald Trump vor weiterer Eskalation?

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Einer, der täglich mit Menschen im Iran spricht, ist der Mannheimer Künstler Mehrad Zaeri. „Sie freuen sich, dass sich endlich was tut“, sagt er dieser Redaktion. „Und dann erkennen sie, wie ihr persönliches Leben zusammenbricht.“
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Als Israel die Angriffe startete, ging der zweite Teil der Party los
So ergeht es derzeit seinem Cousin, der eigentlich als Physiotherapeut in Düsseldorf arbeitet. Derzeit steckt er aber in Teheran fest, dort war er zu Besuch, um nach vielen Jahren seine Frau an ihrem Geburtstag wieder zu sehen. Bisher habe er es nicht geschafft, sie nach Deutschland zu holen. In der Nacht der Bombardements feierte das Paar, es waren Gäste da. Um ein Uhr, als die Party sich zu ihrem Ende neigte, flog Israel die Angriffe – „und die Geburtstagsgesellschaft feierte die zweite Party, denn alle haben sich gefreut“, zitiert Zaeri seinen Cousin, mit dem er engen Kontakt hat. „Es war das zweite Fest nach dem ersten.“ Als die Nachricht eintraf, dass viele Militärs getötet wurden, „da war die Freude noch größer.“
Die große Party nach den Angriffen: Davon berichten derzeit viele Iraner in Deutschland, die in engem Kontakt mit ihren Verwandten sind. Auch in den sozialen Medien werden die Angriffe gefeiert. Und doch macht sich auch Ernüchterung breit: wie beim Cousin von Mehrad Zaeri. Denn er kommt nicht mehr raus aus Teheran. Was wird nun aus seinem Job in Deutschland, seiner Arbeitserlaubnis, dem Aufenthaltstitel?
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Die Teheranerin Fati flieht mit Freund und Katzen in eine Hütte aufs Land
Zur Unsicherheit kommt noch die Angst: „Die Teheraner wissen inzwischen, dass sie von den israelischen Raketen getroffen werden können.“ Hinzu komme: Durch die Bilder aus Gaza sei das Vertrauen in Israel nicht mehr da. „Netanjahu ist schließlich nicht für seine väterliche Liebe bekannt“. Diese Zerrissenheit der Gefühle sei typisch für die Menschen im Iran, sagt der Künstler, der in Isfahan aufwuchs und im Alter von 14 Jahren vor den Mullahs nach Deutschland floh.

Wer also kann, der flieht: Zum Beispiel Zaeris Freundin, die Teheraner Journalistin Fati und ihr Partner. Die beiden packten ihre Katzen ins Auto, nahmen noch zwei Katzen von Freunden auf, warteten Stunde um Stunde vor einer Tankstelle, weitere Stunden verbrachten sie im Teheraner Stau, bis sie die Stadt hinter sich lassen konnten, um Unterschlupf in einer Hütte auf dem Land zu finden, die ihnen ein Freund überlassen hatte. Dabei, sagt Zaeri, könne seine Freundin eigentlich nichts mehr erschüttern.
Viele Geschäfte sind zu, Banken gehackt, und auf den Straßen patrouilliert die Polizei
Die meisten Menschen, so Zaeir würden aber wohl in der Stadt bleiben müssen. Denn wer habe schon ein Auto, eine Hütte auf dem Land und dann auch noch die Kraft, einfach alles hinter sich zu lassen? So sieht es auch Valerio Krüger, Sprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte. „Die Menschen in Teheran sind gestresst“, fasst er zusammen. Schließlich seien viele Geschäfte in Teheran zu, das Internet falle immer wieder aus. Der Menschenrechtsexperte zitiert Berichte, wonach zwei Banken gehackt worden seien, so dass dort kein Geld mehr abgehoben werden könne.
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In den Straßen patrouillierten sogenannte Aufstandsbekämpfungseinheiten der Polizei. Frauen, die kein Kopftuch tragen, erhielten nach wie vor Warnungen der Sittenpolizei. Und aus einem Suchtzentrum in Teheran seien Insassen geflohen. „Da fragt man sich, wo eigentlich die Wächter sind“. Kurz: Die Zeichen stehen auf Chaos. Gegner des Regimes, so Krüger, nutzten die Lage, um zu neuen Protesten aufzurufen. „Das ist die größte Angst der Regierung“, sagt Mehrdad Zaeri, „wenn die Menschen sagen, das Sterben kommt so oder so. Und dann ihr Leiden eine Revolution auslöst.“









