Mit einer Schweigeminute gedachten Frankreichs Schulen am Donnerstag einer Aufseherin, die zwei Tage zuvor von einem 14-Jährigen brutal erstochen worden war. Die Tat ereignete sich bei einer routinemäßigen Kontrolle der Schultaschen in der ostfranzösischen Stadt Nogent. Der Mittelschüler zückte ein Messer und stach mehrmals auf die 31-jährige Frau ein. In Frankreich herrscht vor allem auch Bestürzung über das junge Alter des Täters.

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Macron: „Wir müssen den Zugang zu den sozialen Medien für Kinder unter 15 Jahren verbieten“

In Untersuchungshaft erklärte er seine Tat ohne Anzeichen von Reue damit, dass die Aufseherin einzelne Schüler ungleich und damit ungerecht behandelt habe. Quentin, wie der Festgenommene mit Vornamen heißt, stammt aus einer durchschnittlichen Familie und war an seiner Schule bisher zweimal durch Faustschläge auf Mitschüler aufgefallen. Dem Vernehmen nach verbrachte er viel Zeit mit gewalttätigen Videospielen.

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Dieser Umstand veranlasste den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, sein bereits früher angeregtes Verbot sozialer Medien für junge Teenager zu erneuern – diesmal aber mit Nachdruck und mit einem Ultimatum an die in Internetfragen zuständige EU. „Wir müssen den Zugang zu den sozialen Medien für Kinder unter 15 Jahren verbieten“, sagte der Staatschef. „Ich gebe uns ein par Monate Zeit, um ein europäisches Vorgehen in Gang zu bringen. Andernfalls beginnen wir damit in Frankreich. Wir können nicht länger warten.“

Rein technisch können TikTok und Co. gesperrt werden

Experten halten ein richtig gehandhabtes Internetverbot für Kinder grundsätzlich für technisch machbar und auch für rechtskonform. Die Frage der korrekten Durchsetzung sei eine Frage des politischen Willens, sagt Samuel Comblez vom Verein E-Enfance (E-Kindheit). „Natürlich gibt es Möglichkeiten zur Umgehung“, erklärte er dem TV-Sender TF1. „Wir machen uns nichts vor, es werden sich nicht hundert Prozent der Betroffenen an das Verbot halten.“

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron fordert ein Verbot sozialer Medien für Kinder.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron fordert ein Verbot sozialer Medien für Kinder. © AFP | Sarah Meyssonnier

Identitätskarten, die gescannt werden müssten, ließen sich fälschen, räumte Comblez ein; und die teils schon heute erforderliche Zustimmung der Eltern oder einer erwachsenen „Vertrauensperson“ lasse sich noch leichter fabrizieren. Aber es gebe auch praktikable Methoden, wie etwa Gesichtserkennung.

Keine sozialen Medien für Kinder? Kritiker warnen vor sozialer Isolierung

Die französische Datenschutz-Kommission (Cnil) sieht in der Gesichtserkennung zwar ein „Risiko für das Privatleben“, schließt sie aber auch nicht aus. Die Grüne Partei verweist darauf, dass bisher nur autoritäre Regimes wie China ein funktionierendes System für Internetsperren eingerichtet hätten. Unter-14-Jährige können sich auf das chinesische TikTok-Pendant Douyin nur 40 Minuten pro Tag einloggen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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In der EU haben sich bisher sieben Länder, darunter Spanien, Dänemark oder Italien, für eine Altersbegrenzung sozialer Medien ausgesprochen. Die meisten Regierungen zögern aber wegen technischer Hürden und rechtlicher Einwände.

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#8 Ricarda Lang über ihren Rücktritt, Humor und alte Männer
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Libertäre Parteien in Europa wenden ein, dass vor allem Videospiele gewalttätige Inhalte aufwiesen – und sie würden durch ein Verbot sozialer Medien höchstens indirekt getroffen. Laut der Informatikerin Sophie Jehel von der Universität Paris-8 haben Teenager im Schnitt sieben Abos auf Portalen wie Instagram oder Snapchat; ein Verbot könne heute bereits zu einer „sozialen Isolierung“ führen. „Es ist ferner zu befürchten, dass die Verbote zu einer massiven Umgehung im Verborgenen führen, was zahlreiche negative Folgen gegenüber dem offenen Internet hat“, meinte Jehel.