Ein neuer Krieg ist ausgebrochen, die Welt hält den Atem an. Der Konflikt zwischen Israel und dem Iran ist in der vergangenen Nacht eskaliert. Mehrere Ziele im Iran wurden attackiert. Besonders besorgniserregend ist der Angriff auf die Uran-Anreicherungsanlage in Natanz, etwa 250 Kilometer südlich von Teheran, den die Internationale Atomenergiebehörde IAEA am Freitag bestätigte.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Laut Israels Premierminister Benjamin Netanjahu sei damit „das Herz“ des iranischen Atomprogramms zur Anreicherung von Uran getroffen worden. Sofort werden Erinnerungen an die nuklearen Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima wieder wach. Aber welche Gefahren gehen wirklich von dem Angriff aus?

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Das sei überhaupt nicht mit der Zerstörung eines laufenden Kernkraftwerks vergleichbar. „Da wären die Auswirkungen weitaus größer“, sagt Clemens Walther, Leiter des Instituts für Radioökologie und Strahlenschutz der Leibniz Universität Hannover. Denn während in den Reaktoren mit Brennelementen gearbeitet werde, handle es sich in Natanz um reines Uran, das weniger gefährlich sei. „Die Auswirkungen werden sicherlich weit weniger radiologisch als politisch sein“, sagt Walther.

Ein Satellitenbild zeigt die iranische Uran-Anreicherungsanlage Natanz, südlich von Teheran, von oben. Die Anlage ist eines der Ziele, die am frühen Freitagmorgen von Israel angegriffen wurden.
Ein Satellitenbild zeigt die iranische Uran-Anreicherungsanlage Natanz, südlich von Teheran, von oben. Die Anlage ist eines der Ziele, die am frühen Freitagmorgen von Israel angegriffen wurden.© AFP | -

In Natanz soll Uran angereichert werden, um nukleare Waffen herzustellen. Der Anteil des leichten Urans 235 muss hierfür im Vergleich zum schwereren Uran 238 ungefähr auf 90 Prozent erhöht werden, um eine Kernwaffe herzustellen. „Der Iran war vor drei Jahren schon bei 60 Prozent Anreicherung. Deswegen stellt sich mir die Frage, ob das Ziel nicht sogar schon erreicht wurde oder man sehr knapp davor steht“, sagt Walther.

Gefährliche Flusssäure kann beim Einatmen bis zum Tod führen

Gefährlicher als die Strahlung könnte die Freisetzung von Hexafluorid sein, das zur Uran-Anreicherung benötigt wird. In Zentrifugen werden die leichten Uran-235-Moleküle von den schweren Uran-238-Molekülen getrennt.

„Wenn das freigesetzt wird, ist das Fluorid in Verbindung mit Luftfeuchtigkeit sofort Flusssäure und die ist natürlich sehr ätzend und greift die Atemwege an“, sagt Walther. Ein Einatmen des Gases könnte zur Zerstörung der Lunge und damit bis zum Tod führen.

Im Iran wurden bislang keine erhöhten Strahlungswerte festgestellt

Derzeit gibt es jedoch keine Hinweise dafür, dass Gas freigesetzt wurde. Nach Informationen der iranischen Behörden wurden auch keine erhöhten Strahlungswerte festgestellt, teilte die IAEA mit. Das könnte vor allem daran liegen, dass die Anlage sehr gut geschützt ist: Natanz sei mit einer 8,5 Metern dicken Betondecke gesichert und liege 30 bis 40 Meter unter der Erde, erklärt Walther.

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Sollte das Gas dennoch freigesetzt werden und zu gefährlicher Flusssäure werden, wäre wohl vor allem die lokale Bevölkerung in einem Umkreis von einigen zehn Kilometern davon betroffen. Eine Freisetzung von radioaktiver Strahlung würde über wenige Kilometer nicht hinausgehen. „Wenn der Wind in Zukunft zu uns blasen sollte, dann könnten wir das in Deutschland auch nachweisen“, so Walther. „Es gäbe aber dadurch keine Gesundheitsgefährdung.“