Der Konflikt um das Atomprogramm Irans wirft ein Schlaglicht auf ein großes globales Problem: Zunehmend interessieren sich Staaten weltweit für den Besitz von Atombomben als ultimative Versicherung gegen Angriffe. Und die neun Atomwaffen-Staaten, die zusammen über 12.241 Nuklearbomben verfügen, rüsten auf. Sicherheitsexperten warnen jetzt vor einem neuen atomaren Rüstungswettlauf: Der werde diesmal viel gefährlicher als das erste Wettrüsten im Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion, heißt es im neuen Jahrbuch des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri. Der Report wird am Montag veröffentlicht, lag unserer Redaktion vorab vor.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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„Wir sehen einen klaren Trend zu wachsenden Atomarsenalen, verschärfter Atomrhetorik und der Abschaffung von Rüstungskontrollvereinbarungen“, sagt Sipri-Atomexperte Hans Kristensen. Im kommenden Jahr werde mit dem „New Start“-Vertrag das letzte Rüstungskontrollabkommen auslaufen, das die strategischen Atomwaffen der USA und Russland begrenzte, eine Neuauflage – auf die sich die Präsidenten Donald Trump und Wladimir Putin einigen müssten – sei bislang nicht in Sicht. Eine Ära gehe damit zu Ende.
Sipri-Bericht: Das neue Wettrüsten bringt viel mehr Risiken
Alle neun Atomwaffen-Staaten – USA und Russland, Frankreich, Großbritannien, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea – verfolgten die Modernisierung ihrer Arsenale, bestehende Bomben würden verbessert und neue Versionen hinzugefügt, heißt es in dem Bericht. Das gilt für die USA und Russland, die zusammen 90 Prozent aller Atomwaffen besitzen und die jeweils etwa 1700 Sprengköpfe einsatzbereit haben, aber auch für die kleineren Atommächte. „Das neue Wettrüsten, das gerade Fahrt aufnimmt, bringt viel mehr Risiken und Unsicherheiten als das letzte“, warnt Sipri-Direktor Dan Smith mit Blick auf den Kalten Krieg, der 1990 ein glimpfliches Ende fand.

Zugleich gibt es trotz des gültigen Atomwaffen-Sperrvertrags in einer zunehmenden Zahl von Staaten Debatten oder schon Bestrebungen zu einer eigenen Atombewaffnung, wie der Report beklagt: in Ostasien, in Europa – und im Nahen Osten. In der Region Nahost besitzt bislang nur Israel Atombomben. Der Iran ist unter Verdacht, kurz vor der heimlichen Fertigstellung der ersten neun Bomben zu stehen, Rivale Saudi-Arabien hat für diesen Fall bereits Interesse an einer Nuklearbewaffnung signalisiert.

Israels Arsenal umfasst nach Angaben der Sipri-Experten 90 Sprengköpfe, die von Kampfjets F-16 und F-15, mit Jericho-Raketen und von U-Booten abgeschossen würden. Von den israelischen Atombomben ist laut Sipri aber – anders als bei den ersten fünf Atommächten – keine einzige sofort einsatzbereit. Genauso wie Israel handhaben es Pakistan (170 Sprengköpfe), Indien (180) und Nordkorea (50).
Sorge bereitet den Sicherheitsexperten die schnelle Entwicklung und Anwendung neuer Technologien bei den Atomstreitkräften: Der Einsatz Künstlicher Intelligenz oder die Ausdehnung in den Weltraum bedeute eine neue Instabilität.
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Während eine Reihe von Militärstrategen weltweit aus dem Krieg der Atommacht Russland gegen die atombombenlose Ukraine den Schluss ziehen, nur ein Nuklear-Arsenal schütze vor einem Angriff, bewerten die Sicherheitsexperten die Lage anders. Sipri-Forscher Matt Korda sagt: „Atomwaffen garantieren keine Sicherheit.“ Die jüngste Auseinandersetzung zwischen Indien und Pakistan habe gezeigt, dass ein nukleares Arsenal auch keinen Konflikt verhindere, sagt Korda: „Atomwaffen bedeuten ein enormes Risiko der Eskalation und katastrophaler Fehlkalkulation, besonders wenn Desinformation im Spiel ist. Sie machen das Leben der Bürger am Ende unsicherer.“





